Venturate: Was macht All3DP?

Mathias Plica: Unser Thema ist 3D-Druck. Mit unserer englischsprachigen Plattform All3DP.com erschließen wir die Welt der 3D-Druck-Produkte für Konsumenten und Small-Business Nutzer. Wir wollen diesen Gruppen – den künftige Massenmarktkunden – zeigen, welche Produkte heute schon mit 3D-Druck Technologie machbar und verfügbar sind. Und wir zeigen ihnen, wo sie diese Produkte erhalten können.

Venturate: Wo siehst Du die Welt in 5 Jahren, was 3D-Printing angeht?

Mathias Plica: Das interessante an 3D-Druck ist, dass auf industrieller Seite seit 25 Jahren entwickelt wird und wir einen sehr reifen Markt vor uns sehen. Weltmarktführer wie das deutsche Unternehmen EOS fertigen mit dieser Technologie heute Bauteile für die Triebwerke von Airbus. Wir wissen also, was geht. Im Laufe der nächsten fünf Jahre erwarten wir auch für die Consumer-Märkte eine Fülle von Produkten und Anwendungen. Es wird in vielen Stadtvierteln 3D-Druck Zentralen (wie bisher die Copy-Shops) geben, die Produkte on Demand fertigen. 3D-Druck wird dann als die Methode bekannt sein, mit der sich individuelle Produkte, Bauteile oder Werkstücke fertigen lassen. Auch auf der Ebene der Konsumenten.

Venturate:  Wie schaut Euer Geschäftsmodell aus?

Mathias Plica: Wir errichten ein Zwei-Säulen-Modell. Auf der einen Seite steht redaktioneller Inhalt flankiert von Nutzerinhalten, was klassisch werblich monetarisiert wird. Unser Modell ist reichweitengetrieben und mit den gängigen Vermarktungsansätzen bespielbar. Auf der anderen Seite werden wir einen Marktplatz für 3D-Modelle bereitstellen, auf dem 3D-Modelle zum Selberdrucken verfügbar sind; und wir werden vom Marktplatz Druckaufträge an professionelle 3D-Druckdienstleister vermitteln. Wir sprechen also von Advertising und Ecommerce, ganz klassischen Erlösmodellen.

All3DP-Gründer: Mathias Plica, Stefan Schwarz-Ulrich und Anatol Locker (von links nach rechts)
All3DP-Gründer: Mathias Plica, Stefan Schwarz-Ulrich und Anatol Locker (von links nach rechts)

Venturate:  Wie seid Ihr von der Idee zur Gründung gekommen?

Mathias Plica: Am Anfang stand der Wunsch, unternehmerisch etwas Neues auf die Beine zu stellen. So hielten wir schon in 2013 bewußt nach Märkten Ausschau, die uns attraktiv erscheinen und mit unseren Kompetenzen zusammenpassen. Das Thema 3D-Druck als ein neuer Technologiemarkt war dabei nicht zu übersehen. Schnell klar waren uns die denkbaren Geschäftsmodelle. Prüfen mußten wir die Frage nach der Marktreife und dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Als wir hierzu Klarheit für uns gewonnen hatten, war auch das Thema Gründung gesetzt.

Venturate:  Wie viele Gründer seid Ihr und welche Skills bringen diese mit?

Mathias Plica: Wir sind drei Gründer bei All3DP. Anatol Locker ist ein erfahrener Tech-Journalist, der schon eine Reihe von Online- und Offline-Medienprodukten entwickelt hat. Anatol ist unser Content-Mann. Stefan Schwarz-Ulrich war über viele CTO von CHIP Online und hat seinen Fokus dabei mehr und mehr auf Produktarbeit gelegt. Stefan hat damit die Rolle des CPO/CTO im Team. Ich durfte über 12 Jahre als Geschäftsführer und Gesellschafter CHIP Online aufbauen und bringe das Knowhow zu Digital Publishing, Ecommerce und digitalen Märkten mit.

Venturate: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Mathias Plica: Eine Herausforderung war, Investoren von unserem internationalen Modell zu überzeugen. Unsere Plattform All3DP ist von Beginn an englischsprachig, wir zielen auf eine Milliarde Englisch-lesende Menschen. Interessanterweise haben viele deutsche Investoren gehörigen Respekt davor, in den globalen Markt zu investieren. Und die angelsächsischen Investoren wiederum schauen nicht auf deutsche Startups in der Seed-Phase.

Venturate: Ihr habt kürzlich eine Finanzierung über den HTGF abgeschlossen. Glückwunsch! Kannst Du uns mehr dazu sagen?

Mathias Plica: Der High-Tech Gründerfonds hat erkennbar Zielmärkte für seine Engagements definiert, einer davon ist 3D-Druck. Insofern hatten wir bezüglich der Markteinschätzung sofort Konsens. Uns gefiel zudem der gut strukturierte Prozess vom Kennenlernen über die Due Dilligence-Phase bis hin zum Closing. Bemerkenswert: Der HTGF kam auf unser Team zu, nachdem seine Scouts unser Profil auf Venturate gesehen hatten. Wir verdanken Venturate also einen ganz entscheidenden Lead.

Venturate:  Welche guten und schlechten Erfahrungen beim Fundraising hattet Ihr bisher?

Mathias Plica: Die Dinge brauchen Zeit, was keine neue Erkenntnis ist. Heute sind wir sehr happy, weil wir in dem HTGF einen starken Investor haben und zudem vier weitere private Angels an Bord holen konnten. Wie weiter oben schon gesagt, stießen wir einige Male auf VCs, die echte Scheu vor dem englischsprachigen Markt zeigten oder gleich den Umzug ins Silicon Valley empfahlen. Diese Haltung mag aus entsprechenden Erfahrungen gespeist sein, aber große Würfe kriegt man so auch nicht hin. Medienhäuser, die durchaus potentielle Investoren sein könnten, taten sich vor allem mit der Einschätzung zu dem Technologiemarkt 3D-Druck schwer oder verfügen über keine Strukturen, um Seed-Finanzierungen abzubilden.

Venturate:  Welchen Idealtyp von Investor wünscht Ihr Euch?

Mathias Plica: It’s about people. Am wichtigsten ist der persönliche Kontakt. Wenn der stimmt, lassen sich alle anderen Themen – leichter – lösen.

Venturate: Sonst noch etwas, das Ihr los werden möchtet?

Mathias Plica: Ich habe meine erste Online-Firma im Jahr 2000 gegründet (Xonio). Zwischen dem Closing und dem Going-Live vergingen damals sechs Monate. Diesmal waren wir vor dem Closing live. Es ist faszinierend zu sehen, welche Möglichkeiten Technologie heute bietet. Mit einem PlugIn für 10 Dollar lassen sich heute Funktionalitäten in der Cloud realisieren, für die wir vor zehn Jahren zig Mann-Monate an Entwicklerarbeit brauchten. Es macht einen ungeheuren Spaß, heute digitale Produkte zu entwickeln.

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