Banken wollen Fintechs werden. Um nicht den Anschluss zu verlieren, versuchen sich die beiden größten Geldinstitute des Landes derzeit daran, sich zu modernen Banken mit Fintech-Charakter zu wandeln. Die eine Bank kopiert, die andere kooperiert. Daneben haben sich auch die Sparkassen zu einem technischen Experiment entschlossen. Dieses dürfte aber selbst im Sparkassenlager nicht nur Befürworter haben.

Commerzbank möchte selbst ein Fintech werden

Mit der Commerzbank will das zweitgrößte Kreditinstitut der Bundesrepublik eine eigene Kreditvermittlungsplattform an den Start bringen. Wie aus einem aktuellen Geschäftsbericht hervorgeht, möchte das Frankfurter Geldhaus noch im ersten Halbjahr 2016 einen Finanzierungsmarktplatz im Darlehens- und Anlagebereich etablieren. Die zusammen mit der hauseigenen Wagniskapitaltochter Main Incubator entwickelte Peer-to-Peer-Lending-Plattform soll sich an Mittelstandskunden auf der Suche nach Finanzierungen richten, die sich „digital und direkt“ an Investoren wenden möchten.

Kurzum, die Commerzbank versucht sich an einer Kopie der Geschäftsmodelle von digitalen Plattformen wie kapilendo oder Auxmoney, die ebenfalls zwischen kreditsuchenden Unternehmen bzw. Verbrauchern auf der einen sowie potenziellen Anlegern auf der Suche nach Zinsen auf der anderen Seite vermitteln.

Wie erfolgreich sich die Commerzbank dabei anstellt bzw. wann die geplante Plattform tatsächlich online geht – sie hat nach eigenem Zeitplan nur noch zwei Monate – wird sich zeigen. Denn die schlanken Strukturen eines Fintechs erreicht die Bank nur durch die Gründung einer hauseigenen Plattform sicher nicht. Das Filialnetz und die derzeit rund 50.000 Mitarbeiter wollen auch weiterhin finanziert werden. Selbst in den bereits etablierten Crowdlending-Märkten USA und Großbritannien konnte sich bislang keine Großbank in diesem Segment etablieren. Zu groß sind offenbar die Kostenvorteile von eigenständigen Crowdlending-Plattformen wie LendingClub (USA) oder Zopa (UK).

Und ob am Ende die Zinsen vollständig an die Investoren ohne Gebühren weitergereicht werden – wie bei kapilendo üblich – dazu gab es bisher noch keine Information.

Deutsche Bank kooperiert mit Fintechs

Stärker auf Kooperation ausgerichtet ist dagegen die Strategie des größten deutschen Geldhauses – der Deutschen Bank. Ab Herbst möchte sie ihren Kunden die Einsicht in alle Konten, Depots und Karten über die eigene App ermöglichen, und zwar auch über jene Services, welche die Kunden bei anderen Instituten unterhalten. Die Funktion der übergreifenden Einsicht stellt das Hamburger Fintech figo zur Verfügung. Von DSwiss kommt ein digitaler Tresor für die Kunden der Bank, in dem wichtige Dokumente verwahrt werden können. Mit webIDsolutions sollen Kunden komplett online ein Konto eröffnen können. Deposit Solutions erlaubt den Zugang zu Fest- und Tagesgeld in unterschiedlichen Ländern und der mit fincite entwickelte Robo Advisor soll eine automatisierte Vermögensverwaltung ermöglichen.

Sparkassen wollen überregionale „Fintech-Lösung“ anbieten

Neben den beiden Großbanken wollen sich auch die in regionalen Zuständigkeiten aufgeteilten Sparkassen zu einem Fintech weiterentwickeln. Auf dem Sparkassentag verkündete kürzlich der Vorstandsvorsitzende der Kölner Sparkasse, dass sein Institut gemeinsam mit weiteren Großsparkassen (u.a. Hamburg, München und Berlin) an einem Konkurrenzprodukt zum populären Fintech-Kontoanbieter Number26 arbeitet. Dieser habe in wenigen Monaten mehr als 100.000 Kunden – vorrangig unter den jungen technikaffinen Großstädtern – gewinnen können.

Das millionenschwere und laut Süddeutscher Zeitung bereits technisch weit fortgeschrittene Projekt soll „Yomo“ („Your Money“) heißen und noch im Herbst an den Start gehen. Das klingt ambitioniert, insbesondere wenn man die Rolle der Sparkassen bei der Etablierung des deutschen Paypal-Konkurrenten paydirekt in Betracht zieht. Die Abstimmungsprozesse in den mehr als 400 Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe sollen wesentlich für die verzögerte Einführung des Online-Bezahlverfahrens gewesen sein.

Auch bei „Yomo“ dürfte noch Streit zu erwarten sein, sind doch derzeit nur acht Großsparkassen daran beteiligt, die sich bislang auf ihre jeweiligen Regionen konzentrieren. Eine moderne Smartphone-Lösung macht aber an regionalen Grenzen nicht Halt. Ein Tabubruch droht: „Das Regionalprinzip, die heilige Kuh der Sparkassenwelt, könnte ausgehebelt werden“, wie die Süddeutsche Zeitung meint. Die kleineren Institute wurden in die Planungen offenbar nicht involviert, sollen sich jedoch später über Lizenzverfahren anschließen dürfen. Ob diese Zugeständnisse ausreichen werden, um einen Aufstand in den eigenen Reihen und den Niedergang kleinerer Institute zu verhindern, bleibt abzuwarten.

Banken und Sparkassen kämpfen um ihre künftige Positionierung

Deutlich wird an den jeweiligen Plänen wohl auch, nachdem die etablierten Banken den Fintech-Boom als vorübergehenden Hype belächelt haben, scheinen sie nun den Ernst der Lage erkannt zu haben und kämpfen um ihren Platz in der Zukunft.

Denn ebenso deutlich wird auch, dass die Kunden neben den einfach zu bedienenden und funktionellen Diensten der Fintech-Anbieter auch deren günstigere Konditionen zu schätzen wissen. Ob diese Kostenvorteile von den Banken auch weiterhin an die Kunden weitergegeben werden, muss sich noch zeigen. Denn derzeit machen die Geldinstitute eher mit negativen Kosten-Meldungen auf sich aufmerksam: Da die klassischen Ertragsquellen nicht mehr so üppige Gewinne abwerfen, läuten die Banken lieber das Ende des kostenlosen Girokontos ein.

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