Bausparvertrag und hohe Zinsen – das war einmal

Die Lust der Deutschen am Sparen hat vor einigen Tagen wieder etwas mehr gelitten. Bausparkassen dürfen Bausparverträge nämlich wirksam kündigen, hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Und da der Bausparvertrag neben dem Sparbuch zur traditionellen Grundausstattung der Bundesbürger in Sachen Geldanlage gehört, fällt damit erneut ein gut verzinstes Sparprodukt weg.

Bausparer und Sparbuch als traditionelle Zinsbringer

Dass die Deutschen international zu den Sparweltmeistern gehören und ihr Geld selten in Wertpapiere oder Ähnliches stecken, ist allgemein bekannt. Erst vor einem halben Jahr hat eine große deutsche Fondsgesellschaft das Sparverhalten der Bundesbürger untersucht und einige interessante Fragen gestellt. So gab ein Drittel der Befragten an, dass sie das Sparen quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben und dass sie ein inniges „Liebesverhältnis“ zum Sparthema entwickelt hätten.

Und neben das erste Sparbuch aus Kindertagen trat dann irgendwann im Teenageralter der gut verzinste Bausparvertrag. Wer später mal ein Haus bauen oder erwerben wollte, konnte den Bausparer für die Finanzierung nutzen. Wer das nicht wollte, konnte den Bausparer auch einfach weiter besparen und Zinsen von drei oder vier Prozent im Jahr kassieren. Damit ist nun Schluss. Das „Liebesverhältnis“ zum Sparen dürfte angesichts des BGH-Urteils deutlich abkühlen.

Kündigung Bausparvertrag rechtens? Was war passiert?

Durch das jahrelange Zinstief geriet das Geschäft der Anbieter von Bauspardarlehen immer mehr unter Druck. Das Neugeschäft lief zwar vergleichsweise gut, weil sich die Kunden die niedrigen Bauzinsen auch für die Zukunft sichern wollten. Doch zu einer echten Belastung für die Bausparkassen wurden die Altverträge, die teilweise bereits vor Jahrzehnten abgeschlossen wurden. Die Kunden dieser Altverträge riefen das Baudarlehen trotz sogenannter Zuteilungsreife nicht ab und kassierten stattdessen noch immer die hohen Sparzinsen von drei Prozent und mehr.

Angesichts fehlender Alternativen im sicheren Anlagesegment leuchtet dieses Kundenverhalten ein. Gegen sinkende Zinsen auf dem Sparkonto konnte man schließlich nichts ausrichten. Ein Bausparvertrag war aber ein beschlossener Vertrag zu festgelegten Konditionen. Einmal zugesagte 3,5 Prozent Zinsen bedeuteten eben auch 3,5 Prozent Zinsen bis zur Vertragsauflösung. Und dieses Vertragsende war in der Regel der Abruf des Baudarlehens. Eine Sonderkündigung seitens der Bausparkassen war in der alten Zinswelt nicht vorgesehen, schließlich konnten die Kassen das Geld der Bausparer weiter lukrativ am Markt anlegen. Ein Geschäft, mit und von dem beide Seiten gut leben konnten.

Hoch verzinste Bausparverträge waren nicht nur Mittel zur Baufinanzierung

In der neuen Zinswelt mit ihren kaum noch existenten Zinsen profitierten davon jedoch nur noch die Kunden mit Altverträgen. Die Darlehensanbieter ächzten darunter, diesen Altkunden ihre hohen Zinsen auszahlen zu müssen. Deshalb versuchten sie, diese Altkunden loszuwerden. Auch dieses Verhalten seitens der Bausparkassen ist durchaus verständlich und nachvollziehbar. Schließlich soll ein Bausparvertrag in erster Linie ein Instrument zur Förderung von Wohnraum sein. Wenn die Kunden dieses Baudarlehen aber dann nicht abrufen, sollten sie sich von ihrem Vertrag doch lieber trennen.

Allerdings haben viele Kassen noch vor 10-15 Jahren ihre Produkte ganz offen als lukrative Sparprodukte angepriesen. Und weniger als Mittel zur Baufinanzierung, als das sie ursprünglich gedacht sind. Wenn die Kassen heute die Klage anheben, dass es sich um einen Bau-Sparvertrag und keinen Hochzins-Vertrag handelt, dann ist das nur teilweise gerechtfertigt. Damals wurden von den Anbietern sogar noch Bonuszinsen gezahlt für den Fall, dass die Sparer ihren Baukredit nicht abrufen. Diese Zeiten sind lange vorbei… Letztendlich leiden sowohl die Bausparer als auch die Bausparkassen unter der Niedrigzinspolitik der Zentralbank.

Für jüngere Anleger waren die Altverträge mit hohen Zinsen sowieso schon keine Option mehr. Nun müssen sich auch die Älteren nach Alternativen mit Zinserträgen oberhalb der Ein-Prozent-Marke umschauen.

 

 

(Artikel vom 5. August 2016)

Sparneigung der Deutschen – Liebesheirat oder Zweckbeziehung?

Die Deutschen und ihre Beziehung zum Sparen – mal Anlass für Spot, mal Anlass für Stolz. Die zu den Genossenschaftsbanken gehörende Fondsgesellschaft Union Investment hat in einer grafisch schön aufbereiteten Übersicht die Ergebnisse einer Studie über das Verhältnis der Deutschen zum Sparen veröffentlicht. Für die einen fühlt sich das Thema an wie ein bitterer Rosenkrieg, die anderen lieben es. Für die Mehrheit hat es aber eher den Charakter einer zweckmäßigen Beziehung.

Sparneigung ungebrochen – Geld zurücklegen geht auf vielfältige Weise

Dass das Geldsparen angesichts kaum noch existenter Zinsen inzwischen an Bedeutung verloren haben soll, konnten die Studienautoren nicht feststellen. Rund zwei Drittel der Deutschen (68,1 %) legen demnach regelmäßig etwas Geld zurück. Und neun von zehn Sparern halten dieses Vorgehen weder für altmodisch noch für spießig. Quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben 31,8 % ihr Sparverhalten – sie gaben in der Studie an, dass man ihnen praktisch in die Wiege gelegt hat, auch Heller und Pfennig zu ehren.

Das Sparen nicht bloß bedeutet, sein Geld unter das Kopfkissen oder auf das Sparbuch zu legen, sondern auch regelmäßig in Wertpapiere und Fonds zu investieren, drückt sich in der Unterteilung in verschiedene Spar-Typen aus. Letztere zählen zu den modernen Sparern, Tagesgeld- und Sparbuch-Anleger als traditionelle Sparer. Die Fondssparer geben zudem an, dass bei ihnen die Sparlaune deutlich höher ist als bei den Traditionalisten. Offenbar steigt also die Freude am Sparen mit dem Besitz chancenreicherer Anlageformen.

Junge Leute „lieben“ das Sparen

Auf die meiner Meinung nach schönste Frage „Wenn der Deutsche und das Sparen ein Paar wären“- antworteten 63,9 % der Befragten, dass es sich dabei für sie um eine Zweckbeziehung handeln würde. Für ganze 30 % ist es aber vergleichbar mit einer Liebesheirat, unter den 20- bis 30-jährigen liegt dieser Wert sogar bei 42,9 %. Weniger romantisch sehen dieses Beziehungsverhältnis 6,1 % der befragten Anleger. Sie verglichen das Sparen mit einem Rosenkrieg. Spontan kamen mir die Bilder des gleichnamigen Films mit Michael Douglas und Kathleen Turner in den Sinn – sehr sehenswert, sehr lustig, aber auch tragisch. Wer so spart, wie die beiden sich während der Filmhandlung fetzen – Oha!

Wertverdopplung von Zinsanlagen kaum noch möglich

Die Minderheit der Nichtsparer tut dies in der Regel, weil ihm die Mittel dazu fehlen oder die Zinsen zu niedrig sind. Der letzte Punkt stimmt leider, wie die Studie ebenfalls zeigt: Während es in den 1990er Jahren noch etwa 12 Jahre dauerte, in dem sich verzinsliche Anlagen im Wert verdoppelt haben, hat sich dieser Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und 2014 mit 38 Jahren mehr als verdreifacht. Und wer heute sein Geld in verzinste Anlagen steckt, für den ist eine Verdopplung seiner Investition „in einem Leben fast unmöglich.“

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