Tesla Model X

Einmal disruptiv, bitte! (Buchrezension: Ashlee Vance – Elon Musk)

Bis vor kurzem hatte Elon Musk folgendes Twitter-Profilbild: Der Bildausschnitt zeigte seinen Schoß, in dem eine weiße Katze saß, die gestreichelt wurde. Diese Referenz an den Bösewicht Blofeld aus der James Bond Reihe sagt im Grunde sehr viel über den Innovator Elon Musk aus. Ein genialer Megalomane, der Weltherrschaft übernehmen will? Fast. Musk hat nichts weniger vor, als die Menschheit wirklich voranzubringen. Dass dazu ein Funken Größenwahnsinn nötig ist, arbeitet seine Biographie von Ashlee Vance sehr schön heraus.

Das Ziel ist der Mars

Elon Musk ist ein Visionär – mit seinen Firmen Space X, Tesla und Solar City hat er das young Elon Muskgeschafft, wovon viele Gründer träumen: Märkte „durchschütteln“. Er erschuf Produkte, die effizienter, billiger und fortschrittlicher waren. Sein Antrieb und seine Ideen standen schon in seiner Jugend fest. Der Science Fiction begeisterte junge Elon träumte von der Besiedlung des Mars. Aufgewachsen in Südafrika, zeigte sich schon früh, dass Elon mit außerordentlichen Gaben gesegnet war: Er besitzt ein photographisches Gedächtnis und kann sich innerhalb kürzester Zeit in komplexe Thematiken reinfuchsen. Innerhalb von wenigen Tage brachte der 12-Jährige sich soviel Programmierwissen bei, um ein kleines Spiel auf die Beine zu stellen und an eine Computerzeitschrift zu verkaufen.

Keiner mit Samtpfoten

Buchcover MuskUm seine Träume zu verwirklichen, stand für den 16-jährigen Nerd fest: Er muss weg aus Südafrika. Also wanderte er nach Kanada aus und studierte Physik sowie Wirtschaft. Mitte der 90er Jahre zog es ihn in die USA. Dort gründete er sein erstes Start-up: Zip2. Die Idee war ein Branchenverzeichnis im damals noch unbekannten Internet. Yahoo war das Unternehmen nach vier Jahren über 300 Millionen Dollar wert. Sein nächstes Projekt war Paypal, das innerhalb von drei Jahren für 1,5 Milliarden Euro an Ebay verkauft wurde. In dieser Zeit lernte Elon Musk sehr viel über das Führen von Unternehmen. Denn: Als Chef ist er anstrengend. Musk stellt an seine Mitarbeiter extreme Anforderungen, indem er Liefertermine festlegt, die kaum zu erfüllen sind. Sein Maßstab für die zu erfüllende Arbeit ist er selbst. Dadurch treibt er seine Kollegen unweigerlich zu Höchstleistungen an – auf Kosten eines vernünftigen Umgangs. 90 Wochenstunden seiner „Untergebenen“ sind keine Seltenheit. Im Urteil gegenüber seinen Mitarbeitern ist er sehr extrem – Daumen hoch oder runter, was sehr schnell zu einer Entlassung führen kann. Loyalität und menschliche Empathie sind Musk fremd. Ein „So haben wir das noch nie gemacht“ ist in seiner Gegenwart nicht möglich.

Zu wenig Innovationen

Mit seiner barschen Art hat Musk große Scherbenhaufen hinterlassen, aber auch sehr viel geschaffen. Warum seine Mitarbeiter trotzdem hinter ihm stehen, liegt an seiner Vision, erklärt der Autor Ashlee Vance. Musk will die Menschheit nach vorne bringen, denn in vergangenen Jahrzehnten sei sie auf der Stelle getreten. „Wahrscheinlich beschäftigen sich zuviele intelligente Menschen mit Internetnutzung, Finanzen und Recht. Das ist einer der Gründe, warum es nicht mehr so viele Innovationen gibt.“ Und seine Mitarbeiter wollen bei diesem aufregenden Abenteuer dabei sein und folgen dafür uneingeschränkt Musks Vorgaben. Vergleiche zu Steve Jobs liegen auf der Hand, der einen ganz ähnlichen Charakter an den Tag legte. Autor Ashlee Vance zieht in seinem Buch ausführliche Vergleiche zum Apple-Gründer und sagt: Musk habe das Zeug dazu, künftig die dominierende Leitfigur für die Technologiebranche und der Nachfolger von Steve Jobs zu werden.

It is rocket science!

ElonRobotsZu dieser Aussage verleitet Vance die Betrachtung der beiden atemberaubenden Unternehmen, die Musk fast gleichzeitig aufgebaut hat: Tesla und Space X. Bei Letzterem werden Raketen für die kommerzielle Raumfahrt gebaut, um Satelliten ins All und Versorgungsflüge zur Raumstation ISS zu unternehmen – und zwar zu Kosten, die weit unter dem Budget der anderen Anbieter lag. Ein äußerst komplexes Unternehmen, das Musk mit einer ordentlichen Portion Naivität, aber auch sehr viel Enthusiasmus anging. Und bei Zwei Faktoren halfen ihm dabei außerordentlich: Erstens hat er immer ausgezeichnete Leute gefunden, die ebenso für dieses Thema brannten und förmlich ihr Leben aufgaben, um die entsprechenden Raketen zu realisieren. Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, monatelang auf einem winzigen Atoll mitten im Pazifik Raketen zu testen. Investor Thiel sagt gegenüber dem Autor: Am meisten habe ihn Musks Fähigkeit beeindruckt, intelligente und ehrgeizige Leute zu finden und für sein Unternehmen zu gewinnen.

Und zweitens: Fast die komplette Produktion der Rakete geschah in der eigenen Fabrik in Kalifornien. So wollte Musk möglichst unabhängig von Zulieferern sein. Beinah jedes Teil wurde auf den Prüfstand gestellt und von den Ingenieuren optimiert – in diesem Fall stimmt der Satz: „It is rocket science!“ So ließen sich enorme Kosteneinsparungen realisieren, denn die Weltraumbranche war zum damaligen Zeitpunkt äußerst verkrustet. Bestimmte Teile wurden seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt, weil die Sicherheitshürden der NASA sehr hoch waren Space X rocketund der Antrieb, Dinge zu verbessern, nicht vorhanden war. Mit seinem radikalen Konzept wäre Musk beinah gescheitert: Mit Space X wie auch mit Tesla stand er – einmal waren es nur noch zwei Wochen – vor dem Bankrott. Glückliche Umstände drehten in beiden Fällen das Ruder nochmal herum. Beim Lesen wirkt es so, als hätte Musk das Glück erzwungen.

Ganzheitlicher Ansatz

Beeindruckend ist Musks Ansatz, der das große Ganze im Blick hat – der Autor spricht von der einheitlichen Feldtheorie. Denn neben Tesla ist er Teilhaber bei SolarCity, einem Unternehmen, das sich voll ganz der Nutzung von Sonnenenergie verschrieben hat. Auch gilt wieder die Devise, alles aus einer Hand: Von den Sonnenkollektoren bis hin zum Stromnetz, das die Ladestationen der Tesla Autos ergänzt. Und das Raketenunternehmen Space X gibt viel Know-how an die Automobilsparte ab, so dass ein beinah geschlossener Kreislauf entsteht. Es bleibt anzuwarten, welche weiteren Unternehmen Musk noch gründen wird, um dieses Gebilde weiter zu ergänzen und zu befeuern.

Fazit: Die Biographie von Ashlee Vance zeigt Musk als visionären Entrepreneur, der angetreten ist, die Welt zu verändern. Vance hat mit vielen Leuten gesprochen und diskutiert verschiedene Sichtweisen auf die jeweiligen Geschehnisse. Er zeichnet ein ambivalentes und facettenreiches Bild des Elon Musk. Dessen Privatleben wird zwar auch beleuchtet, jedoch liegt der Fokus des Buches auf seinen Unternehmen. Ansonsten verneigt sich die Biographie vor dem bisherigen Lebenswerk des Südafrikaners, der schon viel erreicht, aber noch lange nicht am Ende seiner Reise angekommen ist. Musk ist ein Träumer, der sich aber in seinen Träumereien einer besseren Welt nicht verliert, sondern versucht, seine Ideen umzusetzen – mögen es auch nur Hirngespinste sein. So plant er künftig den Entwurf eines Unterwasserautos. Vorbild war der weiße Lotus, der im James Bond Film „Der Spion, der mich liebte“ im Meer tauchte und den Musk für eine Million Dollar kaufte. Allerdings schätzt selbst Musk die Marktchancen eher gering ein, obwohl sein Motto eigentlich „Sag niemals nie“ lauten müsste.

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

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