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Bundestag berät über Regulierung von FinTechs

„Der regulatorische Welpenschutz für FinTechs sollte beendet werden“, fordert Georg Fahrenschon vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Wer gleiche Dienste anbiete, müsse sich auch den gleichen Regelungen unterwerfen, sagte er. Im Grundsatz ist dieser Forderung unumwunden zuzustimmen, sofern es den Bankenvertretern nicht nur darum geht, die neue und vielfach noch in den Kinderschuhen steckende Konkurrenz möglichst frühzeitig loszuwerden. Die Gleichbehandlung im Bereich der Regulierung war zuletzt auch Thema im Ausschuss Digitale Agenda unter Vorsitz von Jens Koeppen (CDU/CSU) des Deutschen Bundestags.

Banken- und Sparkassenverbände fordern gleiche Regulierung für alle

Tatsächlich machen den Banken, Sparkassen und Finanzdienstleistern seit einiger Zeit immer höhere regulatorische Anforderungen zu schaffen. Dies ist in erster Linie eine Reaktion auf die Exzesse aus den Zeiten vor der Finanzkrise, als reihenweise Banken in die Pleite schlitterten oder nur mit staatlicher Hilfe gerettet werden konnten. Daneben kam und kommt es auch immer wieder zu spektakulären Vorfällen, die aus betrügerischer Absicht, Gier oder Fehlspekulation begangen wurden und zahlreiche Kleinanleger um ihre Ersparnisse gebracht haben. Der Name Bernie Madoff, die S&K-Gruppe oder der Fall Prokon sind nur drei Beispiele dafür, was in der Finanzwelt in den letzten Jahren schief gelaufen ist. Leider machten auch die Vertrauen schaffenden Verbraucherschützer oder Anbieter von renommierten Prüfsiegeln dabei nicht immer die beste Figur.

Die gleiche Forderung nach mehr Regulierung erhob auch Andreas Krautscheid vom Bundesverband deutscher Banken. Er räumte aber auch ein, dass man bis vor einiger Zeit noch skeptisch gegenüber FinTechs war, die mittlerweile aber eine immer wichtigere Rolle spielten. Er betonte, dass die Banken offen für Kooperationen seien, da sich für beide Seiten davon Vorteile ergeben können. So stünden Banken noch immer für eine oft langjährige Beziehung zwischen Kunde und Bank, die FinTechs hingegen für die schnelle Erkennung und Umsetzung von Kundenwünschen.

FinTechs bewerten Datenschutz schon von Beginn an als hohes Gut

Hier machte auch Sparkassen-Vertreter Fahrenschon deutlich, dass auch die von ihm vertretenden Institute die Digitalisierung nutzen würden, um schneller und besser auf die Kunden eingehen zu können. Besonders wichtig für ihn war zudem die Frage des Datenschutzes. Seiner Ansicht nach sollte sich der Standort Europa beim Datenschutz positiv vom Standort USA abheben. Zahlreiche FinTechs (u.a. auch die Crowdlending-Plattform kapilendo) haben diesen besonders sensiblen Bereich bereits als schützenswert erkannt und vermeiden die Ablage ihrer Daten außerhalb Deutschlands oder Europas.

Diesen Punkt griff auch Stephan Czajkowski von der Fidor Bank – Kooperationspartner von kapilendo – noch einmal auf, der betonte, dass es gerade für FinTechs wichtig sei, den Schutz von Daten garantieren zu können. Im Interesse der Datensicherheit forderte er den massiven Ausbau des Bundesamts für die Sicherheit in der Informationstechnik.

Überregulierung würgt sowohl Banken als auch FinTechs ab

Aus Sicht des Unternehmensberaters Dirk Elsner von der INNOVECS GmbH sind zudem viele Regulierungsmaßnahmen im Finanzbereich nicht zielgerichtet. Teilweise erhöhten sie seiner Meinung nach das Risiko, anstatt es zu mindern. Da die FinTechs schon jetzt nicht in einem unregulierten Rahmen arbeiten würden, sehe er auch keinen verstärkten Bedarf an weiteren Regulierungsmaßnahmen. Vielmehr hätten die etablierten Banken die FinTechs lange ignoriert und rufen jetzt nach mehr Regulierung.

Die fortschrittlicheren Institute haben hingegen Chancen der Kooperation entdeckt und suchen den direkten Kontakt. Bei vielen Kunden sei das Thema FinTech derweil noch nicht angekommen. Häufig habe dies damit zu tun, dass sie noch nicht vollständig vom nachhaltigen Bestehen der FinTechs überzeugt sind und deshalb vorerst lieber bei ihrer alten Bank bleiben, so die Analyse Elsners. Auch hier bietet sich also für Banken und FinTechs, aber auch für die Kunden, ein Mehrwert aus der Kooperation beider Seiten.

Der fünfte Sachverständige, der im Ausschuss Digitale Agenda gehört wurde, war Karsten Wenzlaff vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien. Auch er vermochte kein Defizit an Regulierung bei den FinTechs zu erkennen. Er sehe nicht, dass FinTechs massenhaft versuchen würden, die Regulierung zu umgehen, sagte er vor den Ausschussmitgliedern. Auch bestehe kein grundsätzlicher Gegensatz zwischen Banken und FinTechs. Die Schnittmenge zwischen beiden Seiten mag in Deutschland im internationalen Vergleich noch relativ klein sein, doch biete sie die Chance, sich zu einem wichtigen Standortfaktor zu entwickeln.

Standort Deutschland droht sonst der Anschlussverlust im FinTech-Bereich

Um den Anschluss an den führenden FinTech-Standort London nicht zu verlieren, spricht sich nun auch die Bundesregierung für die Verbesserung der hiesigen Standortbedingungen aus. Die Briten locken FinTech-Unternehmen mit zahlreichen Fördermaßnahmen und einer regulatorischen Testmöglichkeit durch die Finanzaufsicht. Dort können FinTech-Firmen ihre Angebote erst einmal ausprobieren und auf eventuelle Regulierungsprobleme eingehen. In Deutschland existieren bislang keine vergleichbaren FinTech-Initiativen von Politik oder Aufsicht.

Jens Spahn (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, erkannte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung die große Chance, die FinTechs für den Finanzmarkt Deutschlands spielen können: „Klar ist, dass diese Unternehmen viel Potenzial haben und viel verändern, zum Beispiel die Art und Weise, wie wir bezahlen oder wo wir Kredite aufnehmen.“ Mit Blick auf die dem Ministerium unterstellte deutsche Finanzaufsicht BaFin mahnte Spahn eine bessere Betreuung der FinTechs an. Schließlich habe „die Bundesregierung ein großes Interesse daran, dass es bei uns ein Ökosystem gibt, dass Gründungen im Bereich FinTech unterstützt und auch die etablierten Banken dazu ermuntert, hier aktiver zu werden.“

Übergreifend dürften wohl alle Beteiligten mittlerweile erkannt haben, dass in einer Kooperation mehr Chancen bestehen als in offener Konfrontation. Faire und für alle Seiten gleichlautende Regulierungen zum Schutz der Anleger sind dabei wichtig, sollten aber nicht den gesamten Finanzsektor abschnüren. Hier sollte Transparenz das oberste Gebot sein. Und Transparenz ist ein Gut, von dem auch die etablierten Geldhäuser noch etwas von zahlreichen FinTechs lernen können.

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