Venturate: Martin, Du bist Gründer der Werbeagentur lautstark in Wien. Inzwischen verbringst Du Deine Zeit zu hundert Prozent als Business Angel. Wie kommst Du zu diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – “Lebenswandel”?

Martin Egger: Christian Köhler und ich haben im Jahr 2003 unsere Agentur lautstark communications vienna gegründet und im Rahmen dieser Arbeit immer schon junge Unternehmen unterstützt. Im Verlauf der letzten 5 Jahre sind wir hier zunehmend professioneller geworden und betreiben nunmehr ein gezieltes Deal Sourcing. Neben der finanziellen Investition profitieren die Start-ups von unserem Know-how im Management und Marketing. Sich als BA-Unternehmen ernsthaft operativ für ein Start up zu engagieren, erfordert 100% Aufmerksamkeit. Wir haben in diesem Zusammenhang festgestellt, dass es Sinn macht, die beiden Bereiche – Agenturleistungen und Investments – bewusst und strikt getrennt zu behandeln. Ehrlich gesagt ist die Abweichung zu meinem früheren Business-Leben gar nicht so enorm: Jetzt wie damals gilt es, mehrere Kunden gleichzeitig und breit aufgestellt zu betreuen. Dass ich nun Consultant und zugleich beteiligt bin macht letztendlich den Unterschied aus. So gesehen bin ich nun Unternehmensberater im eigenen Haus – eigentlich perfekt 😉 .

Venturate: Kannst Du uns verraten in welche Start-ups zu investiert bist und welche Strategie dahinter steckt?

Egger: Zurzeit sind wir in folgenden Start-ups investiert: Freygeist-Bikes, Secucloud GmbH, miBaby GmbH, crowd-o-moto GmbH, twingz development GmbH, AppGuru Software GmbH, Eversport GmbH, Hunziker Apparel GmbH, Altrazeal, Batoro Systems GmbH, Parkbob GmbH, ULURU Inc und LS Creative GmbH. Wir entscheiden uns für Start-ups, die kurz vor dem Go-to-Market stehen und für die unser Know-how von großem Nutzen ist. Unsere Start-ups verfügen entweder über hochskalierbare Geschäftsmodelle, sprechen eine breite Zielgruppe an oder sind in einer Nische dominant aufgestellt. Das entwickelte Produkt muss sich an einen Bedarf oder eine Notwendigkeit richten, für die eine Zielgruppe bereitwillig Geld in die Hand nimmt. Wir legen zudem Wert auf das Team hinter einem Start-up. Sehr maßgeblich bei unserer Entscheidung ist, dass nicht nur Produkt und Know-How sondern auch die persönliche Chemie stimmen muss.

Venturate: Da bist Du ja bei weitem nicht nur in Deinem Heimatmarkt aktiv. Wie würdest Du das österreichische Start-up Eco-Systemen bezogen auf Gründer, Qualität von Ventures sowie Zugang zu Kapital beschreiben?

Egger: In Österreich gibt es eine sehr lebendige Start-up- Szene. Ich erkenne da keinen Unterschied zu unseren Aktivitäten in München, Hamburg oder Berlin. Anders als in Deutschland treffen wir in meinem Heimatland auf einen überschaubaren Markt; die Szene ist klein, jeder kennt jeden – was manches einfacher macht, aber auch Nachteile mit sich bringt. In Deutschland hat jede Stadt und jede Region ein eigenes Eco-System – das ist der große Unterschied. Teilweise habe ich in Österreich das Gefühl, dass der Markt überkauft ist – gehypte Start-ups werden manchmal zu sehr ambitionierten Bewertungen gehandelt. Da haben wir uns selbst ziemlich reglementiert und ziehen nicht bedingungslos überall mit. Aus laufenden Exit Gesprächen bei einigen Beteiligungen habe ich gelernt, dass es wichtig ist, die Einstiegsbewertung im Auge zu behalten ;-).

Venturate: Über welche Quellen kommst Du an Deinen Dealflow?

Egger: Gute Frage: einerseits gibt’s einige Institutionen, die mich mit Deals versorgen wie z.B. die Club Deal AG oder die AAIA oder das AWS in Österreich. Dazu kommt ein Netzwerk von bekannten Angels bzw. Co-Investoren, wo wir uns regelmäßig updaten und auch sogenannte Club Deals machen. Teilweise recherchiere ich interessante Projekte aktiv. Auf diese Weise bin ich auch auf meine Beteiligungen in Deutschland gekommen (mibaby.de und secucloud.com). Mit der Zeit finden auch immer mehr Gründer den direkten Weg zu uns und kontaktieren mich.

Venturate: Wie hoch schätzt Du die Bedeutung von Netzwerken in der “Szene” ein, um an erstklassige Deals in Syndikaten zu kommen?

Egger: Die Bedeutung von Netzwerken ist für uns als Angel sehr groß. Wir wissen, dass wir nicht jedes spannende Projekt allein finanzieren können; da macht es Sinn, unser Netzwerk einzubinden. Mittlerweile ist uns auch klar geworden, dass wir uns operativ in weiteren Finanzierungsrunden einbringen können/müssen, weil das Phasen sind, die den Foundern enorme Zeit und Energie abverlangen, die sie besser in das Start-up und das eigene Produkt investieren sollten. Und da ist ein intaktes Netzwerk auch sehr hilfreich. In einem sehr kleinen Markt wie Österreich geht es so weit, dass gewisse Deals gar nicht mehr breit gepitcht werden, weil sich schnell Netzwerke finden, die eine Finanzierung in ihren Reihen gewährleisten. Hier gilt es, aufmerksam zu sein. Sonst fällt man aus dem System heraus und es bleiben letztlich nur die Deals, die andere übrig lassen!

lautstark Teamfoto
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Venturate: Wo liegen die Herausforderungen für professionelle Angels wie Dich in der Struktur des Marktes?

Egger: Herausforderungen gibt es viele – wer sich wie wir aktiv einbringen möchte, stößt unweigerlich irgendwann an die eigene Ressourcen-Grenze. Dem muss man entgegenwirken; sonst kommt man an den Punkt, wo man mehr Hemmschuh als Förderer ist. Wir suchen hochskalierbare Projekte. Das heißt, wir müssen auch Wachstumsfinanzierungen für die Internationalisierung finden, die unseren Start-ups ein rasches Wachstum ermöglichen. Das ist aus Österreich heraus nicht immer ganz leicht. Darüber hinaus investieren wir einiges an Ressourcen in den Aufbau und die Weiterentwicklung unserer Partner-Netzwerke. Auf diese Weise ist es uns möglich, in den wesentlichen Bereichen hoch qualitativ unterstützen zu können (z.B. Vertrieb, Finanzierung, Legal).

Venturate: Du hast auch bereits drei Crowd-Investing Kampagnen begleitet. Welche systematischen Erfolgsfaktoren erkennst Du?

Egger: Grundsätzlich müssen sich die Produkte/Dienstleistungen für ein Crowdfunding eignen. Da gibt es einen Unterschied zwischen stylischen B2C Produkten und eher „sperrigen“, erklärungsbedürftigen Technologielösungen. Im Vorfeld und während der Kampagne ist eine intensive Marketing-Betreuung erforderlich. Das reicht von der Aufbereitung der Unterlagen, über den Dreh geeigneter Videos für die Plattform bis hin zur laufenden Betreuung der Kampagne. Den damit einhergehenden zeitlichen Aufwand haben wir zu Beginn eher unterschätzt. Unerlässlich ist zudem ein permanenter Newsflow, der die laufende Aktivierung der bestehenden Plattform-Nutzer ermöglicht.

Venturate: Was müssen in Punkto Rolle dabei die Gründer leisten und was gehört ins Spielfeld der Plattform?

Egger: Zu Beginn dachte ich, dass die Plattformen sich hier als Dienstleister der Gründer positionieren und den Gründern einen Gutteil der Marketing-Agenden abnehmen – das hat sich als Irrglaube herausgestellt. Momentan habe ich eher das Gefühl, dass sich die Plattformen ausschließlich auf den Betrieb der Plattform zurückziehen und diese den Gründern gegen ein Nutzungs-Entgelt zur Verfügung stellen. Der Rest muss von den Start-ups kommen – idealerweise auch gleich die Promotion der Plattform, damit diese neue Nutzer bekommt, weil jedes Start-up hier „seine“ Netzwerke aktiviert. Ich denke, dass sich hier in Zukunft Spezialisierungen auf Plattform-Seite ergeben werden und sich unterschiedliche Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten/Dienstleistungen/Zielgruppen etablieren werden. Wenn alles am Ende bei den Gründern hängt, dann sehe ich einfach ein Risiko, dass das nicht alle Start-ups in der Intensität leisten können. Dank unserer Struktur und der eigenen Agentur haben wir einen gewissen Vorteil, den wir einbringen können.

Venturate: Was würdest Du einem Anleger empfehlen, der sich erstmals mit dem Gedanken trägt, eine Crowdfunding-Kampage zu unterstützen?

Egger: Ich finde es super, wenn Menschen bereit sind, junge Unternehmen zu unterstützen. Ich halte das für unseren Wirtschaftsstandort extrem wichtig und freue mich zu sehen, dass es mittlerweile irgendwie hipp geworden ist, zu gründen aber auch zu investieren. Und ich denke, dass für jeden Anleger –vom Klein-Investoren bis zum professionellen Anleger- eine Strategie unverzichtbar ist, nach der man die Targets identifiziert. Ich würde empfehlen, Businessmodelle zu suchen, die man selbst nachvollziehen kann und die existierende Probleme am Markt lösen können. Man sollte sich das Team anschauen, ihre unternehmerischen Erfahrungen hinterfragen, feststellen,  ob bereits weitere Investoren involviert sind und wie deren Track Record aussieht. Wenn das alles ok ist und die Unterlagen gut und vollständig (wichtig ist auch die Analyse der Mitbewerber!) aufbereitet sind, dann spricht vieles dafür, mit ins Boot zu gehen. Letztendlich muss jedem auch klar sein, dass es sich hier um Risiko-Investments handelt. Großen, möglichen Multiples stehen auch entsprechende Risiken gegenüber – daher sollte man eine möglichst breite Streuung der Beteiligungen anstreben und Klumpen-Risiken vermeiden.

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