Alles redet über Crowdfunding. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich der erste Dokumentarfilm des Themas annimmt. Und das Werk „Capital C“ von Jørg M. Kundinger und Timon Birkhofer kann sich das Abzeichen als First Mover ans Revers stecken. Im Film erklären Experten aus Deutschland und den USA, was das Phänomen ausmacht und welche Potenziale dieses Konzept birgt. Früh wird konstatiert: Möglich wurde Crowdfunding erst durch die Vernetzung der Menschen über Twitter, Facebook und Instagram usw. „Die sozialen Medien sind der Treibstoff, mit der Crowdfunding erst zu Geld kommt“, sagt der deutsche Blogger und Journalist Sascha Lobo. Aber vor allem vermittelt Capital C Aufbruchstimmung.

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Gesellschaftlicher Wandel am Horizont

Capital C Filmplakat

Dazu verlässt der Film die abstrakte Metaebene und zeigt drei Protagonisten aus dem Kreativbereich, die über die Plattform Kickstarter Geld eingesammelt haben: Jackson Robinson fertigt handgezeichnete Pokerkarten an, Brain Fargo will nach 20 Jahren endlich den zweiten Teil seines Computerspiels Wasteland auf die Beine stellen und der durchgeknallte, aber liebenswürdige Zach Crains bietet gestrickte Flaschenwärmer an. Allen gemeinsam ist: Sie können endlich die Idee umsetzen, für die sie seit Jahren oder schon ihr ganzes Leben gebrannt haben. Ohne Crowdfunding wäre das nicht möglich gewesen. Gibt es was schöneres als Leute zu sehen, die ihren Traum leben können? Das hat für die drei Künstler weitreichende Konsequenzen, die in naher Zukunft unsere Gesellschaft maßgeblich beeinflussen werden. Denn: Einer der Drei wird seinen bisherigen Beruf aufgeben und sich voll und ganz seiner Kunst widmen, die ihn und seine Familie gleichzeitg ernähren kann. Die Crowd bringt uns den größten Paradigmenwechsel seit der Industriellen Revolution“, sagt der Ökonomie-Professor Eric von Hippel am MIT.

Bewährungsprobe bei Shark Tank

Für Zach Crains von Freaker bringt die Kampagne eine starke Fanbase, die sich für das Start-up ins Zeug wirft. Als ein großes Unternehmen ebenfalls Flaschenwärmer anbietet und somit droht, den kleinen Entrepreneur zu überrollen, treten die Fans einen großen Shitstorm los. Mit der „Macht der Crowd“ – wie der Untertitel des Films heißt, hat der große Player nicht gerechnet und zieht den Schwanz ein. Die Fanbase wird im Film  als sorgende Hündin dargestellt, die das Produkt/das Start-up liebt und nach außen hin verteidigt. Ein Höhepunkt für den durchgeknallten Zach Crains wird die Einladung zur US-Show Shark Tank, dem Pendant zur Show „Die Höhle der Löwen “ hierzulande. Der Auftritt ist im Film nicht zu sehen, aber auf youtube verfügbar:

Capital C geht es weniger darum, wie die Kampagne aufgebaut wird, sondern vielmehr darum, welche neuen Möglichkeiten Crowdfunding den Künstlern eröffnet. Und wie sie sich selbst damit fühlen, was nicht immer ganz einfach ist. So erzählt der von Selbstzweifeln geplagte Robinson nach seinem ersten erfolgreichen Funding: „Wenn ich die versprochene Qualität nicht liefere, bin ich erledigt.“ Denn durch das Crowdfunding wird eine Fanbasis aufgebaut, der man Rechenschaft schuldig ist. Andererseits ist die eigene Community wichtige Inspriationsquelle, die neue Ideen liefert und das Produkt weiter verbessert. Darum ist das Wichtigste für eine erfolgreiche Kampagne: Die Kommunikation mit den Fans.

Capital C Jackson Robinson

Viel Pathos gegen Ende

Das Projekt Capital C ist in sich konsequent, soviel steht fest: Um den Film zu finanzieren, haben die Macher selbst eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und 84.298 US-Dollar eingesammelt. 586 Unterstützer aus 24 Ländern förderten das Projekt. Birkhofer und Kundinger haben drei Jahre gebraucht, um den Film fertig zu stellen. Und doch geht Capital C  gegen Schluss ein wenig die Puste aus. Während er die Aufbruchsstimmung sehr schön transportiert, baut Capital C am Ende auf eine ordentliche Portion Pathos – mangels Inhalt. Zwar wird kurz darauf hingewiesen hingewiesen, warum eine Kampagne beziehungsweise ein Projekt scheitern kann, doch ein Misserfolg sieht der Zuschauer nicht – zumal bei Kickstarter lediglich 37 Prozent der Ideen erfolgreich finanziert werden. So wirkt Capital C wie ein Werbefilm für Crowdfunding – auch wenn es für sich genommen eine gute Sache ist.

Fazit: Unterhaltsamer Film, der die Aufbruchstimmung der Crowdfunding-Bewegung gut einfängt. Graue oder gar schwarze Nuancen sucht man allerdings vergebens. Es dominiert eindeutig ein strahlendes Weiß.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Kinostart: 24 September 2015 in Deutschland

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