Crowdinvesting ist nicht gleich Crowdinvesting

Crowdinvesting ist nicht gleich Crowdinvesting

Das Thema Crowdinvesting ist inzwischen häufiger in den Medien zu finden. Es gehört zum weiten Feld der Crowdfinanzierungen, über die sich etablierte Unternehmen, junge Start-ups oder Immobilienentwickler Kapital besorgen. Die erstgenannte Sparte gerät trotz großer Vorteile seltener in den Blick von Unternehmen und Anlegern. Während die zweite Sparte derzeit kritischer betrachtet wird, verzeichnet die letztgenannte aktuell hohe Zuwachsraten.

Crowdinvesting in Wachstumsunternehmen

Crowdinvesting in Wachstumsunternehmen: Großes Renditepotential für Anleger
Crowdinvesting in Wachstumsunternehmen: Großes Renditepotential für Anleger

Unternehmen, die über die Crowd Kapital aufnehmen wollen, haben zumeist ehrgeizige Wachstumsziele und ein Problem. Das Ziel ist die Expansion in neue Märkte und Standorte. Das Problem ist die herausfordernde Kreditbeschaffung über die klassischen Finanzierungswege. In der Regel handelt es sich nicht um vollkommen neu gegründete Firmen, die sich auf diese Weise Kapital beschaffen wollen. Sondern um solche, die bereits seit Jahren von gestandenen Unternehmern und Unternehmerinnen geführt werden.

Möchten zum Beispiel erfahrene Gastronomen mehrere neue Restaurants an unterschiedlichen Orten eröffnen, muss für jeden einzelnen Standort ein eigener Kreditantrag mit allem Drum und Dran erstellt und ein entsprechender Kreditprüfungsprozess durchlaufen werden. Und das obwohl er oder sie bereits bewiesen haben, dass sie in der Lage sind, ein oder mehrere Restaurants mit demselben Konzept zu führen.

Vor ähnlichen Herausforderungen stehen Unternehmen, die etwa ein neues Produkt für einen etablierten Markt entwickelt haben. Oder bereits seit Jahren am Markt tätige Firmen, die sich ein interessantes Geschäftskonzept ausgedacht haben und damit zügig eine führende Marktposition einnehmen wollen. Häufig lassen sich diese Konzepte und Ideen nicht in die klassischen Kreditprüfungsprozesse der Banken einordnen. Sie gelten als zu risikoreich und werden daher abgelehnt.

Wie und Warum Unternehmen ihr Wachstum mit Crowdinvesting finanzieren können

Das Kapital für Unternehmen wird in Form eines Venture Loan – gewissermaßen ein „Wachstumsdarlehen“ – gewährt. Dabei handelt es sich in der Regel um ein partiarisches Nachrangdarlehen, dass mit einem jährlich zu zahlenden Zins in attraktiver Höhe den Crowdinvestoren als Anlagemöglichkeit zur Verfügung gestellt wird. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die Anleger die höheren Zinsen ausschließlich für ihre schwächere Stellung im Falle einer Unternehmensinsolvenz erhalten. Die höheren Zinsen weisen also nicht auf eine schwächere Bonität des jeweiligen Unternehmens hin.

Hohe Zinsen beim #Crowdinvesting weisen nicht auf eine schwache Bonität des Unternehmens hin Click To Tweet

Können die Wachstumsunternehmen zum Ende der Laufzeit ihre prognostizierten Umsatzziele erreichen oder sogar übertreffen, sind für die Crowdanleger optionale Bonuszinsen möglich. Diese erhöhen nicht selten die Rendite der Anleger um einen signifikanten Betrag. Der Anlagezeitraum liegt bei dieser Investitionsform in der Regel zwischen zwei und fünf Jahren.

Für die Unternehmen ist diese Finanzierungsform insbesondere deshalb interessant, weil sie damit „wirtschaftliches Eigenkapital“ für ihr Wachstum aufnehmen können. Fremdkapital von der Bank erhalten sie aufgrund des schwieriger zu kalkulierenden Wachstumsszenarios nicht, also stärken sie auf diese Weise ihren Eigenkapitalanteil. Die Alternative bestünde noch in der Zuführung von klassischem Eigenkapital in Verbindung mit der Aufnahme neuer Gesellschafter ins Unternehmen und damit der Abgabe bzw. Verwässerung von Stimmrechten. Damit würden sich Unternehmer eines großen Teils ihres Handlungsspielraums berauben.

Um einen solchen Venture Loan zu erhalten, stellen sich die Wachstumsunternehmen auf der entsprechenden Crowdinvesting-Plattform ausführlich vor – in der Regel in Form eines Projektvideos, ergänzt um Bilder, Texte und bereits erreichte und erwartete Geschäftszahlen. Damit der Venture Loan gewährt werden kann, muss zumeist eine Mindesthöhe an Anlegergeldern erreicht werden, die sog. Investitionsschwelle. Darüber hinaus sind dann bis zum Ende des Finanzierungszeitraums weitere Investitionen bis zum Investitionslimit möglich.

Crowdinvesting in Start-ups

Crowdinvesting in Start-ups: Warten auf den Exit
Crowdinvesting in Start-ups: Warten auf den Exit

Start-ups, die sich mittels Crowdinvesting finanzieren wollen, haben eine hervorragende Geschäftsidee oder einen tollen Prototypen eines Produkts. Sie stehen aufgrund ihres Unternehmensalters und der sehr jungen Geschäftsidee jedoch vor einigen Herausforderungen bezüglich der Finanzierung. Kaum eine Bank ist bereit, nur aufgrund einer Idee und eines Businessplans (und sei er noch so ausgefeilt) einem Start-up einen Kredit zu gewähren. Deshalb besteht auch für Start-ups die Möglichkeit, sich über die Crowd Kapital zu besorgen.

Auf entsprechenden Crowdinvesting-Plattformen für Start-ups können die Jung-Firmen sich und ihr Produkt der Crowd vorstellen und um Unterstützung werben. Die Gründer erklären in Text, Bild und einem ansprechenden Video den potentiellen Investoren ihr Vorhaben, ergänzt um einen schlüssigen und nachvollziehbaren Businessplan.

Ist die Crowd vom Konzept des Start-ups überzeugt, steigt sie ein und erwirbt mit ihrer Investition Anteile am jeweiligen Start-up. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (Kleinanlegerschutzgesetz) ist der Erwerb solcher Anteile an Start-ups in Deutschland jedoch beschränkt. Die Investoren erwerben somit also eher virtuelle Anteile. Häufig sind die Verträge so gestaltet, dass die Start-up-Investoren in diesem Fall ein partiarisches Nachrangdarlehen an die Jungunternehmen vergeben. Dafür erhalten sie im Gegenzug eine geringe Verzinsung, die zum Ende der Laufzeit ausgezahlt wird. Die Dauer eines solchen Investments liegt häufig über dem Zeitraum von fünf Jahren.

Crowdinvestoren erwerben eher virtuelle Anteile an #Start-ups Click To Tweet

Das eigentliche Ziel der Crowdinvestoren ist ein anderes. Neben der Unterstützung von Geschäftsideen und dem möglichen Erhalt des vom Start-up angebotenen Produkts wird ein möglichst hoher Exit-Erlös angestrebt. Zeigt sich, dass das Start-up ein besonders interessantes Produkt entwickelt oder eine Marktlücke erfolgreich besetzt hat, werden häufig größere Unternehmen darauf aufmerksam. Diese steigen ein oder erwerben gleich das ganze Start-up. Das ist dann der angepeilte Exit. Wer dann tatsächliche Unternehmensanteile hält, wird entsprechend seiner Anteile am Verkaufserlös beteiligt.

Das Crowdinvesting in Start-ups ist zuletzt in die Schlagzeilen geraten, da in kurzer Zeit mehrere namhafte Start-ups Insolvenz anmelden mussten, die in den Vorjahren teils siebenstellige Summen von der Crowd eingesammelt hatten.

Crowdinvesting in Immobilien

Crowdinvesting im Immobiliensektor verzeichnet hohe Nachfrage
Crowdinvesting im Immobiliensektor verzeichnet hohe Nachfrage

Immobilienentwickler, die sich über die Crowd finanzieren wollen, haben zumeist eine mehrjährige Expertise im Immobiliengeschäft und arbeiten an weiteren Immobilienprojekten. Aufgrund gestiegener Eigenkapitalanforderungen des Gesetzgebers stehen die Projektentwickler jedoch vor der Herausforderung, für ein Bauprojekt mehr Eigenkapital mitzubringen. Nur gegen diesen höheren Anteil an Eigenkapital sind die Banken bereit, den Immobiliengesellschaften einen Kredit für die Finanzierung des gesamten Immobilienprojekts zur Verfügung zu stellen.

Um das Eigenkapital zusammenzubekommen, bietet sich den Unternehmen eine Crowdfinanzierung über das Mittel eines partiarischen Nachrangdarlehens an. Partiarischen Nachrangdarlehen wird rechtlich ein eigenkapitalähnlicher Charakter zugesprochen. Das bedeutet, ein auf diese Weise aufgenommenes Darlehen stärkt die Eigenkapitalbasis des (Immobilien-)Unternehmens und steht nicht als Verbindlichkeit in den Büchern wie ein Fremdkapitalkredit.

Häufig begegnet einem in diesem Zusammenhang der Begriff „Mezzanine-Finanzierung“. Ein Mezzanin (von ital. mezzo = halb) ist ein Zwischengeschoss eines mehrstöckigen Hauses. Hier bezeichnet Mezzanine-Kapital eine Finanzierungsform, die einen Mix aus Eigenkapital und Fremdkapital bedeutet. Auf diese Weise können sich sowohl Wachstumsunternehmen als auch Immobiliengesellschaften über Crowdinvesting finanzieren.

Der Vorteil einer Crowdfinanzierung für Projektentwickler im Immobiliensegment liegt nun darin, dass sie den geforderten Eigenkapitalanteil splitten können. Ein Immobilienentwickler kann beispielsweise die eine Hälfte des geforderten Eigenkapitalanteils selbst aufbringen und die andere Hälfte über eine Crowdfinanzierungs-Kampagne einsammeln. Für das angelegte Geld erhalten die Crowdinvestoren Zinsen, die teilweise schon nach vergleichsweise kurzen Laufzeiten endfällig ausgezahlt werden. Die Zeiträume der Crowdinvestments bewegen sich meist zwischen einem und fünf Jahren.

Immobilienentwickler können eine Hälfte des Eigenkapitals selbst aufbringen und die andere Hälfte… Click To Tweet

Auf spezialisierten Plattformen für Immobilien stellen die Projektentwickler ihr Immobilien-Investment in Text, Bild und einem möglichen Video vor. Ergänzend dazu gibt es Lagepläne, Informationen zum Immobilienstandort, Neuigkeiten zum Baufortschritt und Dokumente zum jeweiligen Objekt.

Das Crowdinvesting in Immobilien erfreut sich in letzter Zeit großer Beliebtheit und verzeichnet steigende Wachstumszahlen.

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