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Der Kampf ums Vertrauen (Erster Tag „Bits & Pretzels“)

Was für ein Einstand! Die Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“ in München besuchen derzeit 3.600 Besucher, die in den Genuss eines tollen Events mit Keynotes, Messe, Nebenveranstaltung und als Krönung eines Wiesn-Besuch kommen. Die Organisatoren Andreas Burckschlögl, Felix Haas und Bernd Storm betonten bei der Eröffnung: „Little things can make a big change to the world“. Die Messe ist ihr Beitrag, die Start-up Kultur zu stärken.

Konstanz ist entscheidend

Im ersten Vortag erzählte der CEO von Zendesk, Mikkel Svane, von der Erfahrung ein Start-up 2007 in Dänemark zu gründen, um dann sehr bald nach San Francisco zu ziehen. Grund: „Denmak is no place to find investors.“ Neben dem Umzug war für das Unternehmen entscheidend: „Macro trends and economics shaped our business“, sagte Svane. Denn: Abonnentenmodelle und eine Rundum-Sorglos-Mentalität bilden das Geschäftsmodell für Zendesk, die eine cloudbasierte Kundensupport-Plattform anbieten. Früher sei eine Software einmal verkauft und nur unregelmäßig durch Updates nachgebessert worden. Heutzutage erwartet der Kunde bei einem Produkt nicht unbedingt den WOW-Effekt, sondern vielmehr „persistent delivery“, das ständig nachgebessert und optimiert werde. Es gilt darum sich jeden Tag das Vertrauen der Kunden zu verdienen und noch weiter auszubauen. Sein Tipp: „Give the costumers a voice!“ Wenn sich Kunden als Fans eines Produkts outen, sollte man ihre Extrovertiert in den Sozialen Medien unbedingt unterstützen – wie zum Beispiel Retweeten, Teilen usw.

Die Medienmacht Joko Winterscheidt

Der Pro7 Moderator Joko Winterscheidt kam auf die Bühne, angekündigt als der deutsche Ashton Kutcher. Im Schlepptau hatte er CEO Navid Hadzaad dabei, beide Gründer von GoButler. Winterscheidt erklärte, welche Rolle er bei diesem Start-up spielt. „I got the media power“. Mit drei Millionen Followern in den Sozialen Medien ist er das Aushängeschild des Service, der Wünsche von Kunden organisiert: Reservierungen, Buchungen, Urlaube usw. Auf die Frage aus dem Publikum, warum man GoButler vertrauen sollte, sagte Hadzaad: „Es liegt in unserem ureigensten Interesse das beste Produkt zu liefern.“ Sonst seien die Kunden schnell weg. Wenn man den Unternehmen Zendesk und GoButler glaubt, müsse der Kunde nicht nur der König, sondern der Kaiser sein. Mögen weitere Firmen diesem Pfad folgen!

Tipps für Gründer von Florian Gschwandtner

Nach all den Kunden-Management wurde es sportlich: Runtastic CEO Florian Gschwandtner einen kurzen, aber informativen Einblick in die Unternehmensgeschichte des Start-ups, das von addidas vor kurzem für über 220 Millionen Euro gekaut wurde. Die Gründung geschah als bootstrapping Unternehmung, ergo ohne Investor an Bord. Die Anforderungen für eine App hätten sich in den vergangenen sechs Jahren bedeutend geändert. Während es 2009 reichte, ein qualitativ hochwertiges und stabiles Produkt zu haben, gelte es für den App Entwickler heutzutage zusätzlich ein dynamisches Produkt zu entwickeln sowie eine User Journey, A/B testing, User segmentation und User aquisition durchzuführen. Folgende Tipps gab er mit auf den Weg:

– Teste bei den Kunden alles: Buttons, Graphiken, Farben, Registrierung, Bewertungen!

– Wer Gründerveranstaltungen besucht, sollte genau schauen: Was ist sinnvoll, was ist letztlich nur Zeitverschwendung. „Time is limited“. Schließlich sollte der Fokus auf dem Produkt liegen.

– Die Lokalisation der App hat Runtastic den Fans überlassen: „The people are proud to help you.“ So hätten die französischen Nutzer die Übersetzung von Runtastic komplett übernommen.

40 bis 50 Prozent des Adidas Marketing-Budgets fließt in Digital & Social Media

Im Anschluss wurde Herbert Hainer, CEO von Adidas, interviewt. Interessant: Der Deutsche, der via Social Media am meisten Aufmerksamkeit erzielt, ist nicht Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger, sondern Mesut Özil. Er allein bringt es auf 27 Millionen Fans, da er deutsche, türkische und englische Unterstützer hinter sich hat. Müller bringt es auf 8,7 Millionen, während Christiano Ronaldo auf stolze 106 Millionen Follower kommt. So sei es auch kein Wunder, dass für solche Messi oder Ronaldo ganz andere Ablösesumme gezahlt werden. Die Wichtigkeit der Sozialen Medien hat auch das Marketing bei Adidas verändert: Zwischen 40 und 50 Prozent des Marketing-Etat fließt mittlerweile in Apps, Facebook, twitter und Co. Eine Anmerkung machte Hainer zu runtastic. Das Start-up werde nicht vom Konzern geschluckt, sonst würde man nur die gewachsene Unternehmenskultur zerstören.

Wie lockt man die besten Talente?

Warum sind bei Amazon die Einkaufsbutton gelb und blau? Ben Parr, Managing Partner bei DominateFund, ging in seinem Vortrag auf Sinneswahrnehmung der Menschen und deren Bewertung. Das Internetwarenhaus hat die Farben gewählt, weil es den höchsten Kontrast widerspiegelt und somit Kunden die perfekte Sichtbarkeit biete. Er motivierte auch Unternehmen gerade im „war of talents“ ungewöhnliche Wege zu gehen, um Kandidaten für sich einzunehmen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Das funktioniere sehr gut über ungewöhnliche Belohnungen. So habe die Firma „scopely“ den vielumworbenen Ingenieuren, eine Ölgemälde von sich selbst, eine Flasche Whiskey, Geld in Speck eingewickelt und eine Harpune geschenkt. Einen Tipp gab Parr Start-ups für ihren nächsten Pitch mit auf den Weg: Um Investoren zu überzeugen, ist es sinnvoll, Stimmen von glaubwürdigen Institutionen und Experten einfließen zu lassen.

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