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Diversifikation – die optimale Risikostreuung

„Nicht alle Eier in einen Korb legen“, so lautet die sprichwörtliche Grundregel bei der Geldanlage. Wer volles Risiko geht und alles auf eine Karte setzt, der kann im Extremfall alles verlieren. Diversifikation sollte deshalb die Devise lauten – die Streuung des Risikos über verschiedene Anlageklassen (sog. Assets), Investment-Stile und Regionen hinweg.

 

Panik ist keine Anlagestrategie

Die Herausforderung bei der Geldanlage besteht darin, über längere Zeiträume eine ausreichende Diversifikation zu betreiben und auch hin und wieder auftretende Schwächephasen auszuhalten. Häufig begehen Privatanleger den Fehler, vorschnell aus bestimmten Anlagen zu fliehen, wenn es einmal nicht so rund läuft. Die Börse ist dafür das beste Beispiel. Sinken dort etwa aufgrund einer schwächelnden Konjunktur die Aktienkurse, ziehen viele Investoren panisch ihr Geld ab, um zu retten, was zu retten ist. Erholt sich die Konjunktur und die Kurse steigen wieder an, sind diese Investoren meist mit Verlusten ausgestiegen, nehmen an der Aufschwungphase aber nicht mehr teil.

Genährt wird diese Panik nicht selten durch Medienberichte und selbsternannte „Börsen-Gurus“, die bereits lange zuvor wussten, dass „der Börsencrash“ kommt. Passend dazu bieten sie Rezepte an, „wie Sie als Anleger Ihr Geld retten“ können.

Flucht in „sichere Anlagen“ kann ein böses Erwachen nach sich ziehen

Diese Flucht führt oft zu einer Fehlallokation der finanziellen Mittel. Die Privatanleger verteilen (lat.: allocare – platzieren, zuteilen) ihr Geld nur noch auf wenige oder sogar eine Asset-Klasse und gehen damit ein deutlich höheres Risiko ein. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa die „Flucht“ in Edelmetalle wie Gold oder Immobilien („Betongold“).

Das Problem liegt auch hier in der Dosis: Einen Teil des Anlagekapitals in Gold oder Immobilien zur Absicherung zu investieren ist sogar empfehlenswert. Doch die Sorge vor oder nach einem „Börsencrash“ verleitet viele Investoren dazu, alles Geld in das rettende „Wertaufbewahrungsmittel der letzten Instanz“ – dem Gold – umzuparken. Geschehen ist das auch infolge der Wirtschaftskrise nach 2008 und dem „kurz bevorstehenden Ende des Euro als europäischer Gemeinschaftswährung“ um das Jahr 2012. Der Goldpreis schoß in eine Höhe von fast 2.000 Dollar je Feinunze, stürzte jedoch später wieder fast bis auf 1.000 Euro je Unze ab.

Ob dem sehr teuren Immobilienmarkt ein ähnlicher Absturz bevorsteht, ist noch offen. Doch sollte man sich vor einem Häuserkauf noch einmal daran erinnern, dass die Krisen in den USA oder Spanien in allererster Linie durch Übertreibungen am Immobilienmarkt ausgelöst wurden.

Teilen Sie Ihr Vermögen gleichmäßig auf

Ratgeber für die optimale Streuung des Vermögens gibt es viele. Doch welche Diversifikation ist die richtige? Eine häufig zitierte Faustformel rät etwa zur gleichmäßigen Vier-Teilung des Vermögens: ¼ Aktien – ¼ Anleihen – ¼ Gold – ¼ Cash. Vor allem ein ausreichender Bargeld-Bestand sollte immer vorrätig sein, um plötzlich auftretende Kosten bewältigen zu können, eine Autoreparatur etwa oder den Kauf einer neuen Waschmaschine. Ausreichend Liquidität kann einfach auf dem Girokonto oder in Form von Tagesgeld gehalten werden.

Wer jedoch lieber weniger in schwankende Aktienmärkte investieren möchte oder unter den mageren Renditen der kaum noch (oder teilweise bereits negativ) verzinsten Anleihen leidet, sollte einmal über sogenannte Crowdlending- oder P2P-Lending-Investments als Beimischung nachdenken (P2P steht für „Peer-to-Peer“, also gewissermaßen von „Gleich zu Gleich“). Auch dabei ist es möglich, in Unternehmen zu investieren und dabei gleichzeitig Zinsen zu kassieren.

Auf Aktien und Anleihen soll dabei gar nicht verzichtet und sie sollen auch nicht durch P2P-Anlagen ersetzt werden. Angesichts der herausfordernden Situation bei diesen beiden Asset-Klassen soll eher aus der Vier-Teilung eine Fünf-Teilung des eigenen Anlageverhaltens gemacht werden.

Wie sieht die optimale Diversifikation beim Crowdlending aus?

Auch bei der Geldanlage in Crowdlending-Projekte sollte nach der Devise verfahren werden, nicht volles Risiko zu gehen und nicht alles verfügbare Kapital in ein einzelnes Projekt zu investieren. Doch wie sollte sie aussehen, die optimale Risikostreuung beim Crowdlending?

Eine Möglichkeit der Diversifikation verfährt nach dem Prinzip der totalen Risikoreduzierung. Danach wird in jedes Anlageprojekt die Minimalsumme investiert, um bei möglichen Zahlungsstörungen auch nur den kleinstmöglichen Verlust verzeichnen zu müssen. Dieses Diversifizierungsverhalten wird häufig auf P2P-Plattformen für private Verbraucherkredite empfohlen. Dort begegnen den Anlegern dann Beispielrechnungen wie: „Streuen Sie Ihre Investitionssumme in Höhe von 2.500 Euro am besten über 100 Projekte, um eine optimale Risikodiversifikation zu erreichen.“

Das klingt zuerst nach der „optimalen“ Strategie, doch optimal ist hier eher relativ, wenn die Mindestanlagesumme auf diesen Plattformen 25 Euro pro Projekt bedeutet. Anders gewendet könnte danach auch gesagt werden: „Streuen Sie Ihre Investitionssumme in Höhe von 100 Euro am besten über vier Projekte.“ Die Strategie ist dieselbe, doch klingt die Streuung hier schon nicht mehr so optimal, wenn davon ein Projekt ausfällt und der Verlust ein Viertel der Investition beträgt.

Und die Ausfallquote ist bei Privatkrediten deutlich höher als bei Unternehmenskrediten. Nicht umsonst werden bei Privatkrediten Zinsen in Höhe von teils 15 Prozent und mehr offeriert. Die Kreditnehmer dort stehen häufig vor dem Problem, dass sie von einer Bank keinen Kredit mehr eingeräumt bekommen. Auch die Kontoüberziehung und der Dispo-Zins – der bereits hoch ist, aber in der Regel unter 15 Prozent liegt – scheint für diese Kreditnehmer häufig keine Möglichkeit mehr zu sein. Dementsprechend hoch sind dort auch die Zahlungsverzögerungen bis hin zu Totalausfällen. Nicht anders dürfte es zu erklären sein, wie aus der Vielzahl von Krediten mit 10-15-prozentiger Verzinsung letztendlich nur Durchschnittszinsen von 6-8 Prozent bei den Anlegern ankommen.

Weniger nach Anzahl diversifizieren, dafür in sichere und in gute Projekte

Höhere Zinsen bzw. Renditen gehen nun mal immer mit höherem Risiko einher. Deshalb kann die Diversifikation strategisch auch so angegangen werden, dass in niedriger verzinste Crowdlending-Kredite eine höhere Summe investiert wird, die dafür aber auch deutlich höhere Sicherheiten bei der Rückzahlung aufweisen. Um eine höhere Gesamtrendite zu erzielen, kann dann ein kleinerer Betrag in Projekte mit schlechterer Bonität investiert werden. Also lieber weniger nach Anzahl diversifizieren, aber dafür sicherer und in gute Projekte sein Geld anlegen.

Das Zinsniveau der Unternehmenskredite im Crowdlending erscheint im Vergleich zu Privatkrediten zwar unattraktiver, dafür weisen sie aber auch eine ganz andere Bonitätsstruktur auf. Denn im Gegensatz zu Privatleuten wenden sich Unternehmen aus anderen Gründen an Crowdlending-Plattformen. Der hohe Bearbeitungsaufwand und das geringe Interesse der Banken an kleineren Kreditsummen lässt Unternehmer nach Alternativen bei der Kapitalbeschaffung suchen. Deshalb bieten die Firmen auch einen „normalen“ Zins auf ihre Anlageprojekte und keinen Hochrisikozuschlag, der im Geschäftsalltag kaum zu erwirtschaften ist.

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