Diversifikation und Diversifizierung – Was ist das?

Diversifikation und Diversifizierung – Was ist das?

Diversifikation bei der Geldanlage bedeutet die Streuung des Risikos durch die Investition in verschiedene Finanzprodukte. Aus der Zusammensetzung unterschiedlicher Kapitalanlagen entsteht so ein diversifiziertes Portfolio.

Wie sieht die optimale Diversifikation aus?

Das perfekt diversifizierte Portfolio eines professionellen oder privaten Investors, das auf jede Eventualität an den Finanzmärkten vorbereitet ist, existiert natürlich nicht. Doch mit der Verteilung des eigenen Vermögens auf verschiedene Anlageklassen und durch eine entsprechende Risikogewichtung kann die Stabilisierung des eigenen Anlageportfolios erheblich verbessert werden.

Vereinfacht gesagt gilt: Eine maximale Rendite und gleichzeitig hohe Sicherheit bei einer Investition schließen sich in der Regel aus. Oder anders formuliert: Wer eine maximale Sicherheit bei der Geldanlage sucht, sollte nicht nach den höchsten Renditen streben und sich eher mit geringeren, dafür aber realistischen Zahlen bei der Wertentwicklung zufriedengeben.

Investieren und Sicherheit bei der Geldanlage schließen sich nicht aus

Viele potentielle Anleger werden erst gar nicht zu Investoren, weil sie jegliche Risiken beim Anlegen ihres ersparten Geldes vermeiden wollen. Zumeist verbleibt dann das Geld auf dem Sparbuch oder wird auf einem Festgeldkonto oder dem flexiblen Tagesgeldkonto geparkt. All diese Sparkonten sind durch die staatliche Einlagensicherung bis zu einem gewissen Höchstbetrag (derzeit 100.000 Euro) geschützt.

Tatsächlich muss und sollte auch niemand auf diese Anlageformen verzichten. Im Gegenteil, erfahrene Ratgeber empfehlen sogar, mindestens zwei bis drei Monatsgehälter auf flexiblen Giro- oder Tagesgeldkonten zu belassen. Damit immer genug Liquidität für eine plötzlich notwendig gewordene Autoreparatur oder den Neukauf einer Waschmaschine vorrätig ist. Investiert werden sollte deshalb in erster Linie nur das Kapital, was auch zu entbehren ist bzw. für die Altersversorgung notwendigerweise zurückgelegt werden sollte. Und auch hier sollte immer das Grundprinzip der Diversifikation eingehalten werden.

Wie können Anleger ihre Vermögensanlagen diversifizieren?

Zunächst sollte sich der Anleger bzw. die Anlegerin über die Ziele und den eigenen Anlagehorizont ein klares Bild machen. Hinsichtlich der Streuung des Risikos ist es dabei unerheblich, ob über mehrere Jahre jeden Monat 100 Euro zurückgelegt oder einmalig eine Erbschaft in Höhe von 250.000 Euro angelegt werden sollen. In beiden Fällen sollte auf eine ausgewogene Anlagestruktur geachtet werden. Dafür steht eine Vielzahl von Anlageklassen zur Verfügung:

  • Bankeinlagen, Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld
  • Aktien
  • Investmentfonds, Aktienfonds, Rentenfonds, Mischfonds, ETFs (Indexfonds)
  • Anleihen, Rentenpapiere, festverzinsliche Wertpapiere
  • Rohstoffe, Edelmetalle, Gold
  • Immobilien, Immobilienfonds, REITs
  • Beteiligungen, Sachwerte
  • Crowdlending, Crowdinvesting (Investition in Privatkredite, Unternehmenskredite, Immobilien)

Die Faustregel lautet: Sichere und liquide Anlagen bilden den Grundstock des Vermögens (Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld). Für den mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau kommen kapital- und ertragsbildende Anlageformen hinzu (festverzinsliche Wertpapiere, Investmentfonds, ETFs, Immobilienfonds, dividendenstarke Aktien). Hinzu kommen renditestarke und chancenreiche Kapitalanlagen, um eine höhere Gesamtrendite zu erwirtschaften (Aktien, Rohstoffe, Beteiligungen, Crowdinvesting).

Bei allen Anlageformen sollten gezielt Werte aus verschiedenen Regionen (Europa, USA, Emerging Markets) und Branchen (Industrie, Dienstleistungen, Technologie, Immobilien) ausgewählt werden.

Klumpenrisiko bei der Diversifikation vermeiden

Von Klumpenrisiken wird immer dann gesprochen, wenn das Anlagekapital in nur ein oder einige wenige Investments gesteckt wird. Beispielsweise neigen zahlreiche auf sichere Anlageformen bedachte Menschen dazu, ihr Geld in Betongold – also Immobilien – zu investieren. Eine selbstgenutzte Immobilie ist erstmal kein Problem, schließlich werden dadurch die Kosten für die Miete gespart.

Problematisch könnte es dagegen werden, wenn die Immobilie nur zum Zwecke der Vermietung erworben wurde. Häufig werden Aufwand für Verwaltung, möglicher Mietausfall wegen Leerstand oder die Kosten für Renovierung und Instandhaltung unterschätzt. Besser geeignet sind ein Teilinvestment in offene Immobilienfonds oder in Aktien von Immobiliengesellschaften.

Andere Szenarien für ein Klumpenrisiko können z.B. durch den Kauf von Aktien nur eines Unternehmens, Staatsanleihen nur eines Landes oder durch die Flucht in Gold als Überreaktion auf einen wirtschaftlichen Abschwung entstehen. Beispielsweise dürften die Aktionäre der großen Energieversorger infolge der Energiewende oder Besitzer von Wertpapieren des Volkswagen-Konzerns infolge des Abgasskandals weniger glückliche Anteilseigner gewesen sein. Jedoch spricht gerade das letztgenannte Beispiel nicht generell gegen den Besitz von Aktienanteilen aus der Automobilindustrie. Schon die Verteilung der Wertpapiere auf mehrere Fahrzeughersteller hätte eine bedeutende Diversifizierung bedeutet.

Das Gleiche gilt für Käufer von Staatsanleihen. Wer nur die nahezu ausfallsicheren deutschen Bundesanleihen erwirbt, geht praktisch keinerlei Ausfallrisiko ein, erwirtschaftet aber damit derzeit auch keine Zinsen mehr. Der Kauf von Anleihen aus Schwellenländern oder Aktien von dort beheimateten Unternehmen bietet zwar oft höhere Renditen, doch drohen dort auch stärkere Schwankungen. Auch hier sollte immer ausreichend Diversifikation im Portfolio angebracht sein. Die Devise für Anleger sollte daher grundsätzlich lauten: Lieber mehr Anleihen aus sicheren Staaten, die zumindest den Vermögenserhalt bedeuten, und eher weniger Hochzinsanleihen aus Schwellenländern bzw. Emerging Markets, um Renditespitzen zu nutzen.

Beispiele für eine Diversifizierung im Portfolio

Es gibt zahlreiche Beispiele für austarierte Portfolios. Diese können Privatanleger als Richtschnur nutzen, sollten aber letztendlich auch immer auf die individuellen Bedürfnisse, Ziele und Lebenslagen zugeschnitten werden. Beispielsweise sollten Anleger, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, weniger stark in Aktien oder langlaufende Sachwertanlagen investiert sein. Dafür sollten sie ihr Vermögen bereits vermehrt in absichernde Anlageklassen wie festverzinste Wertpapiere, Sparanlagen oder Immobilien umgeschichtet haben.

Häufig wird eine Portfoliodiversifizierung empfohlen, bei der jede Produktkategorie zu exakt gleichen Teilen ins Depot gelegt wird. Die Vermögensstruktur besteht somit zu je einem Viertel aus Aktien (25 %), Anleihen (25 %), Cash (25 %) und Gold (25 %). Dem Edelmetall kommt hier zumeist die Absicherung als „letzte Instanz“ für den Fall zu, dass tatsächlich einmal alle Märkte abstürzen und das Barvermögen durch eine Inflation entwertet wird.

Als Ergänzung können noch Immobilien, Rohstoffe oder Crowdfinanzierungen ins Portfolio aufgenommen werden. Möglich ist gerade für jüngere Menschen eine deutlich höhere Aktienquote und weniger Edelmetall als Absicherung (5-10 %). Durchaus empfehlenswert ist dabei die Kombination mit staatlichen oder betrieblichen Fördermaßnahmen, wie der etwas in Verruf geratenen Riester-Rente oder betrieblichen Altersvorsorgemaßnahmen. Der Zuschuss in Form von Geldleistungen oder Steuervergünstigungen sollte nicht außer Acht gelassen werden. Die eigene selbstgenutzte Immobilie ist ebenfalls ein absicherndes Vermögenselement, welches dann in einem diversifizierten Anlageportfolio nicht mehr als Investition auftaucht.

Darum macht eine Streuung des Risikos bei der Geldanlage Sinn

Eine diversifizierte Vermögensstruktur senkt die Gesamtrisiken für das angelegte Kapital. So ist das durchschnittliche Risiko des Gesamtportfolios niedriger als das durchschnittliche Risiko der renditestärksten Anlageklassen. Zugleich bietet ein diversifiziertes Portfolio eine höhere Gesamtrendite als die sicheren Bankeinlagen oder festverzinste Wertpapiere.

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