Die Fintech-Welt verspürt gewaltigen Rückenwind: 142 Investments verzeichnete die europäische Branche im Jahr 2015 mit sage und schreibe 1,8 Milliarden Euro. Die erfolgreichen Start-ups Number 26 oder Fidor Bank, kapilendo sind nicht nur die Vorboten, sondern vor allem die Profiteure der digitalen Revolution in der Finanzwelt. Doch was machen die etablierten Banken?

Vertrauen ist der Anfang von allem

Das Nachsehen haben in der Regel die Banken. Mit ihrem Bauchladen an Produkten und Dienstleistungen sind sie zwar Alleskönner, versauern sie derzeit nur auf dem 4. Platz statt auf dem Treppchen. Ihr Geschäftsmodell ist durch die Digitalisierung angreifbar geworden. Die Herausforderer sind in der Regel von den Kosten her schlanker, effizienter und wagen neue Denkansätze. Alles das, was die finanz-affine Klientel begeistert. Ein Problem haben aber auch die jungen Wilden: Für den Massenmarkt fehlt oftmals noch das Vertrauen, sein sauerverdientes Geld in die Hände eines frisch gegründeten Unternehmens zu geben. Hier können die Banken punkten: Sicherheit und Solidität bei der Verwaltung des Geldes. Und da für manche Geldgeschäfte eine Lizenz notwendig ist, kennen sie sich mit der strengen Regulierung aus. Ein Grund, weshalb manche Fintechs mit Banken zusammenarbeiten.

Warum die etablierten Geldhäuser den digitalen Wandel verschlafen haben, ist auf die 90er Jahre zurückzuführen: Damals haben deutsche Banken hunderte Millionen in Internetaktivitäten versenkt. Solch ein Desaster wollen sie nicht nochmal riskieren. 

Umarme den Feind!

Heutzutage ist das anders: Wir leben in einem digitalen Zeitalter, während in den 90er Jahre nur ein Bruchteil der Bevölkerung sich im Internet tummelte. Den frischen Wind durch die Start-ups brauchen die Banken. Denn: „Gerade wenn man den gesamten deutschen Bankensektor betrachtet, passiert immer noch zu wenig“, sagt Fintech-Experte Peter Barkow. Immerhin zeigen die Geldhäuser erste Aktivitäten. Dazu setzen sie auf eigene Entwicklungen, Kooperationen und strategische Investments – gemäß dem chinesischen Sprichwort: “Wenn du den Feind nicht besiegen kannst, umarme ihn.” In Deutschland ist die Commerzbank in diesem Bereich Vorreiter mit eigenem Inkubator, um einerseits Fintech-Start-ups zu unterstützen und andererseits von den Fintechs zu lernen. Die Deutsche Bank und selbst die Unicredit haben mittlerweile mit eigenen Invovationslaboren oder Acceleratoren nachgezogen. Ein Sprecher der Deutschen Bank formuliert es so: Aus Sicht der Banken ist das ein interessantes Verhältnis – Fintechs können Kunden, Wettbewerber und zugleich Kooperationspartner sein.”

Auf dem größten europäischen Fintech-Event “money 20/20”, das kürzlich in Kopenhagen stattfand, war dies das beherrschende Thema – Banken und die Digitalisierung. So stellte die spanische BBVA ihre Beteiligung an der Atom Bank vor: Eine englische Digital-Bank, die speziell fürs Handy optimiert ist. Die deutsche Ing-Diba setzt dagegen auf Kooperation mit Fintechs wie Easyfolio, Gini oder WebID Solutions. Eigene Entwicklungen von Banken waren dagegen in der Minderheit.

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Bei der Money20/20 Konferenz in Kopenhagen wurde deutlich, dass die Banken die digitale Revolution mittlerweile annehmen. ©TME Institut

Verweisen auf Crowdfunding-Kampagnen

Aber wie könnte die Bank der Zukunft aussehen? Die Banken werden sich mehr am Kunden orientieren müssen und Finanz-Produkte und Ideen anbieten, die über den eigenen Tellerrand hinausreichen. Möglich wäre zum Beispiel in der Online-Maske einer Bank der Hinweis auf eine interessante Crowdfunding-Kampagne. Die Deutsche Bank bietet seinen Kunden mittlerweile das Tagesgeld beim Hamburger Fintech Zinspilot an, das durch das Anlegen von Kapital im europäischen Ausland bessere Konditionen anbieten kann. Ab Herbst sollen sogar Konten und Depots anderer Institute verwaltet werden können. Aber: Der Stellenwert der Banken wird insgesamt sinken, da sie ihre Rolle als Hüter über Kredite und Anlageprodukte nach und nach verlieren. Vielmehr werden sie sich als Dienstleister mit ausgezeichnetem Kundenservice definieren müssen.

Wie stellen Sie sich die Bank der Zukunft vor?

BildER: Fotolia/TME Institute

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