FinTech-Studie des BMF sieht Riesenpotenzial für Crowdfinanzierungen

FinTech-Studie des BMF sieht Riesenpotenzial für Crowdfinanzierungen

Werden sich FinTech-Dienstleistungen zukünftig durchsetzen? Eine umfassende Studie des Bundesfinanzministeriums kommt zu dem Schluss: Auch das Online-Banking steckte einmal in den Kinderschuhen – inzwischen erledigen aber bereits mehr als 54 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte online.

FinTechs rütteln Finanzbranche durch

Dass sich die von den FinTechs adressierten Märkte ähnlich rasant entwickeln wie die internetbasierte Finanzdienstleistung Online-Banking ist damit zwar noch nicht ausgemachte Sache, doch lassen disruptive Technologien wie bei Online-Hotelbuchungen oder innerhalb der Musikindustrie durchaus vergleichbare Schlüsse zu. Und wenn wir ehrlich sind, die Themen Geldanlage, Investieren oder Kreditabschluss können aufgrund ihrer nicht eben großen Beliebtheit durch einfachere FinTech-Lösungen nur profitieren.

Die erste umfassende Studie zum deutschen FinTech-Markt des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) wurden vor wenigen Tagen im Rahmen der „hub conference“ durch Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im BMF, und dem Mitautor der Studie Prof. Dr. Lars Hornuf von der Universität Trier der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben den aktuellen Geschäftsvolumina und Wachstumsraten verschiedener FinTech-Segmente enthält die Studie Prognosen zur Entwicklung des FinTech-Marktes in Deutschland für die Jahre 2020, 2025 und 2035.

Crowdlending mit enormen Schub durch Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung

Für kapilendo natürlich besonders interessant waren die Perspektiven für die Segmente Crowdinvesting und Crowdlending. So wurden im Jahr 2015 insgesamt 47 Mio. Euro über Crowdinvesting-Portale vermittelt. Gemessen am potenziell adressierbaren Markt hat das Teilsegment Crowdinvesting somit eine Marktdurchdringung von derzeit rund 4 Prozent. Über Crowdlending-Plattformen wurden 2015 Kredite an Privatleute und Unternehmen im Wert von 189 Mio. Euro vermittelt. Dies entspricht gemessen am potenziellen Markt für Kredite derzeit einer Marktdurchdringung von knapp 0,2 Prozent.

Insbesondere von den Unternehmenskrediten geht ein starker Wachstumsimpuls aus, wie die Studienautoren betonen. Die ersten Unternehmensfinanzierungen via Crowdlending kamen nämlich erst im Jahr 2014 auf den deutschen Markt, vorher hatte sich bereits seit 2007 die Kreditvergabe an Privatpersonen über die Portale Smava oder Auxmoney etabliert. Bis zum Jahr 2015 wurden auf diese Weise rund 400 Mio. Euro Kredite über Crowdlending-Plattformen vermittelt. Zwischen 2011 und 2014 war das Wachstum in diesen Bereichen recht moderat und teilweise sogar rückläufig. Erst mit der Möglichkeit, auch in Unternehmen zu investieren, sprangen die Wachstumsraten wieder signifikant nach oben in den dreistelligen Prozentbereich.

Wachstum durch Nachfrage von Unternehmen und institutionellen Investoren getrieben

Die Gründe für die Wachstumserwartungen im Unternehmensbereich sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die Kreditvergabe durch klassische Banken für kleine und mittlere Unternehmen verteuert hat. Seit der Einführung der Kreditmarktrichtlinien Basel II und Basel III ist ein Rating für kreditbeantragende Unternehmen nämlich verpflichtend. Dadurch haben sich Kredite für Unternehmen mit einem schlechteren Rating aufgrund der höheren Eigenkapitalanforderungen für die Banken deutlich verteuert.

Eine Umfrage der Europäischen Kommission zur finanziellen Situation von KMU verdeutlicht zudem, dass 2015 der Zugang zu Finanzquellen für 7 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland die größte Herausforderung bei ihrer Geschäftstätigkeit darstellte. Um Alternativen zu klassischen Bankkrediten zu nutzen, dürften daher laut Studienprognose immer mehr Unternehmen in Deutschland auf Crowdlending zurückgreifen, sodass das finanzierte Volumen in diesem Teilsegment weiter ansteigt.

Außerdem wächst die Nachfrage in diesem Investmentsegment durch das zunehmende Interesse von institutionellen Investoren. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien wird bereits heute ein steigender Anteil der Crowdlending-Kredite von institutionellen Anlegern gehalten. In Großbritannien wurden bereits 26 Prozent der Unternehmenskredite und 32 Prozent der Privatkredite von institutionellen Investoren finanziert, in den USA liegt dieser Wert sogar noch höher – bei 53 Prozent der Konsumentenkredite und 73 Prozent der Unternehmenskredite.

Potenzial für Crowdfinanzierungen im zweistelligen Milliardenbereich

Die Schätzungen für die beiden Segmente Crowdinvesting und Crowdlending reichen jeweils von einem pessimistischen über ein Basis- bis hin zu einem optimistischen Szenario. Der pessimistischen Sicht werden vor allem regulatorische Hürden oder Vertrauensverluste seitens der Investoren zugrunde gelegt. Der optimistischsten Prognose eine immer weiter ansteigende Nachfrage von Seiten der Kreditnehmer als auch der Investoren sowie weitere positive Rahmenbedingungen.

Die Prognose für das Crowdinvesting konzentriert sich in erster Linie auf Start-up-Finanzierung und erreicht ein potenzielles Marktvolumen im Jahr 2035 von knapp 1 Mrd. Euro. Für die Art Crowdinvesting für Wachstumsunternehmen (also keine Start-ups in ihrer Gründungsphase), wie sie kapilendo venture betreibt, ist hingegen die Prognose für den Bereich Crowdlending interessanter. Hier werden im optimistischen Szenario für das Jahr 2035 ein Marktvolumen von bis zu 90 Mrd. Euro für Privat- und Unternehmenskredite erwartet. Im Basisszenario sind es immerhin noch recht üppige 11 Mrd. Euro. Den Bereich der Unternehmensfinanzierung für Firmen in unterschiedlichen Wachstums- und Geschäftsphasen teilen sich kapilendo venture und kapilendo credit bekanntlich in den beiden Segmenten Crowdinvesting und Crowdlending auf.

Damit haben sich der BMF-FinTech-Studie zufolge Crowdfinanzierungen für Privat- und Unternehmenskredite als Alternative etabliert und werden so bald nicht mehr vom Markt verschwinden.

 

Hier geht es zur FinTech-Studie des BMF

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