Geldanlage – Welches Investment auch 2017 lohnt

Geldanlage – Welches Investment auch 2017 lohnt

Das neue Jahr ist noch jung, doch schon stellt sich wieder die Frage nach der Geldanlage, welche sich 2017 am meisten lohnen wird. Wirtschaftliche Prognosen sind naturgemäß immer etwas schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen, wie ein leicht abgewandeltes Zitat besagt. Oder hätten Sie gedacht, dass Sie im Jahr 2016 mit Aktien aus Brasilien, Kasachstan und Peru den größten Vermögenszuwachs erzielt hätten?

Bei der Suche nach der „richtigen“ Geldanlage müssen sich Anleger in diesem Jahr auf so einige veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Auch mein Bekannter, dem ich vor einigen Monaten Tipps zum Investieren geben sollte, hat unter den bevorstehenden Vorzeichen wieder nach Ratschlägen für die Geldanlage, die sich 2017 lohnen könnte, verlangt.

2017 wird nicht nur für Anleger ereignisreich

Die Beantwortung der Frage, welche Geldanlage in diesem Jahr die richtige bzw. die am meisten lohnende sein könnte, ist natürlich gar nicht so einfach. Schließlich tritt dieser Tage ein neuer US-Präsident sein Amt an, der zumindest vollmundig erhebliche die wirtschaftliche Ausrichtung betreffende Veränderungen angekündigt hat. Der zu erratischen Ausbrüchen via Twitter neigende neue Präsident lässt zumindest ein breites Spektrum an Möglichkeiten zu: Vom heißen Handelskrieg bis zum business as usual ist alles dabei. Dazu kommen Wahlen in den wichtigen Euro-Staaten Frankreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden – Ereignisse, die ebenfalls ihre Auswirkungen auf die Ökonomie haben dürften.

Crowdlending - Investmentchance des Jahres 2017
Crowdlending – Investmentchance des Jahres 2017

Es werden sich Chancen und Risiken für die Kapitalanlage ergeben, die Kurse von Aktien und Anleihen werden mal steigen und mal fallen, die Flucht in werterhaltende Anlagen wie Immobilien und Gold dürfte wohl anhalten, und die Suche zahlreicher Anleger nach alternativen Geldanlagen wie Crowdlending und Crowdinvesting wird weitergehen. Auf diese Art Geld zu verleihen und Zinsen zu kassieren wird inzwischen schon als eine Investmentchance des Jahres 2017 empfohlen.

Leise Veränderungen wichtiger als laute Ankündigungen

Deshalb riet ich meinem Bekannten mit meiner ganzen Finanzweisheit, erst einmal ruhig zu bleiben, wenn US-Präsidenten Strafzölle für deutsche Unternehmen wie BMW ankündigen oder europäische Politiker „blühende Landschaften“ versprechen, wenn ihr jeweiliges Land erst einmal aus der EU austreten werde. In der Regel setzt sich am Ende trotz lautstarker Ankündigungen meist das Prinzip Pragmatismus durch.

Irgendjemand wird dem neuen US-Präsidenten demnächst schon sagen, dass BMW bereits seit Mitte der 1990er Jahre in den US-amerikanischen Südstaaten fast alle weltweit von der Marke produzierten SUVs vom Band laufen lässt und mehreren tausend US-Amerikanern Arbeit gibt. Und ob Großbritannien nach dem jetzt angestrebten „harten“ Brexit wirklich so blühen wird, muss sich noch zeigen. Auch ist der endgültige „Härtegrad“ des Brexit noch längst nicht ausgemachte Sache, denn wenn die Briten eines seit Jahrhunderten gut können, dann ist es Verhandlungen führen.

„Für die meisten Sparer bedeutet die höhere Inflation einen Verlust an Sparkapital in vollem Umfang.“ Click To Tweet

Häufig wichtiger als solche lauten Ankündigungen sind vielmehr die leisen Veränderungen, die eher schleichend daherkommen. Etwa die inzwischen wieder anziehende Inflation. Die aktuelle Teuerungsrate von 1,7 Prozent klingt erstmal wenig problematisch, doch zur Herausforderung wird, dass die schleichende Inflationssteigerung nicht nur wie vorher Vermögen aufzehrt, sondern das fehlende Sparzinsen oder Anleiherenditen sicherer Rentenpapiere keinen Ausgleich mehr bieten. Der langjährige Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bringt es auf den Punkt: „Für die meisten Sparer bedeutet die höhere Inflation einen Verlust an Sparkapital in vollem Umfang.“

Also, was soll mein Bekannter tun, wenn er sein Geld nicht quasi zinslos auf dem Sparkonto von der Inflation auffressen lassen will?

Dauerbrenner Aktien … oder wenn man seine eigenen Anlagetipps nicht befolgt

Beim Thema Aktien tue ich mich bei Einzeltiteln schwer, ich bin eher ein Verfechter von breit streuenden Investmentfonds, egal ob aktiv gemanagt oder als passiver ETF. Nur im letzten Jahr hätte ich – aber habe ich leider nicht – auf Einzelaktien im Öl-Sektor wie Shell, Total oder BP gesetzt. Weil ich, wie ich meinem Bekannten bereits im Sommer erklärte, noch nicht an das Ende des Ölzeitalters glaube. Und siehe da, zum Ende des Jahres 2016 hatte Öl der Nordseesorte Brent einen Wertzuwachs von mehr als 80 Prozent verzeichnet. Die entsprechenden Aktien der Förderunternehmen legten zwischen 25 und 50 Prozent zu. Die Autofahrer unter uns merken diesen Preisanstieg bereits an der Tankstelle und der Anstieg der Inflation geht vorrangig auf höhere Energiepreise zurück.

Generell riet ich ihm außerdem erneut, auf den Technologie- und Robotiksektor zu setzen. Die zunehmende Digitalisierung dürfte Firmen, die die Automatisierung vorantreiben, auch in den kommenden Jahren zu guten Geschäften verhelfen. Ansonsten breit streuend in den MSCI World Index mittels Indexfonds (ETF) investieren und noch einen Aktienfonds mit Schwerpunkt auf regelmäßige Dividendenausschüttungen von Großunternehmen auswählen, so mein Rat.

Aber irgendwie bin ich mir fast sicher, dass er mich spätestens in einem Jahr wieder fragen wird und weder das eine noch das andere ausgewählt hat. Doch ich sollte mich lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, schließlich habe ich ja meinen eigenen Tipp nicht befolgt und gehöre ebenfalls zu denen, die sich an der Tankstelle ärgern und nicht entspannt an ihre Öl-Aktien denken.

Anleihemarkt vor steigenden Zinsen

So ganz rosig sind die Zeiten am Markt für Rentenpapiere noch immer nicht, aber immerhin gibt es keine negativen Renditen mehr auf deutsche Staatsanleihen wie im letzten Sommer. Die Investoren hatten damals praktisch eine Art Gebühr akzeptiert, wenn sie dem deutschen Staat und Bundesfinanzminister Schäuble ihr Geld für zehn Jahre leihen durften. Generell steigen die Zinssätze derzeit, weil die Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft als gut eingeschätzt werden. Trotz oder gerade wegen des neuen US-Präsidenten.

Deutsche Anleger sehen das naturgemäß anders, also eigentlich wie immer. Offen gesprochen finde ich die Investition in Anleihen auch ziemlich kompliziert. So ganz erschließen sich mir die Zusammenhänge aus Zinskupon, Kurssteigerungen und die Auswirkungen von wirtschaftlichen Entwicklungen auf die Kurse und letztendlich fällige Rendite nicht so richtig. Als Absicherung im Depot sollten sie aber immer dabei sein, weil sie nicht so stark schwanken. Deshalb riet ich meinem Bekannten, dass er sich für diesen Fall eher einen klassischen Rentenfonds aussuchen sollte, anstatt sich einzelne Staatsanleihen zusammenzusammeln.

Mischfonds als Geldanlage für jede Gelegenheit

Früher galt mal: Brummt die Wirtschaft, steigen die Aktienkurse und die Anleiherenditen sind niedrig, und umgekehrt. Deswegen wurden Mischfonds immer beliebter, die das Beste aus Aktien und Anleihen unter einem Dach vereinen sollten. Sie fuhren weniger Rendite ein als reine Aktienfonds, sackten aber im Falle eines Abschwungs nicht so tief ab, weil die Anleihequote das Portfolio stabilisierte. Ziemlich gute Idee für eher sicherheitsorientierte Anleger wie meinem Bekannten, die aber doch eine gewisse Rendite einfahren wollten.

Diese recht simpel gestrickte Anlagestrategie funktionierte lange Jahre ziemlich gut. Innerhalb der letzten zwei Jahre ging es allerdings an der Börse auch mal wieder etwas nach unten. Und dadurch, dass die Zentralbanken das Zinsniveau und damit auch die Anleihezinsen künstlich niedrig hielten, konnte auch mit Rentenpapieren kein Geld mehr verdient werden. Damit sahen die klassischen Mischfonds, die ihre Investoren teilweise noch ziemlich gut durch die Weltfinanzkrise von 2008 gesteuert hatten, plötzlich ziemlich alt aus.

Das Grundprinzip ist immer noch ganz gut, wie ich finde. Einfach zu verstehen und irgendwie beruhigend zu wissen, bei einem Börsenabschwung nicht voll mitgenommen zu werden. Sollten sich die Zinsen irgendwann wieder „normalisieren“, dürften es bei den klassischen Mischfonds auch wieder besser aussehen. Inzwischen haben sich nämlich komplexere Mischfonds ausgebildet, die auf alle möglichen Arten Geld anlegen, aber damit auch viel vom Prinzip der einfachen Verständlichkeit verloren haben.

Immobilien als Eigentum ja, Immobilien als Kapitalanlage naja

Natürlich war es nicht zu vermeiden, dass unser Gespräch auch auf das Thema Immobilien kommen musste. Ich bat ihn, mich nicht falsch zu verstehen, ich habe nichts gegen ein Investment in Immobilien. Im Gegenteil, ich halte sie für eine durchaus solide Sache. Doch ich sehe ein Problem darin, wenn sich Leute einzelne Wohnungen an bereits teuren Standorten kaufen, um sie dann nicht selbst zu bewohnen, sondern als Kapitalanlage zu vermieten.

Geldanlage – Welches Investment auch 2017 lohnt
Immobilien als Eigentum ja, Immobilien als Kapitalanlage naja

Mag sein, dass sich das irgendwann in 20 Jahren auszahlt. Aber bis dahin müssen zuverlässige Mieter dort wohnen, der Bestand auch hin und wieder renoviert und möglicherweise ein Verwalter gefunden werden. Denn neben dem eigenen Beruf und Familienleben noch Immobilien verwalten zu wollen, das ist nicht so einfach wie viele denken. Die Übergabe an eine gute Hausverwaltung kostet aber wieder Geld, die Übergabe an eine schlechte Hausverwaltung kostet vielleicht sogar noch mehr Geld. Denn für das Verwalten von Immobilien braucht man in Deutschland laut Gesetz keine vorgeschriebene Qualifikation. Meinem Bekannten machte ich darauf aufmerksam, dass sich der Junge aus der Nachbarschaft ohne Schulabschluss schon morgen bei ihm als sein neuer Hausverwalter vorstellen kann.

Auch hier empfahl ich ihm, lieber Anteile eines Immobilienfonds zu erwerben oder mal 500 Euro in ein Immobilien-Projekt via Crowdinvesting zu stecken. „Ist das nicht zu risikoreich?“, so die erwartbare Rückfrage. Klar, das Geld kann auch weg sein. Aber wenn das Investment durchläuft, hat er immerhin ganz attraktive Zinsen verdient. Wer das für zu riskant hält, kann ja dem Nachbarsjungen die Verwaltung seiner 300.000 Euro Eigentumswohnung anvertrauen.

Crowdfinanzierung – der direkte Weg des Investierens

Überhaupt das Thema Crowdinvestments. Es pflegt zwar noch immer ein Nischendasein, doch inzwischen entdecken immer mehr Privatanleger die Möglichkeit des direkten Investierens in Unternehmenskredite, Immobilienfinanzierungen oder private Darlehen.

Wer ein Projekt für riskant hält oder nicht versteht, investiert einfach nicht und sucht sich ein anderes. Click To Tweet

Ich erklärte meinem Bekannten die Vorzüge aus kleinen Anlagebeträgen, festen Laufzeiten und interessanten Zinsen. Wenn er ein Projekt nicht mag, für zu riskant hält oder nicht versteht, dann investiert er einfach nicht und sucht sich ein anderes aus. Auch sollte er hier nicht sein volles Monatsgehalt in ein einzelnes Projekt stecken, wie ich ihm einbläute. Sondern mal 100 Euro in einen Gastronomiebetrieb, 100 Euro in eine Software-Firma und 100 Euro in ein Immobilienprojekt. Bei Privatkrediten würde ich weniger investieren, weil ich skeptisch bin, wem ich da wofür mein Geld anvertraue und warum derjenige keinen Kredit bei der Bank bekommen hat.

Crowdlending – Kredite für Unternehmen

Diese Frage kann man sich natürlich auch bei Unternehmen und Immobilienprojekten stellen, warum die nicht einfach zu ihrer Hausbank spaziert sind und die derzeit günstigen Zinssätze genutzt haben. Beschäftigt man sich mal etwas intensiver mit diesem Thema, findet man schnell heraus, dass die günstigen Zinsen der Zentralbank nicht so ohne weiteres so günstig von der Hausbank an die Unternehmen weitergegeben werden. Häufig ist der Bearbeitungsaufwand für die Bank pro vergebenem Unternehmenskredit unter einer Million Euro zu hoch und damit uninteressant. Aber das Unternehmen benötigt trotzdem das Geld und sucht sich eben neue Finanzierungsquellen – wie zum Beispiel einen Kredit via Crowdlending.

Crowdinvesting – Darlehen für Immobilienprojekte und Firmen

Bei Immobilienprojekten ist der Fall häufig so gelagert, dass die Immobilienentwickler eine gewisse Eigenkapitalquote mitbringen müssen. Wollen sie ein Darlehen von 10 Millionen Euro von der Bank, dann müssen sie zum Beispiel eine Million Euro selbst aufbringen, weil die Bank natürlich das Risiko nicht allein tragen möchte. Es besteht nun aber auch die Möglichkeit, 500.000 Euro selbst mitzubringen und noch einmal 500.000 Euro via Crowdinvesting von Privatanlegern einzusammeln. Die Bank wertet das Geld der Anleger als eigenkapitalähnlich und gewährt dem Immobilienentwickler das restliche Darlehen.

Das kann man gut oder schlecht finden, aber es bietet mir und meinem Bekannten eine weitere Möglichkeit, unser Geld in überschaubaren Größenordnungen anzulegen. Kritik wird häufig an den zu niedrigen Zinsen für das entsprechende Risiko erhoben. Da frage ich mich dann wieder, ob da die Relationen noch stimmen. Natürlich hätte ich auch gern 15 Prozent statt 6 Prozent Zinsen für ein Crowdinvestment, doch bei diesen Zahlen bekomme ich dann Bauchschmerzen und frage mich, ob die überhaupt von einem Unternehmen zu erwirtschaften sind.

Und nicht zu vergessen: Solche Mondgewinne und die leuchtenden Augen der Anleger sind oft der Anfang eines ganz tiefen Falls. Mal schauen, ob mein Bekannter meine Ratschläge beherzigt oder ob er dann doch lieber auf sein gutes altes Sparbuch mit Mickerzinsen vertraut.

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One thought on “Geldanlage – Welches Investment auch 2017 lohnt

  1. Jan

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Immobilien sind auf jeden Fall immer eine recht sichere Sache. Nichtsdestotrotz sollte man ein gut gestreutes Portfolio haben.
    Beste Grüße,
    Jan

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