Venturate: Ihr seid mit Eurem Global Innovation Campus (GIC) gerade mit dem Partner AXA Versicherung an den Start gegangen. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Sebastian Reschke: Wir akquirieren für die AXA in den definierten Innovationsfeldern E-Health, Retirement, Big Data, Mobile/Telematics sowie Lead Generation) junge Gründer mit spannenden Ideen. Dann entwickeln wir diese Ideen über einen Toll-gate Prozess vom Konzept bis hin zur Start-up Reife. Dann wird gegründet, wobei die AXA, der GIC sowie das Gründerteam als gemeinsame Shareholder im Rennen sind. Nach der Proof-of-Concept Phase verfügt die AXA über eine Option, das Gründerteam und den Global Innovation Campus (GIC) auszulösen. Sollte diese nicht gezogen werden, kann der GIC das Unternehmen alleine weiter betreiben und löst umgekehrt die AXA aus. Wir sind also gewissermaßen eine “Baumschule für Unternehmen”. Die Entwicklung der Start-ups geschieht außerhalb der Corporates, damit das Bäumchen sich frei von jeglichen Barrieren entwickeln kann, die es innerhalb des Unternehmenswaldes immer gibt.

Venturate: Ihr wollt das Konzept nach dem AXA-Piloten auch mit anderen Corporates realisieren. Was bringt Ihr als Global Innovation Campus dabei ein?

Sebastian-ReschkeSebastian Reschke: Wir haben alle notwendigen Tools, Websites und Datenbanken sowie das komplette notwendige Vertragswerk entwickelt, mit dem sich der Campus auch für andere Großunternehmen betreiben lässt. Das ist im Zusammenspiel mit Corporates ein nicht zu unterschätzender Wert. Außerdem bringen wir ein extensives internationales Netzwerk an Unternehmern, Executives, anderen Unterstützern und Botschaftern ein, mit denen wir unsere Gründerteams je nach Bedarf verdrahten. Auch eine aktive Betreuung durch erfahrene Start-up Gründer ist gewährleistet. All das bietet eine hervorragende Struktur, die ohne große initiale Infrastrukturkosten sofort für das Unternehmen aktiv werden kann.

Venturate: Wer sind die Gründer für die guten Ideen: Entrepreneure von außen oder “Intrapreneuere” des Corporate Partners?

Sebastian Reschke: In erster Linie werden es nach unserer Erwartung externe Entrepreneure sein, aber wenn es im Konzern unerfüllte Unternehmer gibt und diese Lust haben, sich in das unternehmerische Risiko zu begeben, sind wir dafür natürlich sehr offen. Gute Ideen kommen aus den Unternehmen allemal, aber es scheitert eben meist an der Umsetzung. Beim AXA-Campus sind schon einige eingereicht worden, die dann bewertet und ggf. von uns mit einem Gründerteam kombiniert werden.

Venturate: Wenn man rein die Kapitalbrille aufsetzt: Wer finanziert was?

Sebastian Reschke: Die AXA finanziert den AXA Innovation Campus, denn sie will am Ende auch der Nutznießer sein, um von den neu gegründeten Firmen zu profitieren, um innovative Geschäftsmodelle zu erproben und mit der eigenen Mannschaft zu skalieren. Die Finanzierungszusage erstreckt sich von der Bewertung innovativer Ideen, über die Erstellung eines Business Plans bis zu einer Management Fee und der Kapitalisierung der Gesellschaft im Falle einer Unternehmensgründung. Beim Gründungskapital einer GmbH stellt auch der Innovation Campus seinen Anteil als Mitgesellschafter ein.

Venturate: Welchen Nutzen haben die Gründer, die sich auf Euer Programm bewerben, letztlich auch in Punkto Exit-Perspektive?

Sebastian Reschke: Die Gründer wissen von Anfang an, woran sie sind. Sie brauchen keine Zeit ins Fundraising zu investieren, sondern können sich voll auf den Unternehmensaufbau konzentrieren, denn das verhandelt der GIC mit dem jeweiligen Unternehmenspartner. Auch die Vernetzung mit den relevanten Fachabteilungen des Corporates ist für den Gründer attraktiv, weil er auf diese Weise sein Geschäftsmodell im Kontext der jeweiligen Industrie schnell prüfen, validieren und gegegenenfalls adaptieren kann.
Außerdem gibt es eine attraktive Exit-Fee, wenn der Proof-of-Concept erreicht wird. Dabei ist die Zeitschiene klar definiert, so dass ein potenzieller junger Gründer bereits im positiven Fall nach 18-24 Monaten den Erfolg seiner Arbeit ernten kann.

Venturate: Was bietet Ihr den Gründern mehr als ein reiner Finanzinvestor?

Sebastian Reschke: Wir bieten einen personellen Hintergrund, der sowohl Start-up Kultur versteht als auch gewohnt ist, mit Corporates zu arbeiten. Des weiteren: relevante Netzwerke mit unkompliziertem Zugang, einfache und klar definierte Wege, Organisation weiterer Kapitalerhöhungen, ein klar definiertes und attraktives Exit-Szenario, Konzentration auf einen bestimmten Industriebereich mit der Möglicheit, die Expertise des Unternehmens voll für die eigenen Zwecke einzusetzen, da sämtliche Interessenskonflikte ausgeräumt worden sind. Last but not least: Spaß mit die Möglichkeit schnell zu scheitern oder schnell erfolgreich zu werden.

Venturate: Umgekehrt aus der Corporate-Perspektive: Was unterscheidet Euch von den zahlreichen Accelerator-Programmen im Markt?

Sebastian Reschke: Der Corporate ist von Anfang an dabei und kauft nicht die Katze im Sack. Er begleitet sein “Baby” von Geburt an uns hat zu jeder Zeit Kontrolle über die Risikostreuung und seine eigenen Kosten im Entstehungsprozess der Start-ups. Durch den fachlichen Austausch mit den Gründern auf verschiedenen Ebenen des Unternehmens kann jederzeit bewertet werden, ob und inwieweit sich das Start-up im Rahmen der definierten Innovationsfelder bewegt und wie es ins Geschäftsmodell passt. Zudem besteht durch den Austausch die Chance, auch die eigene Unternehmenskultur positiv zu befruchten.
Durch den unternehmerischen Ansatz der gemeinsamen Anteile an den Start-ups ist gewährleistet, dass alle drei Parteien am gemeinsamen Erfolg partizipieren. Die Externalisierung des Innovationsprozesses hilft dem Unternehmen – anders als bei firmeneigenen Inkubatoren – der Versuchung zu widerstehen, zu viele interne Hürden, Restriktionen und Genehmigungsprozesse aufzubauen, die am Ende viele gute Ideen häufig im Keim ersticken.

Venturate: Welche Corporates in Punkto Branchen bzw. Strukturen können Euch ganz besonders brauchen?

Sebastian Reschke: Am liebsten sind uns diejenigen, die erkannt haben, dass (potenziell disruptive) Innovation aus dem eigenen Unternehmen heraus sehr schwierig – wenn nicht unmöglich – ist. Manager müssen per definitionem andere Aufgaben wahrnehmen und sind daher nicht incentivisiert, größere Risiken einzugehen. Die können beim Global Innovation Campus einchecken und “the best of both worlds” erleben. Ansonsten sind wir “missionarisch” tätig und sprechen mit all jenen, die entweder noch nicht erkannt haben, dass sie z.B. in Punkto digitale Innovation vielleicht externe Hilfe brauchen oder solchen, die schon einige Versuche unternommen haben, innovativer zu werden, aber noch nicht den richtigen Weg gefunden haben.

Venturate: Sonst noch etwas, was Du loswerden möchtest, was wir nicht gefragt haben?

Sebastian Reschke: Junge Gründer mit spannenden Ideen: meldet euch bei uns! CEOs von Konzernen, die neuen Anschub für ihre Innovationsbemühungen brauchen und etwas bewegen wollen: ebenfalls! Wir bauen daraus industrie-spezifische Innovations Campusse und Partnerschaften, die allen Beteiligten Freude bereiten sollen.

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