Dienstagabends zur TV-Primetime geht es los: Aufgeregte Gründer werden in „Die Höhle der Löwen“ einer Fernsehjury aus deutschen Investoren zum ‚Fraß‘ vorgeworfen. Vural Öger, Jochen Schweizer und Co. beurteilen und bewerten die Geschäftsideen der Gründer und steigen bei besonders guten Kandidaten als Investor mit ein. Der zur Sendung gehörende Twitter-Hashtag #DHDL war neulich sogar Nummer 1 der Trending Topics in Deutschland. Die Einschaltquoten haben im September mit 14 Prozent in der klassischen Zielgruppe und insgesamt 2,41 Millionen Zuschauern Rekordwerte erreicht.
felix_original_DSC_3141 KopieWer beim Zusehen selbst Lust bekommen hat, eine Idee zu Realität werden zu lassen, dem kann geholfen werden. Mit dem Buch  „Erfolgreich Unternehmen gründen“ richtet sich Autor Felix Thönnessen an potenzielle zukünftige Entrepreneure in Deutschland. Wenn Thönnessen nicht gerade hinter den Kulissen der Fernsehshow die Kandidaten auf Ihren Pitch vor den ‚Löwen‘ vorbereitet, dann doziert er an verschiedenen Universitäten oder berät Gründerinnen und Gründer mit ihren Start-ups.

Lektüre mit Showcharakter

In manchen Punkten ähnelt das Buch der Show durchaus: Es ist äußerst unterhaltsam geschrieben und versucht ein recht komplexes Thema auf möglichst einfache Art und Weise der breiten Masse zugänglich zu machen. Erklärtes Ziel des Buchs ist es, beim Leser ein Feuer zu entfachen und ihm die Angst vor der Selbstständigkeit und den damit verbundenen Risiken zu nehmen. Last but not least soll der Leser natürlich auch Spaß an der Lektüre haben. Ein Anspruch, dem das Buch durchaus gerecht wird.

In sieben Kapiteln lässt der Experte für Existenzgründung den Leser an seinen persönlichen Erfolgreich Unternehmen gründen, Felix ThönnessenErfahrungen teilhaben und bietet viele hilfreiche und praktische Ratschläge. Dabei achtet Thönnessen darauf, den Leser direkt anzusprechen und miteinzubeziehen, beispielsweise in Form von Selbstexperimenten, Brainstormings oder To-Do-Listen. Immer wieder lockert der Autor den Stoff durch vielseitige Beispiele auf, so vergleicht er das Leben als Gründer mit einem Toast, welcher auf einer Seite angebrannt ist: Bestreich man die andere Seite allerdings dick mit Nutella, so schmecke der Toast trotz seiner dunklen Seite wunderbar süß. So habe auch das Gründer-Dasein seine Schattenseiten, jedoch würden diese langfristig von den positiven Seiten überstrahlt.

Leitfaden zum Gründer-Dasein

Zu Beginn bringt der Autor dem Leser die Chancen und Herausforderungen – aber auch die Risiken – der Existenzgründung näher: Der Weg hin zur Selbstständigkeit sei der Weg zum Glück. Jedoch sei dieser vollgepackt mit Rückschlägen und Hindernissen, welche man als angehender Gründer wegstecken müsse. Weiter geht es um persönliche Herausforderungen und benötigte Charakteristika, wie beispielsweise eine große Portion Eigenmotivation. Unter den Punkten Selbstmarketing und Selbstdarstellung fasst der Autor konkrete Tips und Ratschläge zur richtigen Kommunikation zusammen. Außerdem wird der Leser immer wieder aufgefordert, sich seine Gedanken, seine Ziele und Ängste, sowie seine Fragen direkt aufzuschreiben – wenn nötig, auch direkt in das Buch hinein. Es werden die typischen Fragen und Themen behandelt, welche im Vorfeld einer Gründung aufkommen:

  • Gründe ich lieber im Team oder alleine?
  • Welche verschiedenen Gründungsszenarien gibt es?
  • Was muss bei der Erstellung eines Business Plans beachtet werden? Welche Punkte dürfen nicht fehlen?

Das folgende Kapitel widmet sich dem Thema Geschäftsidee. Hierzu gehört zu allererst natürlich die Ideenfindung, für welche der Autor verschiedene Ratschläge bereit hält: Meist helfe es, so Thönnessen, bestimmte Probleme zu identifizieren und für sie eine Lösung zu entwickeln. Besonders wichtig für die sogenannten ‚Gogs‘ (eigene Wortschöpfung des Autors = Gründerinnen oder Gründer) sei es dafür, auch mal mit Konventionen zu brechen – Stichwort ‚out of the box‘-Denken.

Es folgen die nötigen Voraussetzungen für eine Gründung: Rechtsformen, Versicherungen, Ämter und Steuern. Zusätzlich führt der Autor konkrete Tipps zur Aufgabenplanung und Büroorganisation auf. Alles Dinge, mit denen sich ‚Gogs‘ früher oder später auseinandersetzen müssen. Der aufgeweckte Schreibstil sorgt für anhaltenden Lesespaß – auch wenn hier es ab und zu ein wenig an Struktur fehlt. Kurz gesagt bekommt der Leser in diesem Kapitel einige Werkzeuge an die Hand, mit Hilfe derer sich die Prozesse und Aufgaben im Vorfeld einer Gründung vereinfachen und strukturieren lassen.

Fremde zu Freunden machen

Nach diesen Grundvoraussetzungen für Gründer folgt der zweite Teil des Buchs und man hat das Gefühl, der Autor ist nun endlich bei seinen Herzensthemen angelangt: Marketing und Kommunikation. Von der Marktanalyse über die Marketing-Planung bis hin zum Vertrieb – der Leser bekommt nun eine kompakte und interessante Marketing-Einführung. Dabei werden auch allerlei Fachausdrücke des Fachjargon wie die SWOT-Analyse oder Porters Five-Forces vorgestellt und so erklärt, dass es auch ein Laie versteht. Denn auch diesen Anspruch hat der Autor: „Ich will ein allgemeingültiges Buch schreiben, das auch Nicht-BWLer verstehen.“ Daher passt auch die immer wiederkehrende Anforderung an die Leser, sich Gedanken zur Anwendbarkeit zu machen und den Bogen zum eigenen Unternehmen zu schlagen, sehr gut ins Konzept:

  • In welchem Markt bewege ich mich und wer sind meine Wettbewerber?
  • Wie positioniere ich mein Produkt am Markt?
  • Welche Kommunikationskanäle muss ich bedienen und was macht sie aus?
  • Welche Möglichkeiten gibt es im Vertrieb?

Auch ein Unterkapitel zum Online Marketing bietet das Buch, welches unter anderem einen kurzen Leitfaden zur Erstellung einer Website umfasst. Zwar ist dieser – wie viele andere Bereiche im Buch – nicht besonders tiefgehend, jedoch hilft er ‚Gogs‘ das Thema strukturierter anzugehen. Längere Textblöcke werden außerdem von sogenannten Gründertalks aufgelockert, in welchen praxisbezogene Fragen vom ’netten Autor‘ beantwortet werden.

Buch erfolgreich Unternehmen gründen, Felix Thönnessen, Gründertalk

Dass Thönnessen sein Handwerk versteht, wird beispielhaft auch am Ende Buches klar:  Als Add-on kann der Leser sich per QR-Code ein Zusatzkapitel abrufen. Nicht, dass darin noch weitere bahnbrechende Informationen wären – es geht in diesem Kapitel eher um eine weitere Schippe Motivation. ‚Nice to have‘ ist es allemal, da man sich plötzlich als ‚Versuchskaninchen‘ in einem Marketing-Experiment des Autors wiederfindet. Gespannt darauf, was sich hinter dem Code versteckt, gibt der Leser natürlich gerne die eigene Emailadresse an, an welche dann das Zusatzkapitel als PDF geschickt wird. Schon hat Thönnessen den direkten Kontakt zu einem weiteren potenziellen Kunden – einfach clever.

Schließlich widmet sich der Autor dem für Start-ups und Gründer sehr wichtigen Thema Finanzierung. Auch hier gelingt es ihm das Thema kompakt und verständlich zu vermitteln – gerade für Leser, die sich auf diesem Terrain nicht so sicher fühlen. Eigenkapital, Umsatzplanung und Kapitalbedarf sind nach der Lektüre keine Fremdwörter mehr. Ebenso werden die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten erläutert, um ‚Gogs‘ die verschiedenen Optionen für die eigene Finanzierung aufzuzeigen. Wie im ganzen Buch dienen auch in diesem Teil diverse Specials (zum Beispiel ‚Investoren überzeugen‘ oder ‚Crowdfunding und Crowdinvesting‘) dazu, besonders interessante oder wichtige Themen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und lange Texte aufzubrechen.

felix_original_DSC_3371 KopieZu guter Letzt besinnt sich der Autor darauf, seinen Lesern den nötigen Mut zuzusprechen und sie zum Schritt in die Selbstständigkeit zu motivieren. Ein solcher Schritt möge zwar gut überlegt sein, jedoch müsse man als Gründer auch manchmal auf sein Bauchgefühl hören. Dazu gehöre überlegtes Handeln, das Abschätzen und Skizzieren von Konsequenzen und vor allem das Lernen aus bereits gemachten Fehlern: Denn nicht nur Talent, sondern auch Fleiß machen einen guten Gründer aus. Diese Überzeugung vermittelt der Autor in diesem Buch sehr glaubwürdig. Dabei gelingt es ihm auf unterhaltsame Art und Weise, insbesondere potenzielle Gründer aus den Reihen der Nicht-BWLer oder Einsteiger für das Thema Unternehmensgründung zu begeistern.

Das Venturate-Fazit

Wer dem Thema BWL oder Unternehmensgründung nicht jungfräulich gegenübersteht, dem mag es in „Erfolgreich Unternehmen gründen“ an Detailtiefe oder neuen Informationen fehlen. Jedoch bietet die Lektüre auch für Fortgeschrittene eine nette Alternative zu gängigen Gründer-Büchern: Zwar werden die einzelnen Themen nicht besonders tiefgehend behandelt, jedoch bietet das Buch einen breiten und strukturierten Leitfaden zum Thema Unternehmensgründung. Hinzu kommt, dass Thönnessen seine Story lebt: Dies hilft ihm dabei, fast schon mitreißend darüber zu schreiben und das Thema Gründung mit vielen interessanten Beispielen und Denkanstößen zu veranschaulichen. Insbesondere im letzten Teil des Buches fallen diese sehr persönliche Ansprache an den Leser und der motivierende Schreibstil des Autors sehr ins Gewicht – er schafft es, seine Ratschläge und Zusprüche mit Hilfe eigener Erfahrungen authentisch und emotional zu kommunizieren.

Was nach der Lektüre dieses Buches in Erinnerung bleibt? Zum Gründen gehört neben Talent und Fleiß noch eine weitere Eigenschaft: Die Leidenschaft für die eigene Idee und deren Umsetzung. Um es mit den Worten des Autors zu halten: „Das ist wie mit dem Kinderkriegen, ein bisschen schwanger geht nicht“ – genauso wenig geht nur ein bisschen gründen.

Bewertung: 4 von 5 Sterne

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One thought on “Gründungsberatung à la Höhle der Löwen

  1. Lutz

    Gründen ist nicht jedermanns Sache. Viele wollen es nur wenige schaffen es wirklich. Es gehört viel Mut und Risikobereitschaft dazu. Wer das nicht hat, sollte lieber in ein angestellten Verhältnis.

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