IDnow ist ein Fintech Start-up, das der Bankenbranche auf die Sprünge hilft. Das Unternehmen bietet zwei Produkte an: Über ein Videoident-Verfahren kann ein Kunde sich über das Internet identifizieren. Darauf aufbauend hilft das sogenannte E-Signing beim Abschließen einen rechtskonformen Vertrags im Internet, wie zum Beispiel der Unterzeichnung eines Kredits. Im Gespräch mit Venturate erklärt IDnow Geschäftsführer Michael Sittek (rechts im Bild), was es mit dem E-Signing auf sich hat und wie groß der Markt ist.

Venturate: Was macht IDnow genau?

Michael Sittek: IDnow ist der erste Anbieter in Europa, der die Möglichkeit schafft, im Rahmen einer Videoidentification auch direkt einen Vertrag abzuschließen. Wenn Kunden bei einer Bank ein Konto eröffnen wollen, müssen sie sich für gewöhnlich bei einem Geldhaus direkt identifizieren. Seit 1,5 Jahren gibt es über IDnow die Möglichkeit einer Videoidentifkation über den PC oder das Handy. Hier wird ein Prozess durchlaufen, der von der Bafin (Anmerk. d. Redaktion: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) vorgegeben ist.

Venturate: Aber bei einer Kontoeröffnung muss immer noch ein Antrag ausgedruckt werden und verschickt werden, richtig?

Michael Sittek: Ja, genau. Dabei gingen mehr als 50 bis 60 Prozent der Kunden verloren – von der online ausgefüllten Antragsstrecke, bis zu dem Punkt, an dem sich der Vertrag im Briefkasten der Bank befindet. Das heißt, dass nur 40 Prozent aller Kunden, die mit der festen Absicht angetreten sind, Kunden zu werden, es auch tatsächlich geworden sind. Mögliche Gründe gibt es zuhauf: Es kann sein, dass der Kunde plötzlich keine Lust mehr hatte, die Tinte im Drucker eingetrocknet war oder kein Papier zum Drucken mehr vorhanden war, oder er den Antrag einfach vergessen hat. Es sind zuviele Kunden verloren gegangen.

Venturate: Kann man dieses Dilemma beheben?

Michael Sittek: Was IDnow jetzt gemacht hat: Wir haben eine Möglichkeit geschaffen, dass die Antragsstrecke komplett digitalisiert und ein Vertrag rechtskonform abgeschlossen werden kann. Und zwar ohne zusätzliche Hardware (Smartcard oder Cardreader) oder zusätzliches Ausdrucken – innerhalb von weniger als fünf Minuten. Mit diesem Produkt ist IDnow ein first mover in Europa.

Venturate: Das heißt IDnow sorgt für eine virtuelle Unterschrift? Wie funktioniert das?

Idnow
Wer sich identifizieren lassen will, um beispielsweise ein Bankkonto zu eröffnen, kann das bei IDnow bequem über Smartphone oder Desktop PC machen.

Michael Sittek: Wir haben eine rechtliche Möglichkeit herausgearbeitet, die wir uns aktuell zertifizieren ließen. Es geht darum, viele Beweismomente zu sammeln: Im Rahmen eines Videochats kann IDnow den Kunden identifizieren und erhält für diesen Vorgang über ein externes unabhängiges Trustcenter ein qualifiziertes elektronisches Zertifikat. Dieses Zertifikat wird dann auf ein Vertragsdokument gelegt – ein PDF – und weist nach, dass das PDF nicht verändert wurde. Und weil der Vertrag nicht verändert wurde, kann IDnow nachweisen, dass der Kunde diesen Vertrag unterschrieben hat. Zudem sagt der Kunde im Rahmen des Videochats, dass er den Vertrag unterschreiben möchte – eine verbale Absichtsbestätigung. Zum Abschluss bekommt der Kunde eine Bestätigung und eine TAN Nummer auf sein Handy, die er nur noch eingeben muss. Fertig.

Venturate: Wird das System noch erprobt oder wird es schon angewendet?

Idnow
Für eine Identifkation braucht es einen Personalausweis. Im Gespräch mit dem IDnow Mitarbeiter wird dieser abfotografiert.

Michael Sittek: Das Schöne ist: Das Produkt ist live. Wir sind live gegangen beim Finanzdienstleister vaamo.de, das Anlageprodukte anbietet. Bei Vamoo muss sich ein Kunde identifizieren, was man nach dem Geldwäsche-Gesetz auch tun muss, weil eine Bank im Hintergrund steht. Für den letzten Schritt, dem E-Signing, befinden wir uns gerade noch im Audit. Nach dem erfolgreichen Abschluss kann IDnow zum Beispiel Kreditverträge oder Vollmachten abwickeln, was bis dato gar nicht ging. Dazu musste man immer eine handschriftliche Unterschrift leisten und eine sogenannte Schriftformerfordernis erfüllen.

Venturate: Die Banken und Versicherungen müssen Euch Eurer Produkt förmlich aus den Händen reißen?

Michael Sittek: Es ist tatsächlich so. Bei einem der letzten Termine sagte mir ein Ansprechpartner: „Herr Sittek, wissen Sie, dass sie mit ihrem Produkt das Problem der Kreditwirtschaft gelöst haben?“  Es ist natürlich schön, wenn man auf diese Art den Vertrieb betreiben kann. Besonders die Kreditbanken sind alle sehr aufgeschlossen, denn das Problem der mäßigen Konvertierungsrate beschäftigt viele Marktteilnehmer. 

Venturate: Welche technischen Voraussetzungen muss ein Otto-Normal Verbraucher mitbringen, um einen Vertrag abschließen zu können?

Michael Sittek: Ein Vertrag kann sowohl über ein Smartphone als auch über PC mit einer Webcam rechtskräftig abgeschlossen werden. Fast 80 Prozent unserer Kunden nutzen das mobile Endgerät. Meine Mutter weiß nicht, dass sie ein Notebook mit Kamera hat. Sie weiß aber, dass sie mit ihrem Smartphone schon fotografiert hat.

Venturate: Seit wann gibt es IDnow? Wie kamt ihr auf die Idee?

Michael Sittek: IDnow wurde gegründet von vier Personen, namentlich Felix Haas, Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold und Armin Bauer (links im Titelbild), die ehemaligen Gründer von amiando. Die Idee ist eigentlich simpel: Es müsse doch eine einfache Möglichkeit am Wochenende geben, einen Vertrag abzuschließen, um ein Post-Ident Verfahren am Montag zu umgehen – 2012 war das noch nicht möglich. Anfang 2013 erfolgte die Patentanmeldung, die auch schon Details zum Video-Ident Verfahren beinhaltete. Der Vertrieb: Der erste Kunde war der Finanzdienstleister Swava und wenig später die Commerzbank, die erkannt hat, was für ein Potenzial in diesem Bereich steckt. 

Venturate: Momentaner Status-Akquise? Was sind eure Pläne? Wollt ihr eurer Produkt in Europa verteilen oder erstmal in Deutschland anfangen?
Michael Sittek: Wir haben knapp über 60 Kunden derzeit und durch die aktuellen Vertragsabschlüsse und Kooperationen werden in nächsten Monaten einige hundert Kunden dazukommen. Sie werden vor allem die Videoidentifikation als Basisprodukt nutzen. Aber dann haben wir durch die gleiche Schnittstelle die Möglichkeit das E-Signing Produkt auszurollen und dort auch zu verbreiten. Ergänzend werden wir auch den internationalen Markt erschließen. Der Start wird langsam, aber stetig erfolgen. Denn: Die Geldwäsche-konforme Identifkation von Kunden ist auf europäischer Ebene derzeit nur in Deutschland und Liechtenstein erlaubt. Die Schweiz wird Anfang nächsten Jahres hinzukommen. Die weiteren europäischen Länder sollen sukzessive nachkommen.

Venturate: Das Marktpotenzial ist wahrscheinlich enorm?

Michael Sittek: Der Markt ist riesig groß. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 500 Millionen Verträge unterschrieben – davon etwa zwei Prozent online. Bis 2020 rechnet man mit einer Verdreifachung der Verträge, die online abgeschlossen werden. So sollen nicht nur Kreditverträge oder Verträge von Banken abgewickelt werden, denken Sie weiter: Allein bei der Vermietung einer Wohnung wird nach der Wohnungsbesichtigung ein Vertrag per Post geschickt, dann unterschrieben, dann wieder zurückgeschickt, und zwei Wochen später der Schlüssel überreicht. Mit unserem System ist das in innerhalb von fünf Minuten erledigt. Derselbe Fall trifft zu, wenn man eine Vollmacht für einen Anwalt ausstellen will: Dafür muss man zu einem Notar. Anfahrtszeit, Abfahrtszeit, Unterschreiben – das dauert locker 45 Minuten, wovon man 40 Minuten einsparen kann. Oder die verschiedenen Behördengänge, um zum Beispiel Wohngeld zu beantragen usw. Bei einem Flächenland kann unsere Lösung sinnvoll sein, da Bürger teilweise 30 bis 40 Kilometer zur nächsten Kommunue fahren müssen, um ihre Daten einreichen zu können. Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit Städten und Gemeinden, um unser System zu testen.

Venturate: Gibt es Konkurrenz in eurem Feld?

Michael Sittek: Wir sind tatsächlich die Ersten. Es gibt natürlich andere Anbieter aus den USA, die versuchen auf den europäischen Markt zu kommen, wie zum Beispiel Echo Sign von Adobe. Allerdings besitzen sie keine Signatur, die in Europa rechtskonform wäre. Der Markt ist sehr jungfräulich. Aber eines ist klar: Es wird immer Follower geben, wenn man sieht, dass die Idee gut ist.

Venturate: Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen unter: www.idnow.de

Bilder: IDnow

 

 

 

 

 

 

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One thought on “Entspannt sonntags ein Bankkonto eröffnen

  1. Schneider

    Wie die sind die ersten?
    Das ist ja absolut falsch!
    [verify-U] hat bereits viele Verträge rechtssicher mit qualifizierter digitaler Signatur versehen, und das komplett Online.
    Eröffnen Sie einen Kreditantrag bei Xpresscredit.de und Sie werden sehen wie schnell ein Kreditvertrag rechtssicher unterzeichnet ist.

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