1. Was macht Ihr Incubation Centre und was grenzt Sie von den derzeit sehr beliebten Acceleratoren ab?

companie_getstarted_grafikenDas ESA BIC Bavaria ist eines von neun Business Incubation Centres der European Space Agency (ESA). An unseren bayerischen Standorten in Oberpfaffenhofen, Nürnberg und im Berchtesgadener Land haben wir die Kapazität jährlich 15 Start-ups beim Markteintritt zu unterstützen. Die Unternehmen werden für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren gefördert. Dies liegt an der meist stark technologischen Ausrichtung. Die Firmen benötigen einfach etwas Zeit für die technische Entwicklung, bei der sie von unseren Technologiepartnern wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Fraunhofer Gesellschaft und der ESA unterstützt werden. Im Gegensatz zu vielen Inkubatoren und auch Acceleratoren werden bei uns jedoch keine Unternehmensanteile fällig – sowohl die finanzielle, also auch die technische Förderung erhalten die Startups als Incentive. Eine weitere Besonderheit bei den ESA BICs ist das europaweite Netzwerk mit neun Standorten in sieben Ländern – koordiniert vom Technology Transfer Programme der ESA. Mit 42 Unternehmen seit August 2009 hat sich das ESA BIC Bavaria, das von der Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen betrieben wird, zu einem der erfolgreichsten Gründerprogramme für kommerzielle Raumfahrtanwendungen in Europa entwickelt.

2. Worauf legen Sie bei den Ventures in Ihrem Programm den inhaltlichen Fokus?

Das wichtigste Kriterium für eine Förderung im ESA BIC ist der Raumfahrtbezug und die damit verbundene Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Hier geht es aber nicht um Raketentechnik! Sondern vielmehr darum, Technologien und Anwendungen, die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt wurden, wieder zurück auf die Erde zu bringen. Das heißt, zum Beispiel Erdbeobachtung, Robotik oder Geopositionierung in Produkte aus Bereichen wie Automotive, Sport oder auch Location Based Services zu integrieren – um nur wenige Beispiele zu nennen. Das führt zu einer bunten Mischung an Unternehmen.
Bei der Firmenauswahl wird viel Wert auf technologisch innovative Lösungen gelegt. Außerdem muss der Business Plan überzeugen, und die Firma darf nicht älter als drei Jahre sein.

3. Von welchen Start-ups erzählen Sie besonders gerne?

Hier sind wir natürlich unparteiisch! Aber unsere Alumni Tiramizoo, Twigspot, oder Ordofood und die Incubatees Mobalo oder Simplias sind gute Beispiele für das breite Anwendungspotential von Location Based Services (LBS). Der Raumfahrbezug bei LBS besteht durch die Lokalisierungs- und Positionssignale von Navigationssatelliten wie GPS oder dem europäischen System Galileo. Auch die Wachstumsmärkte Satellitennavigation und -kommunikation, Wearable Technologies, Erdbeobachtung, Robotik und Mechatronik zählen zu den Raumfahrttechnologien mit viel Potenzial für Unternehmensgründungen.

4. Was bieten Sie Start-ups, die von Ihnen zum Incubation Centre angenommen werden?

Jedes Unternehmen, das für bis zu zwei Jahre in das Gründerzentrum aufgenommen wird, erhält 50.000 Euro finanzielle Förderung beispielsweise für technische Entwicklung, Marketing oder Schutzrechte sowie bis zu 50.000 Euro Darlehen. Zudem werden Büroräume sowie die komplette Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Einen großen Mehrwert liefert außerdem der technische Support unserer renommierten Partner. Darüber hinaus profitieren die Unternehmen von den individuellen Coaching-Leistungen, weiteren projektbezogenen Kooperationen mit Alumni, Start-ups sowie den Technologiepartnern und den Netzwerkaktivitäten im Gründerzentrum.

5. Was haben Sie aus Erfahrung als die größten Erfolgstreiber für Ihre Start-ups identifiziert?

Ganz generell hängt der Erfolg der Start-ups natürlich von der Teamzusammenstellung, ihrem Ehrgeiz und ihrer Ausdauer ab. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Unternehmen, die sich vielseitig vernetzten und den Blick über den Tellerrand gewagt haben, schneller zum Erfolg kamen. Der Netzwerkgedanke ist ein zentrales Element unseres Programms – und natürlich laden wir die Start-ups ein uns hier immer mit einzubeziehen, auch wenn potenzielle Hilfe nicht offensichtlich ist. Denn das ist gerade der Vorteil von unserem Netzwerk, dass immer die Chance besteht über die Kontakte anderer zum Ziel zu gelangen.

6. Wie und wann bewirbt man sich bei Ihnen?

Im ersten Schritt sollten Interessierte Kontakt mit uns aufnehmen, gerade wenn sie unsicher sind, wie und ob ein Raumfahrtbezug hergestellt werden kann. Wir schauen dann gemeinsam wie viel „Rocket Science“ in der
Idee steckt!
Für das ESA BIC Bavaria gibt es einen Open Call was bedeutet, dass man sich jederzeit bewerben kann – jährlich gibt es vier Auswahlrunden. Weitere Infos über Deadlines, Partner, Bewerbungstemplates, etc. gibt es auf www.esa-bic.de.

7. Wie gehen Sie im Prozess der Selektion vor?

Wer durch den ersten formalen Check der Bewerbungsunterlagen durch die ESA gekommen ist, wird zu einer 15-minütigen Präsentation des Geschäftsmodells und der Technologie vor uns und den Partnern eingeladen. Hier werden verschiedene Auswahlkriterien wie technischer Hintergrund, Team und Business Case bewertet. Meist vergehen zwischen Bewerbungsdeadline und Zu- oder Absage ca. zwei Monate.

8. Sie sind mit Ihrem Programm europaweit aufgestellt. Welche Rolle spielt die Internationalität für Sie als Inkubator bzw. für die betreuten Start-ups?

Da die ESA BICs immer von regionalen sogenannten Managing Companies (in unserem Fall der Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen, AZO) in Kooperation mit regionalen Partnern sowie der ESA geleitet werden, gibt es hier eine gute Balance zwischen Internationalität und regionalem Bezug. Viele der Unternehmen im Programm haben gleich zu Beginn internationale Märkte im Visier und hier kann ein zumindest europaweites Förderprogramm helfen.
Neben dem Gründerzentrum hat das AZO durch seine Innovationswettbewerbe „European Satellite Navigation Competition“ und „Copernicus Masters“ und weitere Projekte zudem ein enormes internationales Netzwerk von dem die Firmen ebenfalls profitieren.

9. Wo sehen die technologischen Mega-Trends in Ihrem Segment und wie werden diese den Markt auf Sicht der nächsten 5 Jahre verändern?

Im ESA BIC jagen wir nicht einem Trend hinterher, sondern es geht uns darum, Firmen mit Potenzial zu unterstützen, sich nachhaltig auf dem Markt zu etablieren – das können Trendthemen sein, aber genauso gut spezialisierte Nischenprodukte. Raumfahrttechnologien bieten enormes Innovationspotential gerade für Start-ups. Der Markt ist äußerst vielfältig und verzeichnet ein enormes Wachstum. Oft stecken in Produkten Raumfahrttechnologien drin, bei denen man es auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Unsere Start-ups sind in sehr vielen Themenbereichen unterwegs, die in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung zunehmen werden wie Robotik, Wearable Technologies, Big Data, Cloud & Crowd, aber auch erneuerbare Energien – um nur wenige Bespiele zu nennen.

10. Haben Sie noch einen heißen Tipp für die Bewerbung?

Wir begleiten die Teams gerne beim Bewerbungsprozess – einfach direkt bei uns melden und: nicht von den Formularen und Templates erschrecken lassen! Viele Punkte sind sehr schnell abgehakt. Wenn man einen Business Plan hat, ist auch das Bewerbungstemplate kein Hexenwerk – und andersrum, wenn man noch keinen Business Plan hat, so verfügt man nach der Bewerbung über ein gute Grundlage…

Kontakt:ESA BIC OPF_Gebäude
Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen
ESA BIC Bavaria
Friedrichshafener Str. 1
82205 Gilching
Email: esa-bic@anwendungszentrum.de

ESA BIC Projektmanager:

Location Oberpfaffenhofen:

Dr Christin Bindl (+49 (0)8105 77277-15)
Elke Daniels (+49 (0)8105 77277-20)

Location Nürnberg und Berchtesgadener Land:
Natasa Deutinger (+49 (0)8654 7793911)

Die Fragen beantwortete Elke Daniels, Projektmanagement ESA Business Incubation Centre

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