Von Zeit zu Zeit stellen wir in unserem Magazin Start-ups vor, die über unsere Matchmaking Plattform auf der Suche nach passenden Investoren sind. Im Interview mit Venturate erzählt spoteffects-Gründer Jasper Sasse, wie er von der Idee bis hin zur Gründung seines Unternehmens kam und welche Erfahrungen er als Einzelgründer machte.

Venturate: Was genau macht Ihr bei spoteffects?

Jasper Sasse: spoteffects ist eine Software-as-a-Service-Lösung für Unternehmen, die TV Werbung machen. Ein klassisches Beispiel für einen unserer Kunden wäre ein Online-Shop, der Fernsehwerbung für sein Produkt macht. Den Erfolg dieser Werbung möchte er natürlich messen und nachvollziehen, nicht nur in Bezug auf die Anzahl Zuschauer in irgendeiner Zielgruppe, sondern in Bezug auf die Anzahl Visits und Orders, die durch die Werbung generiert wurde, Spot für Spot. Das ist  in der Praxis gar nicht so einfach und genau da kommen wir ins Spiel:
spoteffects LogoWir bei spoteffects bringen die TV-Sendedaten mit den entsprechenden Webtracking-Daten zusammen. Damit berechnen wir dann die Anzahl derjenigen Visits, Orders oder Conversions, die speziell auf einen ausgestrahlten Werbespot zurückzuführen sind. Mithilfe dieser Daten können Unternehmen die Online-Wirksamkeit ihrer TV-Kampagnen kontrollieren und vor allem optimieren.

Venturate: Wie kamst Du von der Idee zur Gründung?

Jasper Sasse: Die Idee hat sich wirklich aus der Praxis heraus entwickelt: In meinem letzten Job bei einem Online-Shop (Shirtinator.de) war ich zuständig für das Business Development und Analytics. Beides Bereiche, in denen ich mit der Auswertung unserer TV-Werbung zu tun hatte. Wir wollten natürlich möglichst genau wissen, wie viele Visits oder Orders unsere Spots bringen. Leider gab es für diese Messung und Analyse keine Software. Daher habe ich angefangen, an einer Eigenkreation zu basteln. Mein selbstgebautes Tool wurde mit der Zeit immer besser und hat letztlich auch das Interesse von Freunden geweckt, die ebenfalls Online-Shops betreiben. Mit einer Dienstleistung an Hand, wofür Unternehmen Geld bezahlen, war der Sprung zur Gründung nicht weit.

Venturate: Wer sind die Hauptwettbewerber von spoteffects am Markt und was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Jasper Sasse: Direkte Wettbewerber haben wir in Deutschland kaum. Der bisher einzige signifikante direkte Wettbewerber RapidApe wurde kürzlich von ProSiebenSat.1 aufgekauft. Und seither sind sie für uns am Markt kaum noch spürbar. Unser Wettbewerb besteht vor allem aus Inhouse-Tools von anderen Unternehmen. Genau genommen sind diese Unternehmen aber meist die dankbarsten Kunden, denn sie haben bereits gemerkt, wie mühsam und arbeitsintensiv die Analyse ist. Außerdem könnte man noch Agenturen nennen, die ein solches Tool gebaut haben und ihren Kunden anbieten. Jedoch sind diese selten so weit entwickelt wie der Service eines Spezialisten. Dann gibt es noch gewisse TV-Analyse Add-ons von großen Tracking oder Bid Management Tools. Aus dem Feedback meiner Kunden schließe ich jedoch, dass wir im Vergleich besser abschneiden. Darüber sind wir natürlich sehr froh.

Venturate: Wie viele Gründer seid Ihr und welche Skills bringen sie mit?

Jasper Sasse (spoteffects)Jasper Sasse: Ich bin alleiniger Gründer und Geschäftsführer. Gegründet habe ich spoteffects zusammen mit zwei Business Angels: Sebastian Amtage und Klaus Blaschek sind die Gründer und Geschäftsführer der Firma b.telligent, einer Business Intelligence Beratung. Als ich gestartet bin, brauchte ich im Endeffekt zwei Dinge: Investoren und erfahrene Programmierer in diesem Bereich. Als ich Sebastian und Klaus kennenlernte und ihnen meine Idee pitchte, zeigten sie Interesse zu investieren. Das investierte Geld haben wir dann dazu verwendet, bei b.telligent Programmierleistung einzukaufen und dann den ersten Entwurf unserer Software hinzustellen. Das hat super funktioniert!

Meine Fähigkeiten liegen Business Bereich. Nach meinem BWL-Studium habe ich als Strategieberater und bei verschiedenen Unternehmen in der Online Branche gearbeitet. Bis zur Gründung von spoteffects hatte ich vom Programmieren oder ähnlichen technischen Skills kaum Ahnung. b.telligent mit Sebastian und Klaus haben genau dieses Wissen am Anfang eingebracht. Mittlerweile sind wir seit drei Jahren am Markt und ich habe mir eine ganze Menge dieser nötigen Kenntnisse selbst angeeignet. Trotzdem werde ich im Laufe des nächsten Jahres einen CTO an Board holen, der mich unterstützen soll, sodass ich spoteffects nicht länger alleine führen muss.

Venturate: Worin lagen die bislang größten Herausforderungen für Dich?

Jasper Sasse: Die erste Herausforderung lag sicherlich darin, das komplette Management für ein Unternehmen zu machen, obwohl ich von der eigentlichen Technik nur sehr wenig Ahnung hatte. Hinzu kam dann, eine realistische Umsatzentwicklung abzuschätzen, um interne oder externe Finanzierungsrunden abzuschließen, und die hohen Kosten mit den anfangs noch niedrigen Umsätzen in Einklang zu bringen.
Eine weitere Herausforderung stellte sich dann, als unser Thema sehr gut am Markt angenommen wurde: Wir mussten plötzlich einen großen Kundenansturm inklusive eines riesigen Datenvolumens sauber verarbeiten. All das gepaart mit einer enormen Arbeitsbelastung als alleiniger operativer Gründer war schon nicht ohne…

Venturate: Hattest Du besonders gute bzw. besonders schlechte Erfahrungen beim Fundraising?

Jasper Sasse: Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir alle Gesprächspartner: Das waren alles sehr fitte, smarte und konzentrierte Leute! Allein die Gespräche mit diesen Investoren hatten einen hohen Wert für mich. Es ist wichtig, sich auch mit Fragen, Feedback und Eindrücken von Außenstehenden auseinanderzusetzen.

spoteffects Business Woman

Leider hatte ich besonders bei Investoren von großen Unternehmen oder Organisationen das Gefühl, nach gewissen Standardkriterien bewertet zu werden. Beispielsweise hat sich wohl mal jemand in den Kopf gesetzt, dass Einzelgründer weniger erfolgsversprechenend sind als Gründungen mit mehreren Personen. Ich persönlich sehe viele Vorteile darin, als Einzelgründer zu arbeiten: Es gibt eine Person, die alles im Blick hat und somit wichtige Verknüpfungen zwischen verschiedenen Themen herstellen kann. Diese Person steht immer zu 100 Prozent in der Verantwortung. Sowohl bei der Verrichtung der Arbeit, als auch bei wichtigen Entscheidungen – das bedeutet in meinen Augen weniger Konfliktpotenzial.

Venturate: Wie sehen die Finanzierungspläne für spoteffects für die Zukunft aus?

Jasper Sasse: Bislang setzt sich der Shareholder Kreis zusammen aus den beiden Geschäftsführern von b.telligent, mir selbst mit Friends & Family im Hintergrund und zwei weiteren Business Angels. Damit sind wir eigentlich durchfinanziert, was uns in die schöne Situation bringt, nicht auf eine Finanzierung angewiesen zu sein.

Trotzdem möchten wir noch 500.000 Euro einsammeln, um unser Wachstum zu beschleunigen. Etwa zwei Drittel des Geldes sollen in weitere Programmierer fließen, um die Software-Entwicklung voranzubringen. Das restliche Drittel möchten wir in Vertrieb und Marketing investieren, beispielsweise für mehr Präsenz auf Messen und Events – deutschlandweit und international. Denn einer unserer Schwerpunkte im Moment ist die Internationalisierung von spoteffects.

Venturate: Was wünschst Du Dir von Venturate?

Jasper Sasse: Primär wünsche ich mir, den ‘perfekten’ Investor zu finden. Idealerweise ist das ein Business Angel mit viel Erfahrung in der TV-Branche, beispielsweise durch die Arbeit in einem großen TV-Konzern oder einer großen TV-Media-Agentur.
Wenn wir so jemanden finden, kann im zweiten Schritt durchaus eine Crowdfunding-Kampagne für uns interessant sein. Je nachdem, wie viel der Business Angel investiert, wäre eine Erweiterung der Runde mit Hilfe der Crowd eine gute Möglichkeit!

Venturate: Vielen Dank für das Gespräch!

 

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