Der ProSiebenSat.1 Accelerator geht inzwischen in die 4. Runde und startet im September. Seit Anfang Mai läuft die Bewerbungsfrist – noch bis zum 14. Juli. Mit Dr. Jens Pippig, Chef des ProSiebenSat.1 Accelerators, sprach René Seifert.

Venturate: Lass uns kurz zurück schauen. Die dritte Batch des Accelerators hatte kürzlich ihren Demo Day. Wie lief’s bzw. was kann man bei so einem Demo Day realistischerweise erreichen?

Dr. Jens Pippig: Bei unserem Demo Day konnten unsere Start-ups zeigen, wie sie sich in den vergangenen drei Monaten entwickelt haben. Es ist immer eine große Chance vor VCs, Business Angels, strategischen Partnern und der Presse zu präsentieren und sich wertvolle Kontakte sowie die Möglichkeit für Folge-Finanzierung zu sichern. Hier werden üblicherweise Gespräche fortgesetzt, die sich über den Zeitraum des Programms bereits anbahnten. Ebenso werden neue wertvolle Kontakte geknüpft. Wir sind insgesamt sehr stolz, dass auch dieser Demo Day wieder sehr erfolgreich gewesen ist und wir vom ProSiebenSat.1 Accelerator sowohl die richtigen Start-ups ausgewählt haben als auch die richtigen Gäste gewinnen konnten.

Venturate: Wie sollte sich aus Eurer Erfahrung ein Gründerteam am besten auf diesen großen Tag vorbereiten?

Pippig: Das Wichtigste ist immer, sich auf das Publikum einzustellen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Man muss sich vor Augen führen, dass unsere Unternehmer Spezialisten auf ihrem Gebiet sind und daher sehr viel Fachwissen mitbringen. Man muss sie daher manchmal daran erinnern, dass im Publikum auch Gäste sind, die in einer bestimmten Thematik weniger zu Hause sind. Die Herausforderung besteht darin, komplexe Inhalte verständlich darzustellen.

Venturate: Nun geht ihr mit Eurem Accelerator-Programm bereits in die 4. Runde. Was für Gold Nuggets unter den Start-ups sucht Ihr?

Pippig: Wir suchen nach einem Paket aus tollen Ideen und einem Gründerteam, das mit Leidenschaft und Energie nach großen Zielen strebt. Dabei sind wir gar nicht so sehr thematisch festgelegt, wie viele oft meinen. Zwar gehören wir zu einem großen europäischen Medienkonzern, aber wir sind keineswegs nur auf Themen beschränkt, die einen direkten Medienbezug haben. B2C oder B2B, E-Commerce oder Technologie – wir schauen uns fast alles an!

Venturate: Gibt es im Vergleich zu den vorherigen Batches neue inhaltliche Nischen, die ihr Euch näher anschaut?

Pippig: Einen speziellen Fokus setzen wir – wie eben schon erwähnt – nicht. Einzig für unserem neuen Standort in Berlin laden wir speziell Start-ups aus dem Online Entertainment Bereich ein sich zu bewerben. Hintergrund: Alle Unternehmen aus den Bereichen Games, Video und Music profitieren stark davon, wenn sie Büroflächen direkt bei den Berliner ProSiebenSat.1 Tochterunternehmen, wie Aeria Games, Ampya, Studio71 oder MyVideo, beziehen.

Venturate: Mal aus einer höheren Warte gefragt – Was möchtet ihr als großer europäischer Medienkonzern strategisch mit Eurem Programm erreichen?

Pippig: Wir haben gelernt, dass wir zusammen mit unseren Startups eine Win-Win-Situation schaffen, da wir gegenseitig voneinander profitieren. Neben der Unterstützung, die wir unseren Teams zukommen lassen, ist es natürlich auch für uns sehr spannend und lehrreich mit innovativen Köpfen zusammenzuarbeiten. Sie bringen unkonventionelles Denken in unser Unternehmen ein und fordern uns auch heraus. Das tut einem Konzern in einer so dynamischen Branche extrem gut. Uns geht es aber auch um den Gründerstandort Deutschland. Wir möchten helfen, dass mehr junge kreative Köpfe den Mut zur Selbstständigkeit entwickeln. Wir sind davon überzeugt, dass die Verbindung aus exzellenten Ideen und unternehmerischem Mut Vorteile für unser gesamtes Land bringen wird. Außerdem ist es natürlich wichtig, dass sich die Unternehmen gut entwickeln, damit sich unser Investment am Ende auszahlt.

P7S1 Accelerator Visual II

Venturate: Es gibt nun eine ganze Reihe von Medien- und Telekommunikationsunternehmen aber auch Stand-alone-Programme, die sich einen Accelerator leisten. Warum sollten sich Gründer gerade bei Euch bewerben?

Pippig: Natürlich gibt es mittlerweile einige Programme, was uns sehr freut, da auch so der Gründerstandort Deutschland weiter gestärkt wird. Allerdings passt nicht jedes Programm zu jedem Start-up. Uns unterscheiden dabei vor allem zwei Aspekte von anderen: Zum einen legen wir einen starken Fokus auf die Gründer als Persönlichkeiten. Wir schaffen mit unseren Teams, Mentoren, Coaches und Alumni eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und unterstützt – das gilt über das eigentliche 3-Monats-Programm hinaus! Darum sieht man bei uns häufig den Hashtag „#p7s1family“. Zum anderen können wir ein extrem gutes Sprungbrett liefern, da ProSiebenSat.1 als eine bekannte Marke über ein riesiges Netzwerk verfügt. So öffnen sich viele Türen, die sonst verschlossen bleiben würden. Das zeigt sich auch an unserer exzellenten Quote an Anschlussfinanzierungen sowie der Steigerung der Unternehmensbewertungen.

Venturate: Mit jetzt noch mehr Erfahrung im Gepäck, was sind die wichtigsten Kriterien für Eure Auswahl?

Pippig: Das Gesamtpaket muss stimmen. Eine gute Idee mit Wachstumspotenzial ist natürlich die Grundvoraussetzung, aber genauso gehört ein kompetentes Gründerteam dazu! Zudem schauen wir, in welchem Stadium sich die Unternehmen befinden. Wir investieren ja in einer frühen Phase, trotzdem sollte zumindest ein Prototyp oder dergleichen bestehen. Besser noch ist ein Geschäft, das bereits Umsätze erzielt oder Nutzer hat – wie sehr viele der Unternehmen, in die wir investiert haben. Der Grund ist ganz einfach: In dieser Phase können wir das Start-up innerhalb unseres Programms richtig nach vorne bringen und echte Entwicklungsschübe erzeugen.

Venturate: Welches Feedback bekommt Ihr von Euren Companies, was für sie den größten Nutzen im Accelerator-Programm geliefert hat?

Pippig: Interessanterweise hören wir oft, dass die Finanzierung mit 25.000 EUR eine untergeordnete Rolle spielt. Dies hätten die meisten unserer Startups auch recht schnell auf anderem Wege besorgen können. Was allerdings kaum ein Start-up schafft, ist so schnell ein derart hochqualitatives Netzwerk aufzubauen wie wir es anbieten können. Viele unserer Unternehmer sind sehr dankbar dafür, dass wir ihnen ermöglichen mit erfolgreichen Gründern, Spezialisten aus den unterschiedlichen Bereichen oder auch mit Geschäftsführern von ProSiebenSat.1-Unternehmen zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Insgesamt bekommen wir das Feedback, dass es uns tatsächlich gelingt die Start-ups innerhalb der drei Monate so weit zu entwickeln, wie es andernfalls nur in sehr viel längerer Zeit möglich gewesen wäre – wenn überhaupt! Und jeder in der Start-up-Szene weiß, wie wertvoll Zeit ist!

Venturate: Hast Du zum Abschluss noch einen heißen Tipp für die Bewerbung?

Pippig: Ich kann alle interessierten Unternehmer nur aufrufen sich zügig zu bewerben. Unsere Bewerbungsphase ist nur noch wenige Tage offen und wir freuen uns, hochklassige Bewerbungen noch zu berücksichtigen. Wir sind sehr gespannt welche Ideen uns dieses mal präsentiert werden! Als Tipp an die Startups für die Bewerbung „keep it brief and concise!“. Wir brauchen noch keine ausgearbeiteten 10- Jahres-Business-Cases, sondern eine kurze und klare Beschreibung des Geschäftsmodells mit besonderem Fokus auf den “Product-Market-Fit”. Hier ist besonders klare Kommunikation gefragt und der Beweis, dass man sich mit der Thematik eingehend beschäftigt hat.

Venturate: Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 14. Juli und hier geht’s zum Formular. Vielen Dank für das Gespräch.


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