Das Unternehmen Mediabiose schickt sich an, den Markt für Lichtinstallationen an Fassaden aufzurollen. Um neue Investoren zu finden und zu begeistern, hat sich Geschäftsführerin Mariana Yordanova auf der Venturate Matchmaking Plattform angemeldet.

Big in Japan

In Tokio sprang der Funke über: Zwischen leuchtenden Hochhäusern und bunten Werbevideos auf riesigen LED-Bildschirmen hatte Mariana Yordanova ihre Idee. Für ihr Architekturstudium machte sie gerade ein Forschungssemester in der japanischen Hauptstadt. So fiel ihr auf, wie intensiv die dortigen Fassaden zur Informationsvermittlung genutzt werden – ein Markt, der in dieser Form in Europa noch nicht genutzt wird. Nur die technische Umsetzung hat ihr nicht gefallen: „Denn die Fenster sind mit LED-Bildschirmen verklebt – ohne Rücksicht auf den Innenraum”, sagt Yordanova. Es müsse doch eine elegantere Lösung möglich sein.

Nach ihrer Rückkehr aus Fernost machte sie sich ans Werk: Sie forschte weiter, beantragte Fördergelder und kaufte sich einen Pizzaofen auf Ebay, um zusammen mit Freunden die Prototypen zusammenlöten. “Nach dem ersten Augustiner Bier hatten wir eine sichere Hand für die Platinen”, grinst Yordanova. Dennoch gab es Zweifler. Ein Entwickler eines deutschen Leuchtenherstellers sagte klipp und klar: “Das wird nie funktionieren.”

Ein Blickfang

Tat es aber doch. Das Ergebnis ist nun eine smarte Jalousie mit LED Elementen, voll lichtdurchlässig, wobei die Sichtbarkeit der Schrift über 200 Meter beträgt. Auto- oder Möbelhäuser zählen zum Beispiel zur Kundengruppe, die diese Innovation gerne verwenden. Der Clou ist die neuartige Technik: Äußerlich dient die Jalousie als Blickfang, da für entsprechende Botschaften genutzt werden kann. Wer von innen durch das Fenster nach draußen schaut, sieht die Umgebung. In Japan wäre das nicht möglich, da die Fenster mit Plakaten oder Leuchtelementen verbaut sind.

Interessant: Der Büroturm, der zentral den Times Square in New York markiert, dient nur noch als Bildschirm oder als Plakatwand. Die eigentlichen Büros dahinter stehen leer – mangels Tageslicht, das keiner missen möchte.

mediabiose
Beim Möbelhaus Kare zeigt die smarte Jalousie den Text „Kraftwerk“ an.

Erweiterungen durch Apps

Die ersten Prototypen der LED-Jalousie waren mit ganz viel handwerklicher Arbeit verbunden. „Eine Mannschaft, die zwei Wochen lang mit Löten für eine Anlage beschäftigt war. Das konnte nicht gut gehen.“  Um ihre Idee zu professionalisieren, gründete Yordanova das Unternehmen Mediabiose in München und fand 2013 einen Seedinvestor, den Hardware Spezialisten Kathrein Austria. „Ein perfekter Match für die Industrialisierung unserer Lösung. Wir haben sie seit dem vergangenen Jahr serienreif auf den Markt gebracht und bereits Projekte in vier europäischen Ländern realisiert.“

Pläne für die Zukunft hat Yordanova genügend. So soll die Technik ihrer smarten Jalousie verfeinert werden: Bislang kann das monochrome Laufband bequem digital gesteuert werden und verfügt dank einer Cloud-Lösung über verschiedene Social Media Anbindungen. Künftig sollen Kunden zusätzliche themenspezifische Apps buchen können, wie zum Beispiel „Weihnachten“ oder „Frühling“, um die Botschaften passend zu illustrieren. Die Marktmöglichkeiten seien enorm: „Allein in Europa gibt es sechs Millionen potenzielle Kunden, die von Mediabiose profitieren können.“ Der Markt für Digitale Außenwerbung soll sich bis 2018 verdoppeln, heißt es im Branchenreport des Beratungsunternehmen invidis consulting.

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Das Autohaus Gebhardt ist mit seiner Leuchtjalousie weithin sichtbar.

Für Einzelhändler sinnvoll

Ein Argument für die Notwendigkeit von Außenwerbung: Gerade der stationäre Handel müsse gegenüber dem Online-Handel jede Möglichkeit nutzen, sich attraktiv nach innen wie nach außen darzustellen. „Ein Ladengeschäft sollte heutzutage den Anspruch haben, einer kleinen Erlebniswelt zu gleichen. Mediabiose trägt seinen Teil dazu bei“, sagt die Geschäftsführerin. In die Hände spielt dem Unternehmen der Trend von wachsenden Städten. Das heißt, die Anzahl der Menschen, die an einem stationärem Handelsgeschäft vorbeilaufen, werde deutlich steigen. Das Einrichtungs- und Modehaus Kare tobe sich kreativ über die smarte Jalousie aus: „Guten Morgen München, sind wir noch nicht angezogen?“ lacht Yordanova.

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2 thoughts on “„Fürs Platinenlöten kaufte ich einen Pizzaofen“

  1. Ina

    Interessante Sache! Kaum zu glauben was noch alles „smart“ werden kann. Jetzt schon Jalousien. 😀
    Da wird auf jeden Fall noch so einiges auf uns zukommen.
    Beste Grüße,
    Ina

  2. Paul

    Bei solchen Dingen ist aber auch die Wartung erheblich schwieriger. Das lässt sich bestimmt nicht mal eben so reparieren, wenn es defekt sein sollte.
    Beste Grüße,
    Paul

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