Eine neue Studie der Commerzbank mit dem Titel „Unternehmen Zukunft: Transformation trifft Tradition“ zeigt: Der deutsche Mittelstand steht der fortschreitenden Digitalisierung positiver gegenüber als vermutet. Mehr Chancen als Risiken durch digitale Veränderungen werden erwartet, genauso wie eine veränderte Unternehmenskultur und Herausforderungen bei der Mitarbeitersuche. Ein schlechtes Zeugnis wird der öffentlichen digitalen Infrastruktur ausgestellt, also etwa der mangelhaften Verfügbarkeit schneller Breitbandnetze. Zudem wird von Banken und Sparkassen gefordert, die mittelständischen Unternehmen bei der fortschreitenden Digitalisierung zu unterstützen.

Der Mittelstand wünscht sich mehr „Fintech“-Kompetenz von den Geldhäusern

Der Wunsch kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) nach Austausch und Unterstützung beim Thema Digitalisierung durch Banken und Sparkassen wird jedoch bislang nur unzureichend erfüllt. So sollen die Finanzinstitute gezielt Kontakte zu Start-ups, Experten und Kooperationspartnern vermitteln und entsprechende Plattformen bereitstellen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen wünschen sich zudem von den Banken und Sparkassen die gezielte Vermittlung zu Start-ups als möglichen Kooperationspartnern und die Bereitstellung von Plattformen zum Austausch und zur Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen. Beides Felder, auf denen die eher behäbigen Kredithäuser nicht eben über besonders viel Expertise verfügen.

Das Steckenpferd vieler regionaler Geldinstitute liegt zwar häufig in den guten Kontakten zu ansässigen Mittelständlern und deren Vernetzung vor Ort. Doch die gestern noch gut funktionierenden Prozesse in analoger Form oder auf Basis einfacher technologischer Lösungen sind den heutigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen. Gerade in den eifersüchtig an ihren regionalen Zuständigkeiten festhaltenden Sparkassen machen die Netzwerkeffekte oft schon an den Regionsgrenzen halt. Dabei kann der passende Partner für einen hessischen Mittelstandsbetrieb durchaus in Berlin oder Stuttgart liegen und nicht im nahegelegenen Kassel.

Fast 75 Prozent der KMU wünschen sich digitale Finanzplattformen

Natürlich können sich die Unternehmen diese Partnerunternehmen selbst aus dem Internet zusammensuchen, doch geht es ihnen ja gerade um die kompetente Vernetzung, Beratung und Bereitstellung von Informationen. Denn häufig kommen sie nur so zu Kooperationspartnern, von denen sie bislang weder gehört hatten noch wussten, dass deren Produkte und Dienstleistungen überhaupt für das eigene Unternehmen von Relevanz sein könnten.

Deshalb wünschen sich auch fast 80 Prozent der Unternehmen, dass die Banken ihre digitalen Kommunikationswege ausbauen, damit die Firmen besseren Zugang zu ihren Beratern und Zugriff auf ihre Daten und Geschäftszahlen haben können. Ganze 81 Prozent der Unternehmer wünschen sich außerdem erhöhte Beratungskompetenz seitens der Banken, was die Chancen der Digitalisierung angeht. Und noch einmal 74 Prozent der mittelständischen Betriebe würden gern neue digitale Plattformen zur Abwicklung von Bankgeschäften nutzen. Also beispielsweise genau die Bereitstellung von Kreditplattformen, wie sie kapilendo bereits für die Finanzierung des Mittelstands anbietet.

Banken sehen vor allem die Unternehmen und weniger sich selbst am Zug

Markus Beumer, Vorstandsmitglied der die Studie durchführenden Commerzbank AG, sah bei der Vorstellung der Studie allerdings vorrangig die Unternehmen in der Pflicht: „Unternehmer müssen mit bewährten Geschäftsmodellen Geld verdienen, um neue entwickeln zu können: Transformation trifft auf Tra­dition. Wenn wir uns zu viel Zeit lassen mit den notwendigen Veränderungen und nicht bereit sind für ein offeneres, ein schnelleres und kooperativeres Denken in den Führungs­etagen der deutschen Wirtschaft, dann werden andere uns überholen.“

Möglich, dass er auch sein eigenes Kreditunternehmen damit gemeint hat. Die Großbanken versuchen ja inzwischen, sich als innovative Start-ups im Fintech-Sektor auszugeben. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft ganz offensichtlich noch eine große Lücke. Und es scheint, als seien die Kredithäuser selbst noch nicht so weit in Sachen Digitalisierung wie die von ihnen untersuchten mittelständischen Unternehmen.

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