CO3 Recruiting - HR Architecture für Start-ups und etablierte Unternehmen
CO3 Recruiting – HR Architecture für Start-ups und etablierte Unternehmen

Corinna Haas, Gründerin und Geschäftsführerin von CO3 Recruiting, sprach im Interview mit kapilendo über ihre mehr als zehn Jahre Erfahrung im Recruiting von Hochschulabsolventen für die Investmentbank J.P. Morgan und was Start-ups bei der Personalplanung beachten sollten. Inzwischen hat sie sich mit ihrer Beratungsfirma CO3 als HR Architect selbständig gemacht und berät Start-ups – insbesondere in der Finanzbranche – sowie Unternehmen und Talente in Personal- und Karriereplanungsfragen. Eine große Rolle spielt für sie der Wandel der Arbeitswelt und das Eingehen auf die Wertigkeitsansprüche der Generation Y.

kapilendo: Frau Haas, was hat Sie dazu bewogen, Start-ups als HR Architect in Recruiting-Fragen zu beraten?

Corinna Haas: Ich war mehr als zehn Jahre im Hochschulrecruiting bei J.P. Morgan tätig und habe in der EMEA-Region (Europe, Middle East & Africa) nach interessanten Menschen für das Investmentbanking Ausschau gehalten. Ich habe noch die Zeiten erlebt, als Investmentbanking als ziemlich sexy galt, was sich nach der Finanzkrise 2008 dann deutlich geändert hat.

Seitdem entwickelte sich nahezu auf der ganzen Welt eine Start-up-Szene, die vieles anders machen möchte als die etablierten Wirtschaftsunternehmen. Das geht einher mit einem Paradigmenwechsel bei der Art und Weise wie junge Menschen heute arbeiten wollen. Und beides zusammen – Start-ups und die neue Art des Arbeitens wie new work oder Arbeit 4.0 – finde ich total faszinierend und habe mich daher für den Weg in die Selbständigkeit entschieden. Es war ganz einfach eine persönliche Entscheidung von mir, beruflich nochmal etwas Neues zu wagen.

Und als HR Architect für Start-ups kann ich nicht einfach nur beratend tätig sein, sondern auch das Verbindungsglied zu meinen über Jahre aufgebauten Kontakten bilden, Unterstützung beim Managen von HR-Prozessen bieten oder auch zeitweise als Interims-Recruiterin einspringen.

kapilendo: Von einer renommierten Investmentbank in die Selbstständigkeit – auf jeden Fall ein mutiger Schritt. Möchten denn viele Banker raus aus dem alten Trott?

Corinna Haas: Ich kenne schon einige Leute aus dem Finanzbereich, die frustriert sind und sich fragen, ob es das denn jetzt gewesen sei. Das dürfte wahrscheinlich in vielen Unternehmen der Fall sein, nicht nur in der Finanzbranche. Manch einen reizt schon der Wechsel in ein Start-up, aber so ganz wohl ist ihnen dann nicht dabei. Es geht viel Sicherheit verloren oder es gibt Einbußen beim Gehalt. Da verharren dann viele doch lieber in ihrem Job, obwohl sie nicht zufrieden sind.

kapilendo: Und was ist mit Ihnen? Würden Sie es wieder tun?

Corinna Haas: Auf jeden Fall! Ich hatte damals die Chance nach London zu gehen, dachte aber bei mir: Wenn ich jetzt nicht den Absprung schaffe, dann vielleicht nie mehr. Ich war auch keineswegs unglücklich mit meiner Arbeit, aber der Wunsch nach mehr freier Entfaltung war immer da. Ich wollte etwas machen, was ich richtig gern tue und bei dem ich meine Erfahrungen an andere Menschen weitergeben und mein Netzwerk einbringen kann. Ich kann dabei helfen, Fehler zu vermeiden und in unterstützender Funktion für Start-ups tätig werden, damit diese sich weiter auf ihre Innovationen und ihr Wachstum konzentrieren können.

kapilendo: Sich nur mit Mut in ein Start-up-Abenteuer zu stürzen, ist natürlich noch kein Erfolgsrezept. Auf welche Herausforderungen müssen sich denn Start-ups speziell bei der Mitarbeitersuche einstellen?

Corinna Haas: Grundsätzlich sollten sich Gründer eines Start-ups frühzeitig mit dem Thema HR Architektur auseinandersetzen, was einfacher klingt als es ist. Die meisten Gründer eines Start-ups gehen erstmal mit einer guten Idee an den Start und suchen sich den passenden Counterpart. Ein Betriebswirt braucht passenderweise einen Developer, der das Konzept auf der Programmierebene technisch umsetzt. Der Entwickler braucht wiederum den BWLer, der sich den finanziellen und geschäftlichen Angelegenheiten widmet.

Dabei sollte auf der Entwicklerseite nicht nur ein – salopp gesagt – Coder-Monkey gesucht werden, der die Vorgaben des CEOs runterprogrammiert. Beide Seiten sollten sich kongenial ergänzen und voll hinter dem eigenen Start-up-Konzept stehen. Beim weiteren personellen Aufbau besteht dann die Herausforderung darin, dass vor allem auf der Entwicklerseite ein gewisser Mangel herrscht, weil praktisch jedes Start-up und jedes andere Unternehmen Developer sucht. Finanzfachleute gibt es hingegen genug, da dürfte so bald kein Mangel herrschen. Hier liegt meist eher die Herausforderung darin, den passenden Co-Founder zu finden, damit sich das Gründerteam gut ergänzt. Spätestens ab hier sollten dann strukturelle Überlegungen einsetzen, wen und was das Start-up braucht, um weiter zu wachsen.

kapilendo: Und da kommen Sie als HR Architect ins Spiel?

Corinna Haas: Das könnte ich. Es geht natürlich auch erstmal ohne Beratung, aber irgendwann steigt einfach die Komplexität mit dem Wachsen der Teamgröße. Das Thema Personal und HR ist immens wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden. Bei anderen Sektoren wie dem Marketing oder der IT-Infrastruktur macht man das ja auch nicht. Nur dem Thema „Personal“ klebt leider immer das Etikett „Personal kann ja jeder“ an. Dabei ist die Personalsuche kein Selbstläufer und dessen sollte sich der Gründer bzw. das Gründerteam auch bewusst sein. Schließlich soll irgendwann aus dem verschworenen Team der Anfangszeit eine heterogen zusammengesetzte Mannschaft wachsen.

kapilendo: Wie kann man sich denn die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Start-ups konkret vorstellen? Sind Sie vielleicht sogar bei den Bewerbungsgesprächen dabei und raten am Ende zur Einstellung oder zur Absage der Kandidaten?

Corinna Haas: Die Zusammenarbeit mit mir kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Zuerst schaue ich mir den status quo im Unternehmen an, ermittle den Bedarf, hinterfrage die bisherige Praxis, die Strukturen und Systeme. Dann versuche ich für die sich in unterschiedlichen Prozessstadien befindlichen Start-ups Alternativen aufzuzeigen. Ob z.B. ein eigenes Bewerbermanagementsystem zur Dokumentation notwendig ist, wofür ich dann auch wieder hilfreiche Unterstützung zu möglichen Anbietern von solchen Managementlösungen geben kann.

Dann kann ich tatsächlich auch als Interims-Recruiterin auf Zeit in Unternehmen arbeiten und betreue dann bei Bedarf auch den gesamten Bereich HR. Das ist dann auch für solche Unternehmen interessant, die sich nicht dauerhaft eine HR-Stelle leisten wollen oder noch nicht können. Ich kann aber auch den künftigen Head of HR in einem Start-up beraten und schulen. Oder ich führe gemeinsam mit dem Gründerteam Auswahlinterviews und unterstütze mit meinem Rat bei der Entscheidungsfindung. Kurzum, ich bin die, die alles in Sachen HR umsetzen kann.

Häufig passiert es leider, dass die Gründer erst relativ spät an mich herantreten – und ja – insbesondere männliche Gründer nehmen eher später als früher Ratschläge an.

kapilendo: Was meinen Sie damit genau?

Corinna Haas: Zum Beispiel räumen viele Gründer dem Thema HR und Teamaufbau erstmal nur geringere Priorität ein. Irgendwer kennt dann schon jemanden, der irgendwie passen könnte. Auf dem Schirm haben sie hingegen die nächste Finanzierungsrunde, schließlich sollen nicht irgendwann die Lichter ausgehen. Ich würde mir wünschen, dass ich bereits in der Phase der Investorensuche mit einbezogen werde, um schon mal eine kurze Teamstruktur für die Zukunft, den strategischen Aufbau und die damit zusammenhängenden Prozesse für den Investorenpitch zu entwerfen. Schließlich ist das Personal ein wesentlicher Kostenfaktor, und über den hätten auch potentielle Investoren gern konkretere Angaben. Start-ups sind personell häufig schlechter organisiert als große Unternehmen. Start-ups sind eher von ihrem Produkt aus orientiert und es fehlt oft das Bewusstsein und die Professionalität im Bereich Human Resources.

kapilendo: Wie schafft es ein Start-up denn, den Spirit der Anfangszeit auf die neuen Mitarbeiter zu übertragen?

Corinna Haas: Am besten lässt sich das mit den Begriffen company culture und employer branding bezeichnen. Dafür muss von Seiten des Start-ups als Arbeitgeber so eine Kultur / Brand aber auch erstmal aufgebaut und die dafür passenden Teammitglieder gesucht werden. Und dieses Branding kann ich gemeinsam mit den Gründern entwickeln – wenn unsere Zusammenarbeit endet, dann steht dieses Konzept.

Die neuen Teammitglieder sollen bestimmte Werte teilen, die das Unternehmen ausmachen. Dafür sollten die Gründer sich aber eben auch im Klaren darüber sein, was diese Werte sind. Wofür steht das Start-up? Wo wollen wir hin? Wie schaffen wir ein gemeinsames Bewusstsein? Suchen wir eher Generalisten oder gerade einen Spezialisten? Und wie gliedere ich diese Leute ein?

Die komplette Wertschöpfungskette sollte dabei bedacht werden. Jemanden einstellen und dann an einen Tisch setzen reicht nicht, da wächst auch schnell Unzufriedenheit. Neue Mitarbeiter sollten in der ersten Woche begleitet und nach ihren Eindrücken befragt werden. Die Szenekonkurrenz ist außerdem inzwischen groß, es gibt tausende Start-ups. Mit einem Kicker-Tisch und tollen Freizeitaktivitäten locken fast alle Start-ups.

kapilendo: Was würden Sie generell einem Start-up bei der Personalsuche oder einem Bewerber auf eine Start-up-Stelle raten?

Corinna Haas: Beide Seiten sollten sich ihre Wünsche und Vorstellungen bewusstmachen, damit es nicht gleich zu Enttäuschungen kommt. Jedem Start-up würde ich raten, sich frühzeitig mit dem Thema Human Resources Management zu beschäftigen und sich dabei auch helfen zu lassen.

Jedem Bewerber kann ich nur ans Herz legen, was mir selbst wichtig war und ist: Hören Sie auf Ihre eigene Stimme und darauf, was Sie wirklich machen wollen. Seien Sie sich auch bewusst, dass es bei einem Start-up häufig ein geringeres Gehalt und weniger hierarchische Strukturen und Sicherheiten gibt. Dafür können Sie aber die Erfahrung machen, etwas an entscheidender Stelle mitaufzubauen und nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe eines Großbetriebs zu sein.

kapilendo: Frau Haas, wir danken Ihnen für das Interview.

 

Corinna Haas
Corinna Haas

Hier geht´s lang, wenn Sie mehr über CO3recruiting und die Leistungen von Corinna Haas erfahren wollen.

Related Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.