Es herrscht Aufbruchstimmung: Nachdem Europa und insbesondere auch Deutschland lange neidisch über den großen Teich auf das Silicon Valley geschaut hat, braucht sich die Start-up Szene hierzulande nicht mehr zu verstecken. Das wurde besonders auf der NOAH 2015 in Berlin deutlich. Zahlreiche junge, aber auch etablierte Unternehmen präsentierten auf diesem Marktplatz ihre Geschäftskonzepte, knüpften Kontakte zu Investoren sowie Start-ups und holten sich neue Inspiration. Vor allem der Gedanke global denken und nicht nur in das nächste Nachbarland zu expandieren, sondern in die ganze Welt, setzte sich durch. Die Botschaft der Konferenz ist einfach: Mit Europa als digitaler Lokomotive ist zu rechnen.

Ziel: Ein einheitlicher digitaler europäischer Markt

Höhepunkt des zweiten Tages war der beeindruckende Vortrag von Eric Schmidt, Executive chairman bei Google. Wie einen Messias erwartete das Publikum seine Rede und wurde nicht enttäuscht. Als nächstes Ziel für die Zukunft empfahl er den Europäern einen einheitlichen digitalen Markt zu schaffen, sonst würden sich vielen junge Unternehmen mit landesspezifischen Regularien im vielfältigen Europa unnötig verzetteln. Was schon in der Offline-Welt geschafft wurde, müsse nun in der Online-Welt umgesetzt werden. Für Deutschland hatte er den Tipp: Weiter am intelligenten Netz zu forschen und es zur Marktreife zu entwickeln. Einerseits hätte Deutschland auf diesem Gebiet einen großen Wissensvorsprung durch die stattfindende Energiewende – „Germany is leading in solar energy, which is shocking regarding the weather around here.“ – und andererseits ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten diese Technologie zu exportieren. Schmidt freute sich, dass die deutsche Politik den derzeitigen Aufbruch verstanden habe. Er zitierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er tags zuvor getroffen habe: „Technology will kill human jobs, it’s inevitable, but many more jobs will be created by big data“. Jetzt gelte es nur noch, die Gedanken auch umzusetzen.

Unterstützung für die Gründer-Szene von der Politik

Schön ist auch zu sehen, dass die deutsche Politik mittlerweile verstanden hat, wie wichtig eine vitale und innovative Start-up Szene für Europa ist. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sprach sich in einer guten Rede für einen starken IT-Sektor aus: Deutschland müsse in Sachen digitaler Transformation einen Gang hochschalten. „Its not about old or new economy. It’s about the next economy!“ Wie EU-Kommissar Günther Oettinger tags zuvor forderte er auch die Dax-Unternehmen auf, sich mehr in der Gründer-Szene zu engagieren. Den Start-ups bot er seine Unterstützung an: So lud er die deutsche Start-up Community ein, zusammen mit dem Bundesminister auf Auslandsreisen zu gehen und Geschäfte in den Wachstumsmärkten wie China oder Brasilien zu sondieren. „In our aeroplane is more space than just for the Dax 30.“

NOAH 2015 Networking

Beobachtungen aus der Konferenz:

  • Mobile war DAS Thema beim Advertising Panel: Jedes Jahr wachse der Mobile-Markt um 50 Prozent. In Zukunft kommt keine Firma an diesem Thema vorbei.
  • Der Gewinner des Seven Venture Pitch Days heisst Withings. Sie designen Alltagsgegenstände, die mit dem Internet verbunden sind und einen Mehrwert generieren – zum Beispiel eine Waage, die dem Nutzer sein Gewicht tweetet.  Platz zwei belegte mysugr, das mit Hilfe einer App das Leben vonm Diabetes-Kranken erleichtern soll. Es wurde deutlich: Healthcare gilt als großer Zukunftsmarkt. Darum wurde auch im Programm von NOAH15 die Frage gestellt: Where is the Google of Healthcare and Why Haven’t We Seen One Yet?
  • Internet of Things, oder auch Internet 4.0 genannt, war natürlich auch ein großes Stichwort: Die Verknüpfung der digitalen mit der industriellen Welt wurde vor allem im Mobility Panel akut. Digitale Services rund ums Auto ist der Stein der Weisen, aber wie die Zukunft sich ausgestaltet, bleibt noch ein Fragezeichen: „It is not that we don’t see it, it is how we approach it“, sagte Christoph Hartung von Mercedes Benz.
  • Henry Blodget, CEO von Business Insider, sieht aus Sicht der Verlage die digitale Durststrecke überwunden. Mittlerweile lasse im Internet mit Journalismus Geld verdienen.

Fazit: Die NOAH 2015 scheint zu richtigen Zeit am richtigen Ort aufgeschlagen zu sein – ein Weltklasse-Event, das die große Vielfalt der digitalen Gründer- und Investoren-Szene wunderbar abbildete. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

 

 

 

 

 

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