Rendite und Risiko – Ich bin dann mal Bank

Rendite und Risiko – Ich bin dann mal Bank

Vor einigen Tagen las ich einen kleinen, aber feinen Artikel über risikoscheue Menschen und die für sie bitteren Zeiten. Denn weder Tagesgeld noch Festgeld verhelfen diesen auf Sicherheit bedachten Sparern noch zu nennenswerten Zinsen von mehr als einem Prozent. Was also ist zu tun?

„Machen Sie sich selbst zur Bank!“

So lautete der Rat des Artikelautors. Und tatsächlich fand ich mich in dem Artikel wieder. Ich handele nämlich ähnlich, wenn ich bei bestimmten Entscheidungen eine Rendite-Risiko-Abschätzung vornehme.

 

„Das Rendite-Risiko-Profil ist das Verhältnis des erwarteten Kapitalgewinns zum Risiko der… Click To Tweet

 

Und wie soll das funktionieren? Indem ich anderen einen Kredit einräume. Und das tun viele von uns bereits in Form von Frühbucherrabatten, Abonnements oder der frühzeitigen Bezahlung von Jahresbeiträgen. Klingt komisch? Ist aber so. Wenn wir ein solches Geschäft abschließen, dann prüfen wir vorab, ob sich das Ganze lohnt. Wir setzen also den erwarteten Kapitalgewinn zum Risiko dieser Art der Geldanlage ins Verhältnis. Wir erstellen also ein Rendite-Risiko-Profil.

Beispiele für eine Rendite-Risiko-Abschätzung

Viele von uns überlegen bereits im Spätherbst, wohin die Reise im kommenden Sommerurlaub gehen soll. Und auch die Reiseanbieter sind daran interessiert, die eigenen Charterflieger, Hotels oder Kreuzfahrtkabinen möglichst frühzeitig auszulasten. Dafür kappen sie ein wenig an der eigenen Marge und bieten den potentiellen Kunden für einen kurzen Zeitraum einen Rabatt an, wenn diese frühzeitig buchen. Die Kunden gehen also in Vorleistung, überweisen eine Anzahlung und gehen eine vertragliche Verpflichtung zur vollständigen Begleichung des Reisepreises ein.

Sie geben dem Reiseunternehmen damit also faktisch eine gewisse Art von Kredit, damit das Unternehmen das eigene Geschäft besser planen und weiterführen kann. Dafür erhalten die Frühbucherkunden mindestens dieselben Leistungen wie alle anderen Kunden, die erst später zu höheren Preisen buchen. Zudem dürfen sie davon ausgehen, dass die späteren Kunden nicht ähnliche oder besser Konditionen eingeräumt bekommen. Denn das würde die Frühbucher enttäuschen und schließlich zum Zusammenbrechen dieses Buchungssystems führen.

Zugegeben, das rechtzeitige Planen einer Urlaubsreise hat nicht direkt etwas mit dem Thema Geldanlage oder Altersvorsorge zu tun. Aber dennoch erspart man sich auf diese Weise oft eine Menge Geld. Eine Ersparnis, die einmal um die Ecke gedacht, einer ansehnlichen Rendite entspricht.

Geringes Ausfallrisiko bei Unternehmen prüfen

Bessere Beispiele gefällig? Die gibt es. Ich benötige zum Beispiel ein komplettes Jahresticket der Berliner Verkehrsbetriebe. Kostenpunkt 728 Euro für den Tarifbereich AB bei einmaliger Abbuchung. Das ist natürlich eine hübsche Summe, die man auch erstmal auf der hohen Kante haben muss. Bei monatlicher Abbuchung erhöht sich die Gesamtsumme innerhalb eines Jahres auf 761 Euro. Das sind immerhin schon 33 Euro mehr. Und wer sich dafür entscheidet, zwölfmal im Jahr ein neues Monatsticket anstatt eines Jahrestickets zu erwerben, zahlt jeden Monat 81 Euro für den Tarifbereich AB. In Summe macht das 972 Euro und damit satte 244 Euro mehr.

Und nein, ich bin hier nicht der neue Werbeträger der BVG. Ich bin ganz einfach auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, um z.B. zur Arbeit zu kommen. Ähnliche Spareffekte dürften sich auch bei den ÖPNVs in Ihren Heimatstädten ergeben. Und das oben erwähnte Rendite-Risiko-Profil bzw. das Verhältnis zwischen eingegangenem Risiko und erhaltenem Ertrag ist bei dieser Art „Investition“ denkbar günstig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein kommunaler Nahverkehrsdienstleister in die Pleite rutscht und das bereits gezahlte Ticketentgelt verloren geht, ist denkbar gering.

Bereitschaft zu überschaubaren Risiken

Etwas mehr ins Risiko gehe ich bei meinem Fitnessstudio. Auch da bezahle ich einen Jahresbeitrag vorab und spare dadurch Geld. Insgesamt müssten das so zwischen drei und fünf Euro monatlich sein, das ist dann praktisch meine Rendite. Dass hier das Ausfallrisiko erhöht ist, zeigt die Insolvenz der Betreiber der Hard Candy Fitnesskette. Die wurde im Wesentlichen dadurch bekannt, dass die Popsängerin Madonna sie mitgegründet hatte. Ich gehöre zwar nicht zu den Betroffenen dieser Pleite – es handelte sich dabei um ein Fitnessstudio nur für Frauen – aber es verdeutlicht ein gewisses Investmentrisiko.

Ich selbst bezahle aber auch nur einen überschaubaren Jahresbeitrag von 200 Euro an eine Mini-Fitnesskette. Die kann natürlich auch in die Insolvenz schlittern, aber das Risiko bin ich bereit einzugehen. Meine „Investition“ liegt aber eben auch „nur“ bei 200 Euro. Und wenn ich dreimal in der Woche hingehe, ist die „Performance“ meines „Investments“ auch ganz passabel.

Großer Spareffekt gepaart mit hohem Risiko

Sehr beliebt, aber nicht ratsam ist es zum Beispiel, eine Kostenpauschale für Strom und Gas im Voraus zu entrichten. Neue Energieanbieter gehen oft mit Tiefpreisangeboten in den Markt, um neue Kunden zu gewinnen. Oft sieht das dann so aus, dass die Kunden einen Jahresbedarf an Strom im Wert von 1.000 Euro anmelden. Entscheiden sie sich dann für eine Vorabzahlung für das ganze Jahr, müssten sie dann nur die Hälfte zahlen. Das ist absolut nicht kostendeckend für den Anbieter und dient nur dem schnellen Ausbau der Kundenbasis.

Geht das Geschäft nicht auf, gewinnt der Stromanbieter also keine kritische Zahl an Kunden, droht dem Anbieter die Insolvenz. In der Vergangenheit gab es hierbei schon so einige Pleiten und das vorab gezahlte Geld war weg. Plötzlich standen die Stromkunden ohne Anbieter da und mussten wieder zum Grundversorger wechseln. Der dann natürlich auch noch entsprechend teurer war.

Jeder von uns muss in all diesen Fällen eine Risikoabschätzung vornehmen, also ob das… Click To Tweet

Es muss also immer genau abgeschätzt werden, ob sich Rendite und Risiko vereinbaren lassen. Und dabei darf eben auch die Gier nicht zu groß sein. Nur die Hälfte von einem teuren Produkt bezahlen zu müssen, klingt natürlich erst einmal attraktiv. Doch der Risikoaspekt ist in diesem Fall auch um ein Vielfaches höher einzuschätzen.

Risiko-Ertrags-Verhältnis muss stimmen

Und eben dieses Rendite-Risiko-Profil sollte auch ein jeder bei der Entscheidung zu Investieren heranziehen. Gebe ich einem Unternehmen einen Kredit, sollte ich davon überzeugt sein, dass das Unternehmen es auch schafft, mit diesem Geld profitabel zu arbeiten. Und ganz wichtig: Wie realistisch ist es, dass das Unternehmen es auch schafft, dieses Darlehen mit einem Zins von 6 Prozent oder 25 Prozent pro Jahr zurückzuzahlen.

Jeder von uns muss in all diesen Fällen eine Risikoabschätzung vornehmen, also ob das Risiko-Ertrags-Verhältnis akzeptabel ist.

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