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Think different: Start-up Pitches mal anders

Ich betrete den Hinterhof eines unscheinbaren Hauses und laufe zwischen vereinzelten Rauchergruppen ins Haus. Vom unteren Ende der steilen Treppe dröhnt dumpfe Musik herauf. Unten angekommen wird mir am Eingang ein Bier in die Hand gedrückt. Der stickige Duft von Schweiß und zu vielen Menschen steigt mir in die Nase. Wo bin ich hier gelandet? Die nette Dame am Empfang drückt mir drei farbige Karten für das später anstehende Zuschauervoting in die Hand. Erst als sie beginnt, mir das Procedere zu erklären, habe ich doch das Gefühl, am rechten Ort zu sein.

Let’s get ready to rumble

Bei der Founders Fight Night, so klärt sie mich auf, treffen Start-ups in einem Box-Ring aufeinander. Doch keine Angst – zwischen den antretenden Gründern fliegen keine Fäuste. Hier geht es vielmehr darum, den Gegner und vor allem dessen Geschäftsmodell verbal auseinander zu nehmen, beispielsweise anhand eines Vergleichs mit potenzieller Konkurrenz oder dem Aufzeigen der Schwächen. Im Anschluss dürfen beide Ihr Geschäftsmodell gegen die Angriffe des anderen verteidigen. Das Ganze in jeweils 60 Sekunden. In der zweiten Runde müssen sich die jeweiligen Sieger der Kritik der Jury stellen. Der finale Sieger wird schließlich von der Jury unter Rücksichtnahme auf die Wertung der Zuschauer gefällt. Na dann, los geht’s!

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Zwischen den Start-up-Battles finden Amateurkämpfe statt. Wer nah genug am Ring sitzt, kann den Luftzug der einzelnen Schläge spüren. Der Wettkampf stachelt die Stimmung im Boxwerk München auf besondere Art an. Die Spannung steigt mit jeder weiteren Begegnung im Ring weiter an, bis schließlich der wohlverdiente Gewinner gekürt wird.

FoundersFight

Mehr als Entertainment

Neben einer unvergesslichen und unterhaltenden Erfahrung bietet ein solch alternativer Ansatz für ein Pitching-Event seinen Teilnehmern aber noch viel mehr. Im Idealfall lässt der Wettkampfgedanke die Gründer zu Höchstleistungen auflaufen.

Zunächst muss das Geschäftsmodell komplett anders in Szene gesetzt werden. Die Art der Präsentation muss überdacht werden, eine Anpassung an das entsprechende Publikum und ans Thema der Veranstaltung sind genauso von Nöten wie eine kreative Herangehensweise, um sich von den Konkurrenten abzugrenzen. Wer sonst aus Gewohnheit oder Gemütlichkeit wieder denselben schon mehrfach präsentierten Pitch mit der gleichen Powerpoint-Folie abgeliefert hätte, wird hier vor eine neue Herausforderung gestellt.

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Ringsau statt Rampensau

Der direkte Wettbewerb mit den anderen Startups sorgt für Spannung und Nervenkitzel. Das Durchhaltevermögen des Teams bzw. einzelner Gründer, sowie deren Verhalten in ungewohnten und stressigen Situationen treten in den Vordergrund. Bei manch einem werden vielleicht ungeahnte Stärken wach. So können Gründer Biss und Durchhaltevermögen unter Beweis stellen – Fähigkeiten, auf die auch viele Investoren wert legen.

Durch den Wettkampf-Charakter und die verschiedenen Runden kann das Team den Investoren und Zuschauern mehrere Facetten zeigen. Wer das clever angeht, kann sowohl mehr über sein Geschäftsmodell verraten, als auch über die eigenen Kompetenzen und Herangehens- bzw. Arbeitsweise erkennen lassen. Der Rahmen für Storytelling über das eigene Unternehmen ist weitaus größer.

Nicht zuletzt profitiert jeder Teilnehmer nicht nur von der Erfahrung an sich, sondern auch vom Feedback der Wettbewerber und Jurymitglieder – hierbei handelt es sich in der Regel um wertvolle Einschätzungen und Tipps, welche man sich als Gründer zu Herzen nehmen sollte.

Be creativelightbulb idea

Natürlich ist die oben genannte Founders Fight Night nur ein Beispiel für eine von vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, Pitch-Events mal anders zu gestalten. Aber wer regelmäßig die Start-up Events seiner Stadt besucht, der wird zunehmend auf bekannte Gesichter und vor allem bekannte Pitches treffen. Erfrischend anders ist es daher, wenn mal ein anderes Konzept an den Tag gelegt wird. Dabei kann der Kreativität freien Lauf gelassen werden.
Wieso nicht…

  • eine Vorrunde mit Blind Auditions á la „The Voice“?
  • die Präsentation des eigenen Start-ups mit unter Berücksichtigung von gewissen verbotenen Worten wie bei Tabu?
  • ein Pitch mit Post-Its statt einer Powerpoint-Präsentation?

Im Endeffekt geht es doch darum, Gründern und Start-ups eine Bühne und ein Publikum zu bieten, je einzigartiger bzw. spezieller der Auftritt dabei erfolgt, desto besser für das Unternehmen. Daher: Seid anders!

 

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