Ein schwarzer Rollkragenpulli, weiße Turnschuhe, eine blaue Jeans: In diesem schon ikonographischen Aufzug moderierte CEO Steve Jobs seine Präsentationen bei Apple – unter anderem die legendäre Einführung des iPhones 2007. Es wirkte so, als sei er gerade aus seinem Tüftler-Outfit für einen Abstecher bei der Mac-World vorbeigekommen. Nichts sollte von seinen neuen Produkten ablenken. Nicht weniger als eine Revolution rief er aus: Drei bislang getrennte Anwendungen (Mp3 Player, Telefon, Internet) fasste Apple zu einem Gerät zusammen. Die von ihm vorgestellten Features des ersten Smartphones sind heutzutage Selbstverständlichkeiten. Im Grunde hat man schon vergessen, wie schwerfällig Telefone vorher zu bedienen und welch begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung standen. Mit seinem Tod vor vier Jahren hat Steve Jobs nicht nur das iPhone hinterlassen, sondern vielmehr seine Art zu denken: eine Innovation von einer Ideenzeichnung zur Marktreife zu treiben.

Neudefinition von Erfolg

Steve Jobs
CEO Steve Jobs at the Apple Worldwide Developers Conference in San Francisco 2008. REUTERS/Kimberly White

Die vermutlich oberste Prämisse des Apple Erfolgs ist nicht die Jagd nach mehr Klicks oder wieviele aktive User sich auf einer Webseite tummeln oder wieviel Stück man verkauft hat. Das sei beinah schon eine Krankheit, sagt der jetzige Apple-Chef Tim Cook. Stattdessen habe Jobs sich einfach auf „making the best“ fokussiert. Von Zahlen ließ er sich nie beeindrucken. Zum Beispiel: Jobs wurde sehr schnell sehr reich. 1980 – also mit 25 Jahren – betrug sein Vermögen bereits 100 Millionen Dollar, Anfang 2011 wurde es vom „Forbes Magazine“ auf 8,3 Milliarden geschätzt. „Mir ist es nicht wichtig, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein. Abends ins Bett gehen zu können und sagen zu können, dass wir etwas Wundervolles geschaffen haben, das ist es, was mir wichtig ist“, sagte er 1983. Eine Denkweise, die sich auch der visionäre Techpopstar Elon Musk zu eigen gemacht hat.

Hingabe und Design

Um „das Beste“ zu kreieren, hat Jobs sich voll und ganz seinen Produkten verschrieben. Widerstände oder Zweifel von seinen Mitarbeitern wischte er unter den Tisch. Seine Fokussierung auf das iPhone, Macinstosh usw. ließ ihn die Welt um ihn herum vergessen, beizeiten ignorierte er seine Krebserkrankung sowie juristische oder familiäre Auseinandersetzungen. Zudem konzentrierte er sich auf wenige Kernprodukte – alles andere schaffte er ab. Das verlieh ihm die Möglichkeit immer wieder „Nein“ zu sagen, um die Produkte noch simpler zu gestalten und keine Kompromisse eingehen zu müssen. Dementsprechend fielen Knöpfe oder zusätzliche Softwareoptionen regelmäßig seinem Design-Mantra zum Opfer – so einfach wie möglich.

Inspiration

Jobs’s Anspruch war klar: Seine Visionen sollten in einmaligen Produkterfahrungen gipfeln, die das Leben der Nutzer erleichtern. Das Bedienen von iPod oder iPhone fühlt sich sehr intuitiv an und sieht dabei noch stilvoll aus. Eine Messlatte, die Jobs regelmäßig übersprungen hat. Für Software-Designer und Hardware-Entwickler wird Jobs immer ein Vorbild sein. Mit seinen klaren Konzepten und Ideen hat er zudem zahlreiche Menschen inspiriert, ihre Produkte zu optimieren und Unternehmen mit einer eigenen und klaren Philosophie aufzubauen. Gemäß seinem Leitmotto: „Stay hungry, stay foolish.“

Don’t believe the hype

Mit dieser Kombination aus Design und Usability plus einer gesalzenen Preispolitik schaffte es Jobs, seine Produkte zu einem Lifestyle-Accessoire zu machen. Befeuert von teils großartigen Werbekampagnen sind Millionen Menschen von Apple Produkten überzeugt und fast schon vereinnahmt. Man mag gar von religiösen Zügen sprechen, wenn Apple-Jünger tagelang vor Geschäften übernachten, um die neueste Version des iPhones in Händen zu halten, beziehungsweise jede Kleinigkeit aus Cupertino auf Blogs und Foren diskutiert wird. Ein Hype, der durch die neuen Produkte nicht mehr gerechtfertigt zu sein scheint.

Innovative Ideen: Fehlanzeige

Denn seit Jobs Tod hat Apple erst ein neues innovatives Produkt auf den Markt gebracht: Die iWatch. Die Uhr soll eine praktische Erweiterung zum eigenen Telefon sein. Das mäßige Design und die schlechte Usability erscheinen im Licht von Jobs gerade wie ein Frevel an den eigenen Maßstäben der Firma. So wurde schon die Frage gestellt, ob denn Apple – ohne Steve Jobs – noch innovativ sei. Denn das Unternehmen überraschte innerhalb von zehn Jahren (2001 bis 2010) immer wieder mit neuen bahnbrechenden Innovationen. Berechtigt oder nicht, das nächste große Projekte steht bereits an: So wird Apple versuchen, das elektrisches Auto „iCar“ zu revolutionieren. Und der von Jobs gestaltete und initiierte eigene Firmencampus nimmt weiter Gestalt an, der die bislang verstreute Firma auf einem Gelände zusammenführen soll. Im kommenden Jahr sollen die Mitarbeiter dort einziehen – siehe Video.

Wer war Steve Jobs wirklich?

Auch vier Jahre nach seinem Tod ist die Debatte um einen der größten Innovatoren unserer Zeit nicht abgeschlossen. In der 2011 erschienenen Biographie von Walter Issacson, die schnell zu einem Bestseller avancierte, wird Jobs einerseits als großer Innovator und Künstler dargestellt. Andererseits sei er ein gnadenloser Egoist und sozial inkompetenter Megalomane gewesen, der seine Mitarbeiter oft genug niedermachte. Diese Sichtweise stößt bei den jetzigen Apple Verantwortlichen auf Widerstand, sind sie doch um das Ansehen des Firmengründers besorgt. Deswegen unterstützen sie auch eine neue Biographie, die Jobs in einem wesentlichen weicheren Licht zeichnet. Darin erfahren die Leser, was für ein großartiger Familienmensch Jobs gewesen sei oder dass CEO Tim Cook und andere Mitarbeiter immer noch die Nummer von Jobs im Handy eingespeichert hätten. Natürlich sei auch Jobs Arbeitsplatz bei Apple immer noch so unberührt, wie ihn Jobs zuletzt verlassen hatte. Eine Heiligsprechung im Olymp der Geeks ist Jobs jedenfalls sicher. Ob die neue Verfilmung über Steve Jobs, die am kommenden Donnerstag in unseren Kinos zu sehen sein wird, diesem Bild gerecht wird, bleibt abzuwarten. Venturate wird über den Film berichten.

Bilder:REUTERS/Kimberly White//Apple

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