Gründerparadies Deutschland! – So könnte man das Eco-System in Deutschland angesichts der Vielzahl umfangreicher Fördermöglichkeiten für Start-Ups, junge Unternehmen und Ventures bezeichnen. Die Fördermitteldatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zeigt z.B. 194 Förderprogramme für Existenzgründer in Ihrer Phase ihrer Existenzgründung. Wir möchten Sie nun an die Hand nehmen und durch die Grundzüge der Förderlandschaft führen.

Welche Arten von Förderprogrammen gibt es?

Mikrokredite

Diese kleinste Form der Förderung bezieht sich, wie der Name vermuten lässt, auf Darlehen mit Kleinstbeträgen, meist von nicht staatlichen Förderungsanstalten. Sie werden meist an Kleingewerbetreibende ohne Einschränkungen zur Förderung und Entwicklung vergeben. Der bekannteste und wichtigste ist “Mein-Mikrokredit” der Mikrokreditfonds Deutschland. Vergeben wird der Kredit von der GLS Bank in Erstschritten zwischen 1.000 € und 10.000.- €; Nach erfolgreicher Rückzahlung sind Erhöhungen auf 20.000 € möglich.

Voraussetzung
Oftmals werden Referenzen oder kleinere Bürgschaften aus dem Umfeld der antragenden Person gefordert.

Zeitbezug
Mikrokredite werden für einen Zeitraum ab 1-3 Monate und maximal bis 3 Jahre vergeben. Nach Beantragung dauert es ugf. eine Woche, bis alle Verträge unterschrieben und das Geld ausbezahlt wird.

Kosten / Zinsen / Gebühren
Die Zinsen bei Mikrokrediten sind höher als bei den meisten Förderangeboten und liegen zwischen 8 – 20 %.

Antragstellung
Wenden Sie sich an ein Mikrofinanzinstitut in Ihrer Nähe um den Kredit zu beantragen. Ein lokaler Berater prüft Ihr Investitionsvorhaben und bespricht alle weiteren Punkte mit Ihnen.

Beispiel:
Sie sind Kleinunternehmer und möchten Ihre Geschäftsidee als Reinigungskraft für Solarpanele verwirklichen. Dazu benötigen Sie ein Reinigungsgerät für 3.000.- €. Mit einem Mikrokredit bekommen Sie das dafür benötigte Kapital, können das Gerät erwerben und Ihr Business starten. Über monatliche Raten zahlen Sie das Geld inkl. Zinsen zurück.

Förderdarlehen

Förderdarlehen sind sehr attraktiv für junge Unternehmen, da diese einen geringen Darlehensszinssatz bei einer Laufzeit bis zu 20 Jahren bieten. Außerdem können Förderdarlehen vielfach mit anderen Fördermitteln kombiniert werden und bieten die Möglichkeit zur sofortigen Tilgung ohne Zusatzkosten. Bekannt ist z.B. der High-Tech Gründerfonds oder der ERP-Gründerkredit – StartGeld.

Bei Förderdarlehen werden die folgenden Investitionen unterstützt:
1. Gründung einer selbständigen Existenz
2. Übernahme bestehender Unternehmen
3. Eine aktive Beteiligung an einem bestehenden Unternehmen
4. Tätigkeiten eines Nebenerwerbs, der später Haupterwerbstätigkeit werden soll
Ausgeschlossen sind Finanzierungen zur Unternehmensrettung in Sanierungsfällen.

Voraussetzung
Sie haben die Hausbank überzeugt, erweisen sich somit als wirtschaftlich kompetent und vertrauensvoll. Ihr Businessplan ist wasserdicht und zeigt das entsprechende Geschäftspotenzial auf. Es gibt weitere Kriterien, wie z.B. die Dauer Ihrer Geschäftstätigkeit. Ihr Unternehmen muss nach KMU-Definition ausgewiesen sein und den Sitz in Deutschland haben.

Zeitbezug
Für bereits getätigte Investiotionen, kann nachträglich keine Förderung beantragt werden. (Verbot der Nachfinanzierung) Sie müssen also weit vor der Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit den Antrag auf ein Förderdahrlehen stellen.

Kosten / Zinsen / Gebühren
Je nach Programm können Vermittlungsgebühren anfallen. Der Zinssatz beträgt um die 10 % bei einer Spanne von 25.000 bis 10 Mio. €.

Antragstellung
Wer ein Förderdarlehen beantragen möchte, muss nach dem Hausbankprinzip, erst mit seiner Bank oder Sparkasse sprechen und einen entsprechenden Darlehensantrag stellen. Es gilt also zuerst die Hausbank zu überzeugen. Die Hausbank reicht den Antrag dann weiter an das jeweilige Förderinstitut (KfW Mittelstandsbank / Förderbank der Länder). Das Ausfallrisiko trägt in der Regel die Bank. Bereiten Sie sich also umfangreich auf das Gespräch mit der Bank vor. Es spielt dabei keine Rolle, ob Sie zu Ihrer bestehenden Bank oder einen neuen Bank gehen.

Beispiel:
Ihr Gründerteam hat in den letzten Wochen den Businessplan auf Herz und Nieren geprüft und fertig gestellt, Sie haben bereits die ersten Marktdaten erhoben und sind sich sicher, Ihr Produkt im Markt gewinnbringend platzieren zu können. Bevor Sie nun die nötige Infrastruktur aufbauen können, benötigen Sie Kapital. Sie wenden sich an eine Bank Ihres Vertrauens und stellen das Konzept vor. Sofern Ihr Berater das Konzept versteht und an den Erfolg glaubt, wird er ein Darlehen an Sie vermitteln.

Weitere wichtige Förderdarlehen:
ERP-Kapital für Gründung
ERP-Gründerkredit Start-Geld
LfA-Förderbank Bayern Universalkredit

 Bürgschaften

Eine Bürgschaft ist ein einseitig verpflichtender Vertrag bei dem sich eine dritte Person (der Bürge) an der Seite des Schuldners, gegenüber dem Gläubiger verpflichtet, für die offenen Posten, im Falle einer Nichterfüllung des Schuldners, einzustehen.
Bürgschaften weisen also keine direkten Zahlungsströme vor, sondern lediglich die Sicherheitsleistung bei Nichterfüllung der Darlehensrückzahlung.

Zu unterscheiden sind klassische Bürgschaften und Bürgschaften ohne Bank (BoB).

Voraussetzung
Grundlegend für die Beantragung einer Bürgschaft ist, dass das Unternehmen ein wirtschaftlich sinnvolles und erfolgsversprechendes Konzept bietet. Ebenso muss der Antragstellende eine entsprechende Qualifikation erfüllen. Weiterhin erfolgt eine Überprüfung der Wirtschaftlichkeitskriterien durch den Bürgschaftsausschuss bei der Hausbank sowie eine Prüfung der Kreditwürdigkeit der Bürgschaftsnehmer. Der Sitz darf nicht außerhalb Deutschlands liegen. Für Sanierungen oder Ablösungen unverbürgter Kredite werden grundsätzlich keine Bürgschaften übernommen. Ferner dürfen keine alternativen Finanzierungsformen möglich sein.

Zeitbezug
Die Dauer eines Bürgschaftsantrages hängt maßgeblich von der Qualität und dem Umfang der eingereichten Unterlagen ab.

Kosten / Zinsen / Gebühren
Es wird ein einmaliges Beratungsentgelt von 0,5 – 2 % des Kreditbetrages (jedoch unter 25.000 €) und eine jährliche Bürgschaftsprovision von ca. 1 % p.a. erhoben.

Antragstellung
Den vollen Umfang eines Beantragungsverfahrens können Sie am Beispiel der Bürgschaftsbank Brandenburg erlesen. Erforderlich sind umfangreiche Aufstellungen zum Unternehmen, Referenzen und positive Stellungnahmen von z.B. IHK und der Hausbank. Hilfreich ist auch die Checkliste der Bürgschaftsbank Brandenburg zur Beantragung einer Bürgschaft.
Beispiel
Sie möchten ein Darlehen bei Ihrer Hausbank beantragen. Die Hausbank möchte von Ihnen diverse Sicherheiten für den geforderten Betrag. Da Sie weder Grundstücke noch genügend Eigenkapital vorweisen können bleibt Ihnen nur die Option einen für Sie haftenden Bürgen zu finden.

Beteiligungsprogramme

Beteiligungsprogramme sind Unterstützungen für Beteiligungsgesellschaften, die Beteiligungen an jungen Unternehmen erwerben möchten. Hier bietet z.B. die KfW Bankengruppe den Beteiligungsgesellschaften günstige Kredite zur Refinanzierung einer Beteiligung an einem jungen Venture.
Die sich beteiligende Gesellschaft muss dafür eine Garantie einer Bürgschaftsbank vorlegen können. Durch eine Beteiligung einer privaten Beteiligungsgesellschaft kann das junge Unternehmen nicht nur die Eigenkapitalbasis stärken, sondern auch geplante Investitionen für Projekte, Neuanschaffung oder Umstellungen tätigen. Jede Form der Beteiligung ist hierbei zulässig. Wichtig in der Begriffsdefinition: Beteiligungsnehmer ist das Unternehmen, welches eine Beteiligung abgibt. Der Beteiligungsgeber ist die geldgebende Beteiligungsgesellschaft.
Voraussetzung
Sämtliche Formen der Beteiligung sind zulässig, jedoch darf die Haftung des Beteiligungsgebers im Falle des Konkurs- oder Vergleichsfalls nicht ausgeschlossen werden.

Zeitbezug
Die Laufzeiten variieren bis maximal 10-13 Jahre.

Kosten / Zinsen / Gebühren
Die Zinssätze und Gebühren erfahren Sie bei Ihrer Bank. Sie können die Beteiligungssumme bis zu 100 % refinanzieren lassen. Der Höchstbetrag liegt ca. bei 1,25 Mio. Euro. Es fallen keine Bereitstellungsprovisionen an.
Antragstellung
Zuerst nehmen Sie als junges Unternehmen den Kontakt zu einer privaten Beteiligungsgesellschaft auf. Diese berät Sie zu Ihrem Vorhaben. Eine Liste der privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften finden Sie hier.
Beispiel
Ein wichtiges Beteiligungsprogramm bietet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit dem Investitionszuschuss Wagniskapital. Hierbei kann ein Investor, der sich an einem jungen Unternehmen beteiligen möchte, ein Erstattung von bis zu 20 % seines investierten Kapitals beantragen.
Wichtige Beteiligungsprogramme
ERP-Beteiligungsprogramm der KfW Bankengruppe
ERP-Startfonds der KfW Bankengruppe
Investitionszuschuss Wagniskapital

Zuschüsse

Zuschüsse sind Geldmittel / Fördermittel, Dienstleistungen oder Güter für die grundsätzlich keine Rückzahlungen gefordert werden und für verschiedene Branchen und Zielgruppen angeboten werden. Diese reichen vom arbeitslosen Existenzgründer bis zum High-Tech Start-up. Förderfähige Investitionen sind Aufwendungen zur Errichtung, Erweiterung, Umstellung sowie Rationalisierung/Modernisierung, oder Umzug der Betriebsstätte.
Ebenso bezuschusst werden marketingstrategische Maßnahmen  zur Diversifikation oder Implementierung neuer Technologien. Hier sei das ERP-Regionalförderprogramm mit bis zu 3 Mio. Förderkredit genannt bei einem effektiven Jahreszins von 1.21 %. Dieser ist jedoch als Kredit mit Zuschusscharakter anzusehen.

Besonders interessant für Existenzgründer ist der staatliche Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Verheiratete Personen mit Kind können bis zu 24.000 € bekommen.
Ebenso gibt es vom Staat Zuschüsse vor der Gründung zur Gründungsberatung und nach der Gründung zur Unternehmenberatung (Zuschüsse zur Unternehmensberatung) oder Zuschüsse in den neuen Bundesländern und Berlin.

Voraussetzung
Differenzierte Bestimmungen gelten für die einzelnen sehr unterschiedlichen Zuschüsse. Für den Gründerzuschuss der Arbeitsagentur muss der Antragsteller einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen vorweisen. Die Selbständigkeit muss zur Beendingung der Arbeitslosigkeit führen und mindestens 15 Wochenstunden betragen. Die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten müssen in einem Sachkundenachweis einer dafür fachkundigen Stelle wie z.B. Handels- und Handwerkskammern, Fachverbände und Kreditinstituten vorgelegt werden.

Zeitbezug
Der Existenzgründerzuschuss wird in zwei Staffeln geleistet. Sechs Monate in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes und 300 € zur sozialen Absicherung.
Für weitere neun Monate können 300 € pro Monat zur sozialen Absicherung gewährt werden, bei Nachweis einer intensiven Geschäftstätigkeit.
Das ERP-Regionalföderprogramm ist mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahre definiert und bietet 5 Jahre tilgungsfreie Anlaufzeit.

Kosten / Zinsen / Gebühren
Der Existenzgründerzuschuss wird ohne Kosten vermittelt. Bei anderen Zuschüssen wie Krediten mit Zuschusscharakter müssen Sie z.B. 1,2 % Zinsen p.a. zahlen.

Antragstellung
Die öffentlichen Stellen zur Beantragung von Zuschüssen finden Sie in den angegebenen Weblinks.

Beispiel
Nach zweimonatiger Arbeitslosigkeit kommt Ihnen die Idee einen mobilen PC Service zu zu starten, nachdem Sie sich sehr gut in dieser Materie auskennen und bereits in dieser Branche tätig waren. Sie erarbeiten ein Konzept, in welcher Region, mit welchem Aufwand und mit welchen Leistungen Sie eine Selbständigkeit anstreben. Da sie sich auf Grund Ihrer Historie als Sachkundig erweisen, gehen Sie mit dem Konzept zur Bank und beantragen einen Existenzgründerzuschuss.

Die wichtigsten Zuschüsse
Der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur für Arbeit
ERP-Regionalförderprogramm für die neuen Bundesländer und Berlin

Subventionen

Subventionen sind bis heute noch nicht rechtlich abgegrenzt. Eine Annäherung an diesen Begriff beschreibt eine Leistung wie Zuwendungen, Bevorteilung oder Vergünstigungen aus öffentlichen Mitteln nach Bundes- oder Landesrecht an Betriebe oder Unternehmen welche ohne Gegenleistung und der Förderung der Wirtschaft dienen soll. Besonders bekannt sind Subventionen aus der Landwirtschaft. Durch die fehlende Abgrenzung finden sich viele der Fördermittel im Bereich der Subventionen wieder, haben aber eine Rückzahlungspflicht.

Am ehesten ist lassen sich Agrarsubventionen der Landwirtschaft, Subventionen für die Stilllegung des Steinkohlebaus oder Wohnungsbauprämien an dieser Stelle ausführen. Detailgenaue Informationen finden Sie im Subventionsbericht der Bundesregierung 2009-2012
Subventionen an private Haushalte nennt man auch Transfers.
Voraussetzung
Viele der Förderprogramme mit Subventionscharakter sind zum einen beschränkt auf die Branche zum anderen auf Projekte und Regionen. Zudem müssen Sie auch hier ein schlüssiges Konzept vorweisen können.

Antragstellung
Subventionsanträge aus dem Bundesprogramm die z.B. über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gewährt werden, müssen direkt über die lokale Sparkasse oder Bank beantragt werden.
Manche landesweite Förderprogramme sind bei den Ministerien zu beantragen.

Garantien

Eine ganz klare Abgrenzung zwischen Garantie und Bürgschaft sieht das BGB in § 305 vor. “Bei einem Garantievertrag verpflichtet sich der Garant, für einen Eintritt oder Nichteintritt eines Ereignisses einzustehen. Das Entscheidungsmerkmal ist durch das wirtschaftliche Interesse des Garanten geknüpft. Bei einer Garantie steht das eigene wirtschaftliche Interesse an der Erfüllung der Hauptverbindlichkeit oder Leistung des Garantienehmers, wohingegen ein Bürge das Interesse des Schuldners vertritt. In Förderprogrammen sind Garantien als Leistungsgarantien, Bietungsgarantien oder z.B. Rückgarantien.

Beispiel

Möglich wäre z.B. eine Zahlungsgarantie. Das bedeutet der Garant verpflichtet sich für den Eingang der Zahlung eines Dritten zu garantieren.  Zu beachten ist hierbei, dass es keine Rolle spielt, ob die Hauptsschuld noch vorhanden ist.

 

Bildlizenz: © Olivier Le Moal – Fotolia.com

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One thought on “Übersicht der Förderprogramme bei der Existenzgründung – worauf es ankommt!

  1. Thomas

    Eine sehr schöne Übersicht mit ganz wichtigen Informationen, die sich jeder Existensgründer ganz genau anschauen sollte. Das wird für den ein oder anderen ganz sicher eine große Hilfe sein. Oftmals scheintern Existensgründungen, wenn es solche Fördermittel nicht geben würde.

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