In jeder Sendung sieht man die Löwen mindestens einmal den Kopf schütteln, weil wieder eines der Start-ups eine viel zu hohe Bewertung aufgerufen hat. Eine zu hohe Unternehmensbewertung schreckt Investoren schnell ab. Mit der Anwendung der richtigen Methode können Sie eine angemessene Bewertung ihres Unternehmens ermitteln und so Investoren schneller überzeugen.

Die Gründer von Grillido traten in dieser Staffel mit einer Unternehmensbewertung in Höhe von zwei Millionen Euro vor die Löwen. Damit rechtfertigten sie ihre Forderung von 100.000 Euro für gerade einmal fünf Prozent der Unternehmensanteile. Jochen Schweizer hakte nach: „Sie meinen, ein Umsatz von 120.000 Euro rechtfertigt eine Unternehmensbewertung von zwei Millionen Euro?“. Trotz Erklärungsversuchen konnten die Gründer Jochen Schweizer und den Rest der Löwen nicht recht überzeugen. Ein Umsatz von nur 120.000 Euro und keine konkreten Zusagen von Vertriebspartnern, da fragt sich auch manch ein Zuschauer vor dem Fernsehbildschirm, wie Gründer eigentlich auf diese hohen Bewertungen kommen.  Nach der Sendung konnten die Grillido-Gründer aber doch noch einige Investoren gewinnen. Darunter sind einige bekannte Business Angels, wie der Flixbus-Gründer André Schwämmlein und die MyMuesli-Gründer Hubertus Bessau, Max Wittrock und Philipp Kraiss.

Wie bewertet man Start-ups?

Tatsächlich ist die Findung eines angemessenen Unternehmenswertes bei Start-ups äußerst schwierig. Noch nicht vorhandene Vergangenheitswerte, negative Cash-Flows, neue Produkte und hohe Wachstumsraten birgen eine gewisse Unsicherheit. Daher basieren Unternehmensbewertungen von Start-ups häufig auf Annahmen. Bereits kleine Veränderungen weniger Faktoren können daher maßgebliche Auswirkungen auf die Bewertung haben.

Es ist wichtig die entscheidenden Werttreiber zu ermitteln, also die Faktoren, die den Unternehmenswert besonders beeinflussen. Nur wenn Sie diese Werttreiber kennen, können Sie eine Prognose für die Entwicklung Ihres Unternehmens und damit seinem Wert aufstellen.

Entscheidung zwischen Pre- und Post-Money-Bewertung

Zunächst einmal sollten Sie zwischen der Pre-Money-Bewertung und der Post-Money-Bewertung unterscheiden und sicher gehen, dass auch der Investor von derselben Bewertung ausgeht, um Missverständnisse zu vermeiden. Die Pre-Money-Bewertung bezeichnet den Unternehmenswert, bevor der Investor in das Start-up eingestiegen ist. Bei der Post-Money-Bewertung handelt es sich um die Unternehmensbewertung nach dem Investment der Investoren.

Vier Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswertes sind das Ertragswertverfahren, die Venture-Capital-Methode und das marktorientierte Bewertungsverfahren.

Das Ertragswertverfahren (Discounted Cash-Flow-Methode)

Beim Ertragswertverfahren wird der künftige Cash-Flow des Unternehmens hochgerechnet. Anschließend wird der Cash-Flow auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Die wichtigsten Einflussfaktoren in diesem Fall sind die zu erwartenden Erträge des Unternehmens und das zu erwartende Ausfallrisiko.

Um den Cash-Flow prognostizieren zu können brauchen Sie ein Unternehmensmodell, das auf den wichtigsten Werttreibern Ihrer Branche basiert. Aus dem Modell wird die Unternehmensplanrechnung des Start-ups abgeleitet, indem die Entwicklung der Werttreiber prognostiziert wird. Auf der Unternehmensplanrechnung wiederum basiert die Cash-Flow-Berechnung. Da die Vergangenheitswerte fehlen oder nur kaum vorhanden sind ist die Prognose des Cash-Flows mit einer großen Unsicherheit verbunden.

hohe Diskontierungsrate verringert Unternehmenswert

Durch einen dem Risiko angemessenen Zinssatz wird bei der anschließenden Abzinsung der Zeitfaktor berücksichtigt. Dieser Zinssatz wird auch als Diskontierungsrate bezeichnet. Die Höhe der Diskontierungsrate wirkt sich direkt auf das Ergebnis der Discounted Cash Flow-Berechnung aus. Vor allem bei Start-ups werden hohe Zinssätze festgelegt, um die Unsicherheit auszugleichen. Entsprechend niedriger fällt der Unternehmenswert aus. Das Problem ist, dass oft keine Vergleichsunternehmen existieren, um das Risiko objektiver zu bewerten. Analysten und die Erwartungen der Kapitalgeber beeinflussen den Zinssatz

Eine detailliertere Erklärung, wie das Ertragswertverfahren durchgeführt wird, finden Sie auf der Website des Institutes für Wissen in der Wirtschaft.

Die Venture-Capital-Methode

Venture Capital Investoren investieren in ein Start-up mit dem Ziel nicht aus dem Cash Flow, sondern bei einem Ausstieg einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Daher wenden VC Geber eine etwas andere Methode an, als andere Kapitalgeber.

Auch diese Methode basiert auf dem Discounted Cash-Flow. Wie beim Ertragswertverfahren wird der Cash-Flow, in Form des Kapitalertrags beim Verkauf der Anteile, auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Die Diskontierungsrate kann bei diesem

  • Zum einen spielt die Liquiditätsprämie eine Rolle. Die Liquiditätsprämie dient als Ausgleich für die lange Laufzeit der Investition.
  • Bringt ein Investor neben Kapital auch seine Kontakte mit ins Start-up und steht dem Unternehmen als Berater zur Verfügung, kann eine Value-Add-Prämie an den Investor gezahlt werden
  • Mit der Risikoprämie wird das hohe Ausfallrisiko, das mit der Investition in junge Unternehmen einhergeht, berücksichtigt
  • Die Hurdle Rate bezeichnet das Mindestrenditepotential, das mit dem Investment einhergehen muss

Das marktorientierte Bewertungsverfahren

Bei dieser Variante der Unternehmensbewertung wird das eigene Unternehmen mit Unternehmen verglichen, deren Marktwert bekannt ist. Die Schwierigkeit dabei ist es Unternehmen zu finden, die tatsächlich mit dem eigenen vergleichbar sind, denn kein Unternehmen gleicht sich in allen Eigenschaften. Anschließend werden Kriterien zur Beurteilung der Vergleichbarkeit gesucht.

Das können zum einen qualitative Merkmale, wie die Branche, Kunden, Produkte, Positionierung und Standorte sein. Zum anderen können es quantitative Merkmale, z.B. die Wachstumsrate, der Marktanteil, das Umsatzvolumen und die Kapitalstruktur sein.

Multiples zur Annäherung an den Unternehmenswert

Wurde eine Gruppe an Vergleichsunternehmen zusammengestellt, dann kann man sich mit Hilfe sogenannter Multiples an den Unternehmenswert annähern.  Diese Multiples werden mit einer Kennzahl des zu bewertenden Unternehmens multipliziert, um von bekannten Unternehmensgrößen auf den Wert eines vergleichbaren Unternehmens zu schließen.

Die wichtigsten Multiples bei einer VC-Finanzierung sind das Kurs/Gewinn-Verhältnis und das Kaufpreis/Umsatz-Verhältnis.

Das FINANCE Magazin veröffentlicht regelmäßig die wichtigsten Multiples für unterschiedliche Branchen und gibt Rechenbeispiele für die Durchführung des Multiplikatorenmethode.

 

Related Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.