Unternehmenskultur ist beim Münchner Start-up OnPage.org kein Fremdwort. Denn das Start-up, das sich auf Webseitenoptimierung spezialisiert hat, ist innerhalb kurzer Zeit auf 33 Mann angewachsen und hat für sich beschlossen diesen Punkt mit Leben zu füllen. Im Interview sprechen COO Andreas Bruckschlögl und Feelgood Managerin Lisa Tafelmeyer wie hilfreich eine gelebte Wohlfühlkultur für das Unternehmen ist.

Venturate: OnPage.org hat ja eine rasante Karriere hingelegt. Seit 2012 habt Ihr euch von “Vier Freunde müsst ihr sein” zu einem 33 Mann starken Unternehmen entwickelt – in drei Jahren. Wie gelingt es, seine Start-up Mentalität zu bewahren?

Andreas Bruckschlögl: Anfangs ist das kein Problem, solange es wenige Mitarbeiter OnPage bleiben. Mit wenigen Leuten regelmäßig in Kontakt zu bleiben war einfach, da es auch keine großen räumlichen Distanzen gab. Doch mit der Zeit ist unser Unternehmen immer größer geworden. Bei rund 30 Mitarbeitern haben Marcus, Merlin und ich gemerkt, dass wir das alles nicht mehr leisten können. Wir wollten unseren Fokus mehr auf die strategischen Belange legen und haben Lisa als Feel-Good Managerin in unser Team aufgenommen, die sich um die Sorgen, Probleme und Wünsche der Mitarbeiter kümmert. Ich denke, ein Start-up muss sich ab einer gewissen Größe in neue Strukturen und Prozesse integrieren.

Lisa Tafelmeyer: Neben Recruiting besteht meine Aufgabe als Feel-Good Managerin darin, Kommunikationskanäle zu finden, worüber Mitarbeiter am besten untereinander, aber auch mit den Teamleitern und der Geschäftsführung kommunizieren können. Meine bisherige Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig solche Kanäle sind und wie problematisch es werden kann, wenn diese fehlen. Wichtig sind aber auch One-on-One Gespräche, um herauszufinden, was die Mitarbeiter bewegt. Deswegen steht meine Tür stets offen.

Venturate: Wie schafft man es die geeigneten Bewerber zu bekommen? Gerade IT-Fachleute sind doch auch gerade am Standort München, der sehr IT-lastig ist, heiß umkämpft?

Lisa Tafelmeyer: Ja, der Technologie Markt ist hart umkämpft. Vor allem in München ist Recruiting immer ein Stück weit Fleißarbeit: Es geht nicht darum irgendwelche Mitarbeiter zu bekommen, sondern genau die Richtigen zu finden, die motiviert sind und gut in das Team passen. Unser Development macht in der Hinsicht bereits einen guten Job: Unsere Development Mitarbeiter rekrutieren ihre neuen Kollegen aus ihrem eigenen Netzwerk, sprich sie fragen ihre Bekannte oder Freunde. Das ist das Beste, was sich ein Start-up Unternehmen wünschen kann: Die eigenen Mitarbeiter empfehlen die Firma weiter. Die Arbeitsbedingungen, sowie das Betriebsklima bei OnPage.org stimmen einfach.

Venturate: Wie spiegelt sich das Recruiting in der Unternehmenskultur wieder?

Lisa Tafelmeyer: Wir tragen unsere Werte vom ersten Gespräch an nach Außen. Anzug und Krawatte sind hier eher verpönt. Bei unserem Kennenlernen geht es nicht um Formalitäten, sondern um ein lockeres Gespräch auf Augenhöhe. Zu uns kann jeder in Jeans und Turnschuhen kommen, oder wie man sich eben wohlfühlt. Ich glaube, das schätzen unsere Mitarbeiter an unseren Kultur. Und das, obwohl wir in einer herausfordernden Situation sind, in der Mitarbeiter mit den entsprechenden Qualifikationen zwischen zahlreichen Arbeitsstellen aussuchen können.

Venturate: Gibt es eine hierarchische Organisation?

Andreas Bruckschlögl: Wir haben vor kurzem bei einem Workshop folgenden wichtigen Wert für unser Unternehmen festgelegt: Augenhöhe. Wir, die Geschäftsführer, sehen jeden
Mitarbeiter auf Augenhöhe. Und natürlich wollen wir, dass er wie ein Unternehmer denkt. Wenn jemand eine Idee hat, versuchen wir sie in das Unternehmen einzubringen und zu entwickeln. Wir fordern das auch aktiv ein, denn es reicht nicht, lediglich seinen Job zu machen. So sind bei uns auch Stellen entstanden: Wenn jemand eine Leidenschaft für dieses oder jenes Thema entwickelt hat, bekam er von der Geschäftsführung den Rücken gestärkt: “Bau das auf!” Unserer Erfahrung nach funktioniert das unglaublich gut.

Venturate: Bekommen die Mitarbeiter “volle Verantwortung” übertragen? Wie viel Verantwortung gebt dann somit ihr, “die Gründer”, ab?

Lisa Tafelmeyer: Ja, die Gründer geben viel Verantwortung ab. An großer Verantwortung wachsen die Mitarbeiter und man kann sehr schnell feststellen, ob sie genau in ihrem Element sind oder nicht.

Andreas Bruckschlögl: Durch die neuen Perspektiven der Mitarbeiter, die eine bestimmte Aufgabe übernehmen, entstehen neue Lösungen und neues Wissen. Ich halte es da gerne mit Steve Jobs: “It doesn’t make sense to hire smart people and then tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.”

Venturate: Inwiefern investiert ihr in eure Mitarbeiter?

Lisa Tafelmeyer: Wir legen darauf großen Wert. Vorschläge für Fort- und Weiterbildungen kommen von beiden Seiten: Einerseits weisen wir unsere Mitarbeiter darauf hin, ob nichtOnPage beispielsweise dieser Workshop interessant wäre, und andererseits sind wir offen für ihre Eigeninitiative sich weiter zu entwickeln. Es wäre für uns eher ungewöhnlich, wenn jemand nicht ständig dazulernen möchte. Sollte ein Mitarbeiter dennoch gehen, ist sein Know how nicht völlig verloren, denn während seiner Zeit hat er das Unternehmen und die Produkte mitgestaltet. Jeder kann hier seinen Daumenabdruck hinterlassen. Dementsprechend konstruktiv gehen wir auch damit um.

Venturate: Habt ihr euch eine gewisse Firmenkultur überlegt? Werden regelmäßig Team-Events gemacht? Was zeichnet euch aus?

Lisa Tafelmeyer: Jeden Freitag gibt es ein Get-together des ganzen Unternehmens zum OnPageWochenausklang. Wir arbeiten daran, solche Rituale der Kommunikation weiter zu etablieren. Ein Beispiel, das sehr gut funktioniert: Das gemeinschaftliche Kochen ist uns ganz wichtig. Darum gibt es auch eine Küche mit zwei Herden. Beim Essen treffen sich alle und tauschen sich teamübergreifend aus. Es mag vielleicht banal klingen, aber es entsteht ein Gefühl von Familie. Entweder einer oder viele zusammen kochen für das ganze Unternehmen. Alle sind darin involviert, denn auch der Geschäftsführer wäscht mit ab oder geht einkaufen. So wird der Wert Augenhöhe gelebt, da sich keiner für etwas zu fein ist.

Venturate: Vielen Dank für das Gespräch!

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