Was die Finanzplanung von Unternehmen mit Geldanlage zu tun hat

Was die Finanzplanung von Unternehmen mit Geldanlage zu tun hat

Warum nimmt ein Unternehmen überhaupt einen Kredit auf? Ist die Kassenlage so knapp, dass die Firma kurz vor dem Untergang steht?

Nein, ist es nicht. In den meisten Fällen erhält ein Unternehmen in so einer desaströsen Situation gar keinen Kredit mehr von einer Bank oder einer Finanzierungsplattform.

Hingegen ist es völlig normal, dass solvente und mit stabiler Auftragslage ausgestattete Unternehmen fortlaufend Kapital aufnehmen, um Investitionen zu stemmen, die Produktivität zu steigern oder Betriebsmittel vorzufinanzieren. Sie schaffen neue Maschinen an, stärken ihre Marketing-Aktivitäten zur Absatzsteigerung oder automatisieren die betriebseigene Lagerverwaltung. Und dafür nehmen sie Fremdkapital auf, welches sie meist innerhalb der folgenden 3-4 Jahre durch die verbesserte Einnahmesituation bzw. durch die erzielten Kosteneinsparungen wieder zurückzahlen.

Wie arbeiten Unternehmen mit Geld?

Unternehmen bestreiten ihre laufenden Ausgaben für Personal, Energie oder Reinigungsdienste in der Regel aus den Einnahmen des Tagesgeschäfts. Eine Firma, die für solche stetig wiederkehrenden Zahlungen ein Darlehen aufnehmen muss, sollte dringend an seinem Geschäftsmodell arbeiten bzw. die Einnahmesituation verbessern.

Den Weg einer Fremdfinanzierung durch Kreditaufnahme sollte ein Unternehmen bei Neuinvestitionen wählen bzw. wenn das Unternehmen für zukünftige Aufgaben gerüstet werden soll. Auch eine Expansion der Unternehmensstandorte oder Ausweitung des Geschäfts wird selten aus der Portokasse finanziert. Dabei ist oft ein hoher Kapitaleinsatz im Spiel, der sich erst im Laufe der Zeit amortisiert. Für Privatanleger bietet sich in diesem Segment ein interessantes Anlagefeld, da Plattformen im Internet für die Unternehmen eine Finanzierungsalternative bieten.

Häufig geht es auch darum, bei sehr guter Auftragslage entsprechende Kapazitäten zu schaffen, um diese Aufträge auch entsprechend abarbeiten zu können. Denn kaum etwas tut einem Unternehmen mehr weh, als Aufträge ablehnen zu müssen, weil die Firma an die Auslastungsgrenze stößt.

Branchentrend erkennen und Kapazitäten ausbauen

Spediteur vor seinem Fahrzeug
Spediteur vor seinem Fahrzeug

Betrachten wir als fiktives Beispiel eine Spedition aus, sagen wir, Berlin-Pankow. Der Spediteur schafft zehn neue Lastwagen an, weil der Trend klar dahin tendiert, dass immer mehr Ware über die Straße transportiert wird. Seine Firma verzeichnet bereits seit Jahren eine steigende Zahl von Auftragseingängen und der Spediteur dachte sogar über die Anschaffung von zehn Gigalinern nach. Bei Gigalinern handelt es sich um extralange LKW mit einer Länge von über 25 Metern, die noch mehr Güter transportieren können und dadurch als besonders effizient gelten. Allerdings sind sie aufgrund ihrer Größe umstritten, die Zulassung wird eventuell nicht in allen EU-Staaten erteilt und die Manövrierbarkeit der Gigaliner ist innerorts ein deutlich schwierigeres Unterfangen.

Das unternehmerische Risiko von zehn Gigalinern war dem Spediteur nach reiflicher Überlegung zu groß, deshalb entschied er sich für den kreditfinanzierten Kauf von zehn herkömmlichen Lastern. Mit den zehn neuen LKW verbessert die Spedition ihre Wettbewerbssituation, kann mehr transportieren, wird häufiger im Straßenbild wahrgenommen und zieht durch die gestiegene Kapazität und Aufmerksamkeit neue Aufträge an Land.

Kreditfinanzierte Investitionen zahlen sich um ein Vielfaches aus

Die durch eine größere Auftragszahl erzielten höheren Einnahmen wiegen die Kosten einer Fremdfinanzierung in der Regel um ein Vielfaches auf. Um beim Beispiel der Berlin-Pankower Spedition zu bleiben: Selbst wenn das Unternehmen durch die Neuanschaffung der zehn LKW hohe Verbindlichkeiten eingeht, erschließt es sich Neukunden und dadurch wiederum mögliche Folgeaufträge und Weiterempfehlungen. Für unternehmerisches Wachstum muss ein Unternehmen eben auch in Vorleistung gehen.

Hafenanlage mit Speditions-LKW
Hafenanlage mit Speditions-LKW

Der Spediteur könnte auch abwarten und versuchen, die Aufträge mit den bestehenden Lastern zu bearbeiten. Dann muss er aber vielleicht zusehen, wie der Konkurrenzbetrieb aus demselben Pankower Gewerbegebiet an ihm vorbeizieht und das bessere Geschäft macht.

Sorgen sollte sich der Spediteur (und wohl auch die finanzierende Bank bzw. die sonstigen Investoren) in erster Linie dann machen, wenn die neuen LKW auf dem Betriebsgelände in Berlin bloß herumstehen. Denn LKW, die nicht rollen, bringen kein Geld ein und sind praktisch totes Kapital.

Wie kommt es zu Verzögerungen bei der Zins- und Tilgungszahlung?

Unternehmen befinden sich in einem dynamischen Umfeld, das sich stetig fortentwickelt. Dabei kann es während der Darlehenslaufzeit zu Situationen kommen, die selbst bei bester Planung nicht immer vorauszusehen sind. Zugelieferte Vorprodukte weisen nicht die geforderte Qualität auf, Geschäftspartner überweisen ihre Rechnungsbeträge zu spät oder handelspolitische Entscheidungen beeinflussen den Absatz der eigenen Produkte. Dadurch kann sich die Finanzplanung eines Unternehmens verändern.

Manchmal kann es deshalb auch zu Verzögerungen bei der Bedienung der Zahlungsverpflichtungen kommen. Die Kapitalgeber wie Banken und Investoren auf Anlageplattformen vertrauen natürlich darauf, dass die Unternehmen ihrer Zahlungspflicht trotzdem nachkommen und pünktlich die Raten für Zins und Tilgung überweisen.

Der Terminplan für Unternehmen verändert sich dynamisch

Auf unser oben bereits beschriebenes Beispiel mit der Berliner Spedition angewendet, könnte sich folgende Situation ergeben: Die zehn neuen LKW fahren voll beladen mit Berliner Pilsener in die Niederlande. Dort wird gerade viel gefeiert, weil die Niederlande gerade Fußball-Weltmeister geworden sind. Gut, beide Situationen sind sehr hypothetisch, die Holländer brauen selber gutes Bier und würden weder welches aus Berlin trinken noch würden sie jemals im Fußball…na, aber lassen wir das.

Wartende LKW im Container-Terminal
Wartende LKW im Container-Terminal

Damit die LKW nun nicht leer (und damit nicht umsatz- und gewinnbringend) zurückfahren, sollen sie im Hafen von Rotterdam eine große Ladung T-Shirts aufnehmen, die bei Berliner Hipstern gerade der letzte Schrei sind. Das Problem: Die T-Shirts liegen noch in zehn Containern auf einem Schiff, das aus Südostasien kommt. Das Schiff hat aufgrund heftigen Seegangs drei Tage Verspätung. Damit gerät der gesamte Zeitplan der Spedition in Verzug. In Berlin wartet eine große Handelskette auf die neuen T-Shirts und die Handelskette zahlt die Rechnung natürlich nur, wenn die Spedition die Ware liefert.

Die Spedition muss auf das Schiff warten, das Löschen der Ladung verzögert sich, weil alle Entladekräne mit anderen, pünktlich eingelaufenen Schiffen beschäftigt sind und die T-Shirts werden erst Tage später als geplant abgeliefert. Die Berliner Hipster haben die Verzögerung gar nicht bemerkt, schließlich waren auch sie die letzten Tage vorrangig mit dem Genuß von Bier – allerdings von Craft Beer aus Kreuzberg – beschäftigt. Für die Spedition sieht die Sache anders aus, denn durch die verspätete Lieferung kommt es natürlich auch erst zu einer später als geplanten Bezahlung durch das Handelsunternehmen. Entscheidend ist aber, dass sowohl die Ware geliefert wird als auch die Rechnung am Ende beglichen wird. Das Geld kommt also an, allerdings später als ursprünglich eingeplant.

Zahlungsverzögerungen sind in der Wirtschaft nichts Ungewöhnliches

Solche Situationen wie bei der oben beschriebenen Spedition sind gang und gäbe in der Wirtschaft. Sie bedeuten nicht, dass Unternehmen gleich in Schieflage geraten oder ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen können.

Wichtig für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Unternehmen und Bank bzw. Unternehmen und Finanzierungsplattform ist in solchen Fällen die offene und vor allem rechtzeitige Kommunikation. Kann es zu einer möglichen Verzögerung bei der eigentlich fälligen Tilgung kommen? Und wenn ja, was sind die Gründe dafür?

Sind alle Beteiligten auf dem gleichen Informationsstand, kann ein konstruktives Gespräch über das weitere Vorgehen erfolgen. So kann eine kurzfristige Stundung Abhilfe schaffen, möglicherweise gegen die Erhebung eines moderaten Säumniszuschlags. Oder es wird ein detailliertes Konzept bzw. ein überarbeiteter Tilgungsplan über die Rückzahlung der ausstehenden Summe ausgearbeitet.

Letztendlich sind alle Beteiligten – Unternehmen und Finanzierungspartner – an einer gütlichen Lösung interessiert. Schließlich sollen nach Möglichkeit auch in der Zukunft Geschäfte miteinander gemacht werden. Wohl jede Seite arbeitet gern mit einem zuverlässigen Partner zusammen – die Kreditgeber mit solide wirtschaftenden und solventen Unternehmen und die Unternehmen mit einer verlässlichen und gesprächsbereiten Zugangsquelle für Kapital. Die Plattformen übernehmen dabei stellvertretend für die Privatanleger die Klärung der weiteren Tilgungspläne.

Außerdem haben die Unternehmen kein Interesse an einer Verschlechterung ihrer Bonität aufgrund mangelhafter Zahlungsmoral. Auch aus diesem Grund werden sich die Unternehmen alle Mühe geben, in einem dynamischen Umfeld ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dasselbe dürfte natürlich auch für unseren fiktiven Pankower Fuhrunternehmer gelten…

Nervosität ist bei den investierten Privatanlegern natürlich verständlich, doch sollten sie bei gelegentlich auftretenden Zahlungsverzögerungen nicht gleich in den Panikmodus fallen. Am Ende erhalten die kreditgebenden Banken, Investoren und Anleger ihren Einsatz zurück, den sie mit einem Risikoaufschlag den Unternehmen zur Verfügung gestellt haben.

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