Auch heuer hatte ich wieder die Ehre, zur Stream Asia eingeladen zu werden, der “Un-Conference” von WPP, einem der größten Agentur-Netzwerke weltweit. Veranstaltungsort: Die bezaubernde Insel Langkawi im Staatsgebiet von Malaysia in der Andamanensee. Das Prinzip der Stream ist ebenso einfach wie genial: Rund 300 Leute, also ein überschaubarer Kreis, wo man noch mit einem Großteil irgendwie mal ins Gespräch kommt – jeweils 100 von WPP, 100 von deren Kunden und 100 „Sonstige aus der digitalen Branche“. Unter Letztere falle dann zum Beispiel ich.

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Es gibt einen groben Rahmen für die zweieinhalbtägige Veranstaltung, im Kern sind die Teilnehmer dieser „Un-Conference“ gefordert ihr eigenes Programm vorzuschlagen und anschließend inhaltlich zu gestalten. Das reicht zu den Abendveranstaltungen von einem Wettbewerbs-Pitch mehrerer Gruppen zu einem Kampagnen-Thema wie „Wasserverbrauch in China reduzieren“ bis zu Operngesang (richtig gut!) à la „Stream has Talent“. Herzstück sind indes die 1-stündigen Diskussionen über den Tag verteilt, die man wie früher in einem Stundenplan selbst befüllt, anschließend auf der großen Bühne vor allen für eine Teilnahme pitcht und, last but not least, selbst moderativ durchs Thema führt.

Sessions WPP Asia 2014

Mein Thema war „The un-flat world – cross border investing in start-ups“. Schließlich fanden sich rund 20 Teilnehmer bei 40 Grad Celsius unter einem dem weißen Schattenzelt mit roter Markierung ein – und es wurde eine ebenso intime wie kurzweilige Diskussion, zu der sich (Start-up)-Unternehmer, VCs und Business Angels eingefunden hatten.

WPP Stream Asia Start-up Session

Wesentliche Erkenntnisse:

  • Investoren aus allen Herren Ländern haben Südostasien sowie China auf dem Radar und bauen sich systematischen Dealflow auf. Das deckt sich auch mit einer ganz frischen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young „Global venture capital insights and trends 2014“.
  • China hat sich als eigenständiger Internet-Markt längst emanzipiert und ist mit vielen innovativen Start-ups längst über die Copycat-Phase à la „Baidu ist das Google von China“ hinausgewachsen. Erfolgreiche IPOs in einem hochgradig wettbewerbsintensiven Umfeld beflügeln die Phantasie.
  • Auch die Schwellenländer wie Thailand, Malaysia und Indonesien sind vom Start-up Fieber erfasst. Ein Teilnehmer aus Jakarta erzählte mir: „Ging ich letztes Jahr auf eine Start-up Veranstaltung, waren 50 Teilnehmer da. Jetzt sind es 500.“
  • Ein Großteil der Start-ups reitet voll und ganz auf der Welle „Mobile First“ oder gar „Mobile only“.
  • Grenzüberschreitende Skalierung: Viele neue (Mobile-)Services adressieren nicht nur auf den Heimatmarkt, sondern richten sich mit sprachlicher Lokalisierung an die ganze Region in Südostasien.
  • Das Eco-System stabilisiert sich zunehmend mit ungeschriebenen Gesetzen: Entrepreneure, die sukzessive Kapital von Business Angels oder VCs aufnehmen möchten, gründen die Firma gleich in Singapur. Die geringen administrativen Hürden der Gründung sowie den verlässliche Rechtsrahmen heißen internationale Investoren sehr willkommen. In den jeweiligen Märkten werden die Teams dann meist mittels reiner Niederlassungen, manchmal auch via Tochterfirmen der Singapur-Gesellschaft aufgebaut.
  • WPP Stream Asia - Crowd

  • Man spricht Englisch: Ähnlich wie sich in Berlin inzwischen auf Start-up Events Englisch als „Lingua Franca“ etabliert hat, so spricht man auf nämlichen Veranstaltungen zwischen Bangkok, Kuala Lumpur, Ho Chi Minh Stadt bis Jakarta die gleiche Sprache.
  • Gegenüber der Geschwindigkeit, wie Unternehmer und Investoren sich bewegen, muten zahlreiche staatliche Regulierungen hochgradig sklerotisch an. Besonderer Härtefall rund um Bürokratie rund um Kapitaltransfer: Indien. Aber auch China hat mit bestimmten Reporting-Vorgaben einiges zu bieten. (Deutschland mit seinem langatmigen Notarwesen sei dabei auch nicht viel besser, wie ein internationaler Investor bemerkte.) Ebenso machen komplizierte Bestimmungen den Gründern bei Visavergabe und Arbeitsgenehmigungen das Leben schwer.
  • Eine einheitliche Online-Plattform, die als Kontaktanbahnung zwischen Start-ups und Investoren dient, gibt es bis dato nicht. Offline-Events und persönliche Intros dominieren die Landschaft.

Der besondere „Spirit“ der Stream-Events liegt eindeutig in dem informellen Rahmen, wo man sich in Shorts und Flip-Flops näher kommt, was erst gar keine verstockte Business-Kasperei aufkommen lässt. So sitzt man dann z.B. mit der US-amerikanischen Angel Investorin Esther Dyson im Kreis und diskutiert auf Augenhöhe im einzig klimatisierten Raum über frühphasige Investment-Strategien.

Session on Start-ups with Esther Dyson, DIrector WPP

Fazit: Die WPP Stream ist ein tolles Event, von dem man mit jeder Menge Inspiration und guten Kontakten abreist.

Berijaya Resport in Langkawi

Wie auch sonst im Leben gilt hier das „Prinzip Karma“: Je mehr man selbst reinsteckt, desto mehr bekommt man zurück 🙂

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